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Ein guter Geist geht in den Ruhestand

Johannes Bedrich verschönert die Ortsbilder in der Gemeinde Nebelschütz. Zuletzt als ehrenamtlicher Wegewart.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Nebelschütz. Farbenfroh sprießt der Frühling im Dorf. Auf dem Hochbeet an der Mauer zur Bjesada blühen Narzissen, Kartäusernelken, Stiefmütterchen und Tulpen. Von Weiden umflochten wachsen Rispen-Hortensien und Eichenblatt-Hortensien. „Das ist mein neuestes Werk. Im Januar habe ich angefangen“, sagt Johannes Bedrich und streicht liebevoll über den kleinen Sträucherzaun. Aus Weidenruten, roten und gelben Hartriegel-Ruten und Haselnuss-Zweigen hat er ihn gefertigt. Holzhackschnitzel und China-Schilfgras decken die Blumenbeete ein. „Diese Stelle hier in der Dorfmitte soll das ganze Jahr über blühen. Sie ist Blickfang und erster Eindruck für die Besucher“, meint der 68-jährige Nebelschützer.

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18 Jahre lang war er in der Gemeinde ehrenamtlicher Wegewart. Zuvor sorgte er in ABM- und Ein-Euro-Job-Projekten immer wieder für die Verschönerung aller fünf Ortsteile. Garten- und Landschaftsbau war jahrelang sein Metier in der Gemeinde. Die Liebe dafür entdeckte er durch die alte Sandmühle und die umliegende Natur.

1971 heiratete der gebürtige Säuritzer hier ein. Er staunte über die Historie und Robustheit der Mühle. Ihr Ursprung datiert schon 1438. „Sie war eine der ersten Wassermühlen in der Oberlausitz. Das fand Matthias Knobloch bei Recherchen zur Dorfchronik heraus“, sagt Johannes Bedrich. „Auf dem Grundstück der Schwiegereltern pflanzte ich Bäume. Mit der Natur fühle ich mich schon immer verbunden.“

Ursprünglich war die Mühle Privatbesitz. Anfang der 1960er-Jahre übernahm sie die LPG. Sie richtete ein Mischfutter-Werk ein. Kraftfutter für Schweine, Rinder und sogar Fische entstand hier. Johannes Bedrich leitete den Betrieb seit 1988 nach einer Umschulung zum Facharbeiter für Mischfutter-Technik. Notgedrungen, um des Erhalts des Betriebs willen gab er seinen geliebten Beruf Kfz-Schlosser auf. 1992 schloss das Mischfutter-Werk. Johannes Bedrich wurde arbeitslos. Damit fand er sich nicht ab. Für eine Leipziger Gartenbau-Firma pflanzte er später als Mitarbeiter Bäume entlang der Kreisstraße Crostwitz-Ralbitz. Seit 2000 war er Fachanleiter für Garten- und Landschaftsbau in der Gemeinde Nebelschütz. „Damals begann ein ABM-Projekt des Förderwerks für Land- und Forstwirtschaft Sachsen“, erinnert er sich. „In diesem Projekt war ich Fachanleiter für sechs Frauen und sieben Männer. Mit Lothar Ziesch in der Landschaftspflege und Florian Rentsch in der Zimmerei hatte ich zwei gute zuverlässige Vorarbeiter. Jede Arbeit dokumentierten wir sorgfältig.“

In allen Ortsteilen unterwegs

In Nebelschütz wurde das Umfeld der Dorfbrücke am Heldhaus entkrautet, freigelegt und gereinigt. Erneuert wurde zudem der Abfluss am Sportplatz. Ebenso entstand im Fachwerk-Stil das Buswarte-Häuschen. In Miltitz wurde der Containerplatz am Konsum gepflastert und neu hergerichtet sowie der Dorfteich entschlammt. Die Arbeiter legten ebenso den verwilderten Zufluss zum Teich frei. In Dürrwicknitz entkrautete Johannes Bedrich mit seiner Mannschaft den Dorfgraben. In Wendischbaselitz wurde unter anderem der Dorfbrunnen höher gesetzt, mit Granit ummauert und mit einer funktionstüchtigen Pumpe versehen. In Piskowitz wurde der Dorfteich neu umzäunt und gesichert. Beräumt wurden die Altlasten auf dem Gelände des ehemaligen Kinderferienlagers Piskowitz und das Gelände gesäubert.

