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Ein Hauch Fernost im Riesengebirge

Im polnischen Przesieka bei Jelenia Góra gibt es einen Japanischen Garten.

So bunt ist der Japanische Garten im Mai und Juni. Im Hochsommer dominiert Grün, es gibt aber auch buntes Laub.
So bunt ist der Japanische Garten im Mai und Juni. Im Hochsommer dominiert Grün, es gibt aber auch buntes Laub. © Klaudia Cieplinska

Von Irmela Hennig und Maria Marciniak

Eine Handvoll Laub streut Jakub Kurowski zum Erstaunen seiner Gäste auf den Weg. Gerade erst hatte der 43-Jährige einige Papierschnipsel vom Boden aufgelesen, die Besucher beim Rundgang durch den Japanischen Garten verloren hatten. Und nun das? Doch der Gründer und Inhaber dieses besonderen Parks erklärt: „Das ist die japanische Philosophie. Niemand kann irgendetwas wirklich hundertprozentig perfekt machen. Wenn Du beispielsweise einen Weg kehrst, streue ein paar Blätter darauf. Das zeigt anderen, Du bist nicht überheblich, Du hältst Dich und Dein Tun nicht für fehlerlos.“

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Ein Japaner würde das immer deutlich machen – notfalls mit ein paar welken Blättern. Es ist eine besondere Welt, in die Touristen und Einheimische hier eintauchen können. Mitten im Riesengebirge, im kleinen polnischen Örtchen Przesieka (Hain), hat Jakub Kurowski dieses Stückchen Fernost geschaffen. „Mala Japonia“ – „Klein Japan“ - heißt die Anlage inzwischen. Sie bietet neben dem Japanischen Garten ein Museum mit Samurai-Rüstungen und Waffen, eine Bonsai-Sammlung und einen Kinderspielplatz, den höchstgelegenen in Niederschlesien, wie die Marketing-Beauftragte Joanna Cychol erzählt.

Ein Bonsai-Museum entsteht

Ein „Art Muzeum Bonsai“, also ein Museum der Bonsai-Kunst ist im Entstehen, das Gebäude aus Holz fast fertig. Eigentlich sollte 2020 der provisorische Parkplatz in eine richtige Stellfläche umgebaut worden sein. Doch wegen Corona gebe es Verzögerungen.Zusammen mit seiner Frau Sylwia hat Jakub Kurowski vor zwölf Jahren begonnen, den Japanischen Garten anzulegen. „Die Menschen wollen gern hören: Ich habe zehn Jahre in Japan gelebt – darum wäre ich auf die Idee gekommen“, erzählt der Vater dreier Kinder. Doch so geht die Entstehungsgeschichte nicht.

Jakub Kurowski wurde in Wroclaw (Breslau) geboren. Als er drei Jahre alt war, kauften seine Eltern das Grundstück im Riesengebirge, für die Familie. Mit seinem Vater baute er aus Natursteinen ein Schwimmbecken. Alle halfen beim jährlichen Heumachen. Erwachsen geworden, und von Beruf Physiotherapeut, wollte Jakub Kurowski hier einen richtigen Garten schaffen. Und der japanische Stil bot dabei, was ihm vorschwebte: „Ich wollte einen Ort mit einem besonderen Sinn anlegen“, sagt der Mann, der den Job in einer Kureinrichtung in Cieplice (Bad Warmbrunn) längst aufgegeben hat, weil aus dem Hobby-Park ein Unternehmen geworden ist. Eines, das letztes Jahr beinahe 100.000 Besucher angezogen hat. Wäre Corona nicht gekommen, mit der auch für diese Anlage angeordneten Schließung, wäre die Schwelle vielleicht geknackt worden.

Shows und Kultur im Garten

Seit sechs Jahren teilen die Kurowskis ihren Garten mit anderen. „Ja, das ist ganz verrückt“, sagt der Besitzer. Aber von Beginn an seien ohnehin Menschen gekommen, um sich die anderthalb Hektar Land, die Azaleen, die Rhododendren, das fernöstliche Flair anzuschauen. „Irgendwann hat ein Bekannter zum mir gesagt: Verkaufe doch Tickets. Damit kannst Du die Kosten decken“, erinnert sich der Parkchef. Inzwischen beschäftigt der Park vier Mitarbeiter für die Pflege, vor allem fürs Unkrautjäten. Etwa zehn kümmern sich um die Gäste. Den Sommer über gibt es verschiedene Kulturveranstaltungen, darunter eine Licht-Musik-Show.

Zu den zweisprachigen Infotafeln, auf Polnisch und Deutsch, soll künftig vielleicht ein Hörführer (Audioguide) kommen und zu zehn Stationen nähere Erläuterungen bieten. Schon gekauft hat die Familie zwei zusätzliche Hektar Land. Dort gebe es neun verschiedene Felsengruppen. Nur direkte um die Steine herum möchte Jakub Kurowski etwas gestalten. Ansonsten sollen Wiesen gemäht werden und den Besuchern zum Sitzen, Ausruhen, Nachdenken Platz bieten. „Dafür bekommen alle am Einlass eine Decke“, sagt der Parkchef, dem die Ideen nicht ausgehen, wie er erzählt.

Sogar japanisches Bier gibt's

Pflanzen, aber auch Anregungen findet er in Japan. Denn mittlerweile ist er mehrfach dorthin gereist, hat Freunde und Partner gefunden. Aber auch einheimische Gewächse dürfen in „Mala Japonia“ gedeihen. „Das widerspricht dem Prinzip des Japanischen Gartens nicht. Es gibt nirgendwo eine Festlegung auf bestimmte Sorten“, erläutert Jakub Kurowski. Und so wächst beispielsweise Acker-Schachtelhalm unter einer riesigen Fichte, die mit ihren Wurzeln einen großen Felsbrocken umschlingt. Auch südamerikanische Pflanzen wurden in den Park gebracht – zum Beispiel das Mammutblatt.

Worauf es bei aller Vielfalt unbedingt ankomme, sei der Ausgleich von Gegensätzen. So gibt es neben dem Männer- auch einen Frauenwasserfall. Ebenso sei das Tor am Eingang ein wesentliches Element. „Der Besucher geht aus der Wirklichkeit ein in den Garten. Wenn er durch das Tor tritt, lässt er sein Gepäck, seine Sorgen, draußen zurück“, so Kurowski. Bislang ist „Klein Japan“, wo es auch japanisches Bier und das berühmte Eis mit Grünem Tee gibt, vom Frühling bis in den Herbst geöffnet. Doch die Familie denkt darüber nach, künftig ebenfalls im Winter Gäste einzulassen. Die dafür nötige Technik, um die steilen Zu- und Anfahrten zu räumen, die hat Jakub Kurowski schon.

„Klein Japan“ (Ausschilderung „Ogród Japonski“) ist bis November täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Direkte Zu-/Abfahrt im Einbahnstraßensystem, teils steile Waldwege, (für ungeübte und ängstliche Autofahrer eher nicht zu empfehlen, stattdessen Fußmarsch vom Tal aus). www.malajaponia.pl

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