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Bautzen

Urst fetzig! Die Bilder vom Bautzener Theatersommer 

Die Komödie „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ erzählt vom Erwachsen werden in den 70er Jahren in der DDR – mit Witz, Musik und einer Portion Nostalgie.

Diese vier Freunde kann eigentlich nichts trennen: Wuschel (Istvan Kobelja), Brille (Stephan Siegfried), Micha (Richard Koppermann und Mario (Jurij Schiemann) teilen ihre Träume, ihre Wünsche und natürlich auch ihre Liebe zur Westmusik. Ihr Alltag erzählt
Diese vier Freunde kann eigentlich nichts trennen: Wuschel (Istvan Kobelja), Brille (Stephan Siegfried), Micha (Richard Koppermann und Mario (Jurij Schiemann) teilen ihre Träume, ihre Wünsche und natürlich auch ihre Liebe zur Westmusik. Ihr Alltag erzählt © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Bedrohlich wirkt die Mauer hinter Stacheldraht. Soldaten der Grenztruppen patrouillieren davor. Nur wenige Schritte entfernt von ihnen steht das knallbunte Klettergerüst. Hier trifft Micha Kuppisch schon seit Jahren seine Freunde Mario, Wuschel und Brille. Mit seiner Clique philosophiert er über verbotene Westmusik, „urst fetzige“ Mädchen, verbotene Träume und das Leben nach der Schule. Ihre Heimat ist das Ost-Berlin der 1970er-Jahre „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“. Mit Witz, Musik, einer Portion Nostalgie führt dorthin die Zeitreise der diesjährigen Freiluftproduktion des Bautzener Theaters.

Im Hof der Ortenburg ist so nach dem Roman von Thomas Brussig und in der Regie von Lutz Hillmann eine Mini-DDR entstanden, wo die Zuschauer auf allerlei Bekanntes treffen: die Gardinen vor jedem Fenster, den Multifunktionstisch, das Radio „Fichtelberg“ und natürlich Moped, Trabant-Kübel und Saporoshez, ein robuster Kleinwagen aus der Produktion des sowjetischen Bruders, den Abschnittsbevollmächtigten und die Durchreiche im Standard-Wohnzimmer. Auch manche Szene mag das Publikum kennen: Das sozialistische Wartekollektiv vor dem Gemüseladen mit der Hoffnung auf Südfrüchte, der Westbesuch bringt den Duft von Intershop mit und die FDJ-Wahlversammlung. – Für Micha Kuppisch und seine Clique ist das Alltag zwischen Mauerbau und Perestroika mit ganz alltäglichen Sorgen des Erwachsenwerdens seinerzeit – und ein bisschen Widerstand im Schatten der Mauer. Denn den 17-Jährigen treibt um, wie er studieren kann, ohne sich für drei Jahre bei der NVA zu verpflichten, oder wie seine Clique den ABV linken kann. Der „Diener der Deutschen Demokratischen Republik“ weiß nämlich ganz genau, dass die Jungs lieber Westmusik statt Ost-Beat hören. Gleichzeitig schmachtet Micha der schönen, unerreichbaren Miriam hinterher. Doch die Schulschönheit flirtet viel lieber mit dem Unbekannten aus Westberlin. „Schließlich küssen Wessis besser“. Was auf jeden Fall zu beweisen wäre.

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Für das musikalische Siebziger-Jahre-Zeit-Gefühl sorgen bei der Komödie die „Mauersegler“. Die Band um Tasso Schille spielt DDR-Hits wie den fetten Sound der Rolling Stones“. Ihre Doppel-LP „Exile on Main Street“ rettet Michas Freund Wuschel letztlich sogar noch das Leben – am kürzeren Ende der Sonnenallee.


Von Eintritt bis Buffet

Vorstellungen: Bis 28. Juli ist das Theatersommer-Stück „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ im Hof der Ortenburg zu erleben. Gespielt wird von Mittwoch bis Sonntag, am Sonnabend gibt es jeweils um 15 und 19.30 Uhr eine Vorstellung. An den anderen Tagen beginnt die „Sonnenallee“ um 19.30 Uhr.

Karten und Preise: Bis jetzt sind knapp 27 000 von den 35 000 Karten verkauft, doch es gibt noch für alle Tage die Chance, in eine Vorstellung zu kommen. Die Tickets kosten zwischen elf und 24 Euro. Wer sich erst am Abend der Vorstellung entscheidet, muss noch mal drei Euro mehr zahlen. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor dem Beginn der Vorstellungen im Ortenburghof.

Parken: Parkplätze weist das städtische Parkleitsystem aus. Preisgünstiges Parken ist zum Beispiel im Kornmarkt-Center möglich. Das Parkhaus schließt an den Vorstellungsabenden kurz vor Mitternacht. Bei den Burgfilmnächten gelten die normalen Öffnungszeiten.

Gastronomie: Neben der Theatergastronomie hat sich das Theater wieder den „Burghof“ mit ins Boot geholt. Das Restaurant öffnet bereits zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn und bietet ein „Theatersommer-Buffet“ an.

Burgfilmnächte: Immer dienstags flimmern in der Kulisse des Theatersommers die „Bautzener Burgfilmnächte“. Los geht’s am 25. Juni mit dem preisgekrönten „Gundermann“-Film, am 2. Juli folgt der Defa-Kultfilm „Sieben Sommersprossen“. Außerdem werden „Mackie Messer - Brechts Dreigroschenoper“und „Adam und Evelyn“ gezeigt. Die Burgfilmnächte beginnen jeweils 21.30 Uhr.

Mit Handicap: Traditionell gibt es beim Theatersommer zwei barrierefreie Vorstellungen. Am 28. Juni wird eine Vorstellung mit Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen angeboten. Am 20. Juli sind bei der 15-Uhr-Vorstellung zwei Gebärdendolmetscher zu Gast, um das Stück für Gehörlose und Hörschwache zu übertragen.

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Die schönsten Momente vom Bautzener Theatersommer

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