„Wir haben auch den Wanderweg von Nebelschütz oberhalb Wendischbaselitz bis Piskowitz auf drei Kilometern befestigt. Rund 80 Meter Weg legten wir sogar neu an“, sagt Johannes Bedrich. „Damals ist viel geworden.“ Weit mehr als 100 Tonnen Mineralgemisch verteilten die Arbeiter beim Neubau des Rad- und Wanderwegs. 35 Bäume pflanzten sie damals neu an. „Wir konnten die Ortsteile aufwerten“, sagt der Nebelschützer dankbar. „Wir waren immer ein starkes, fleißiges, hochmotiviertes Team. Probleme klärte ich stets sofort unter vier Augen. Ich habe nie die Freude an meiner Arbeit verloren. Es hat mich immer angespornt, mit so vielen verschiedenen Charakteren zusammenzuarbeiten.“

Informationstafeln installiert

Unter Johannes Bedrichs Regie und nach Entwurf von Florian Rentsch entstanden zehn Informationstafeln der Ortsteile. Sie geben Einblicke in Geschichte und Einzigartigkeit des jeweiligen Dorfes. Dank seiner Erfahrung und Fachkenntnis berief die Gemeinde Nebelschütz Johannes Bedrich zum ehrenamtlichen Wegewart. Regelmäßig fuhr er die 34 Kilometer Orts- und Wanderwege in der Gemeinde ab. Er achtete auf die intakte Beschilderung, auf genügend Sitzbänke und Papierkörbe, auf den guten Zustand der Wege. Oft schnitt er Wege und Pfade frei. „In Absprache mit der Gemeinde errichteten wir auf dem Parkplatz am Heldhaus einen Taubenstand. Der Crostwitzer Pfarrer Clemens Rehor unterstützte uns mit Hinweisen. Schließlich war bei ihm auf dem Pfarrhaus bereits ein sehr schöner, großer Taubenstand.“

Mit viel Kreativität gestaltete Johannes Bedrich die Info-Tafeln für die Wanderer. Zwei Wanderfreunde unterstützten ihn. „Mir ging es stets um die Verschönerung aller fünf Ortsteile“, meint er und fügt stolz hinzu: „Auch dank dieser Vorarbeit konnte die Gemeinde Nebelschütz später den Dorferneuerungspreis gewinnen.“ Zusammen mit Dorina Michel, einer fleißigen, kreativen Kraft im Bauhof, legte Johannes Bedrich 2006 einen Gemüse und Kräutergarten an. Bio-Muttererde besorgten sie sich aus Brischko. Nach knapp vier Jahren grünte und blühte der kleine Garten. Die Mädchen und Jungen aus der Kindertagesstätte Nebelschütz erhielten einen kleinen Bereich mit Beeten zugewiesen. Dafür durften sie sich verantwortlich fühlen.

Nun geht es in den Ruhestand

Seit 2007 organisierte Johannes Bedrich mit seiner Mannschaft regelmäßig das Kartoffelfest. Dabei lud er alle Generationen ein. Mit originellen Ideen ging es um den Wert der Kartoffel sowie um Obst, Gemüse, Pilze und weitere Ernteschätze aus der Natur. Jetzt gibt Johannes Bedrich aus Alters- und Gesundheitsgründen seine Aufgabe ab. „Mein Nachfolger braucht die Unterstützung der Gemeinde. Auf ihn wartet viel Arbeit. Ich stehe ihm oder ihr mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Johannes Bedrich. Er erinnert sich an ein Gedicht von Heinz Schenk über die Endlichkeit des Lebens: „Es ist alles nur geliehen“. Darin mahnt er die Wahrung der Natur an. Sie soll für Kinder, Enkel und Urenkel gewahrt bleiben. „Wie soll man die Heimat lieben, wenn man nicht durch sie fährt und wandert?“ fragt der 68-Jährige? Für die Unterstützung, für die jahrelange Zusammenarbeit auf Augenhöhe dankt er Bürgermeister Thomas Zschornak, Bauhofleiter Silvio Reineke und allen Kräften in ABM- und Ein-Euro-Job-Projekten der vergangenen Jahre. „Allein könnte ich nicht viel bewegen“, meint er. „Nur gemeinsam sind wir stark.“