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Olaf Scholz: Ein halb gewollter Kandidat

Die SPD könnte mit Olaf Scholz mehr erreichen, als es scheint. Parteiinterne Gegner könnten ihm aber das Leben schwer machen - ein Kommentar.

Peter Heimann (r.) kommentiert die Nominierung von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten der SPD.
Peter Heimann (r.) kommentiert die Nominierung von Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten der SPD. © dpa/Kay Nietfeld

Die SPD ist eine komische Partei geworden. Sie macht es den Wählern, die sie früher mal erreicht hat, nicht wirklich leicht. In der jüngeren Vergangenheit hat die für das Land so verdienstvolle Partei solch unterschiedliche, teils gegensätzliche politische Signale gesendet, dass das Publikum gar nicht mehr recht mitkommt. 

Mal vermittelt sie den Eindruck, das Land steht beinahe am Abgrund und besteht aus einer Ansammlung von Opfern. Die große Mehrheit der Bürger findet allerdings, alles in allem, ihr Land sei in einem ganz ordentlichem Zustand. Daran hat die seit 1998 fast ununterbrochen mitregierende Partei zweifellos Anteil, verleugnet den aber gern.

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Olaf Scholz ist kein Menschenfänger

Nun hat die SPD, derzeit bei etwa 15 Prozent, ihr momentan einziges politische Schwergewicht zum Kanzlerkandidaten ausgerufen. Die Nachricht haut niemanden vom Hocker. Olaf Scholz ist kein Menschenfänger, im öffentlichen Auftritt eher langweilig als mitreißend. Ähnlich wie Angela Merkel. 

Und ähnlich wie die Kanzlerin ist Scholz kompetent bis ins Detail, verlässlich und persönlich integer. Er hat mehrfach bewiesen, gut regieren und führen zu können. Weil Merkel nicht mehr antritt und die Union ihre Nachfolge noch nicht stressfrei geregelt hat, könnte die SPD mit Scholz 2021 mehr erreichen, als es heute scheint.

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Wahrscheinlicher allerdings ist dies mit der Scholz-Nominierung nicht geworden. Erst voriges Jahr hat die Partei den Kandidaten, den sie jetzt dem Wahlvolk offeriert, selbst nicht als Anführer haben wollen. Die neue Vorsitzende Esken wollte ihn noch nicht mal einen standhaften Sozi nennen. Auch ohne prophetische Gabe erkennt man: Das wird in der Zukunft nicht nur gut gehen. Zumal Scholz, der politisch in die Mitte der Gesellschaft zielt, mit der angekündigten linkeren Ausrichtung Schwierigkeiten haben dürfte.

Links blinken, aber geradeaus zu fahren, hat schon beim SPD-Kandidaten Steinbrück nicht geklappt. Und dann gibt es noch die Grünen und alle Corona-Ungewissheiten. Richtig sicher ist wohl nur eines: Die innerparteilichen Scholz-Gegner haben durch die frühe Nominierung genug Zeit, ihrem Kandidaten das Leben ordentlich schwerzumachen.

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