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Ein Hauch von Südamerika

Etwa 15 Südamerikaner leben in der Neißestadt. Vielleicht werden ihre Feiern eine feste Größe im Partykalender der Stadt.

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Von Jenny Ebert

Riesentrubel herrscht im „Camillo“. Überall im Haus der Kinokneipe sitzen junge Leute zusammen, essen, feiern, quatschen, lachen. Musik läuft. Aus dem Saal im ersten Stock dringen angenehme Gerüche – nach Essen, fast wie nach Chili con Carne.

Aber eben nur fast so. Was hier angeboten wird, heißt Fajitas de res, Mole poblano, Arroz a la mexicana oder picadillo. Dahinter verbergen sich Rinderfilet, eine Schokoladen-Chili-Soße, mexikanischer Reis und Hackfleisch mit Zimt und Rosinen. „Wir haben etwa fünf Stunden lang gekocht“, erzählt Tania Maldonado und lacht. Zu diesem mexikanischen Abend am Sonnabend im Camillo haben die Organisatoren eigentlich mit 30, 40 Leuten gerechnet.

„Und jetzt sind fast 100 da!“, ruft Tania und freut sich sichtlich. Wie viele Südamerikaner darunter sind, können sie und ihre Mitorganisatorin Carolina Cruz nicht sagen. „In Görlitz leben Mexikaner, Chilenen, Bolivier, Kubaner...“, zählen sie auf und kommen am Ende auf etwa 15 Personen aus südamerikanischen Gefilden.

Seit einigen Monaten in Görlitz

Die beiden jungen Frauen aus Mexiko springen beim Erzählen immer wieder zwischen ihrer Muttersprache und Deutsch hin und her. Miteinander wird nur Spanisch geredet, aber ihr Deutsch ist schon sehr gut.

„Wir sind hierher gekommen, weil wir bei Siemens arbeiten“, erklärt Tania Maldonado. „Ich habe früher in Reutlingen studiert und bin seit August in Görlitz.“ Ihre Freundin Carolina ist schon im März vergangenen Jahres in die Neißestadt gezogen und lebt aus demselben Grund wie Tania hier. „Görlitz ist schön, das Camillo ist schön und die Feier ist schön“, rufen die beiden und winken immer wieder vorbeikommenden Gästen.

Nach mexikanischem Film um 18Uhr und Essen um 20 Uhr naht jetzt ab 22 Uhr allmählich die Zeit zum Tanzen, „Wir werden die ganze Nacht tanzen!“, rufen die beiden Mexikanerinnen und legen schonmal ein bisschen los.

Geht es nach ihnen, könnten diese Feiern vielleicht bald regelmäßig im Görlitzer Veranstaltungskalender auftauchen – dann vielleicht auch richtig offiziell. „Es wäre schon denkbar, solche Partys öfter zu veranstalten“, überlegt Tania laut, „es sind ja schon allein aus unserer Firma sehr viele gekommen.“

Monatliche Treffen seien möglich, offen für alle Interessierten gestaltet, da die Südamerikaner untereinander sich ohnehin schon alle kennen. „Wir sind ja nur eine kleine Gruppe“, sagt Tania.

Eine von ihnen ist Cruz Albrecht, die mittlerweile hinzugekommen ist. „Es gab schon Treffen im Camaleón, wo wir uns alle mal zusammengesetzt haben“, erzählt sie, „auch für das Fest der Kulturen im Juni rufen wir schon seit einigen Jahren auf, dass alle mitmachen sollen, alle Nationalitäten.“

Seit elf Jahren in Görlitz

Sie selbst lebt schon seit elf Jahren in Görlitz, wie sie sagt, und hat eine Familie mit einem deutschen Mann gegründet. Tania und Carolina wissen jetzt noch nicht, wie lange sie in der Stadt an der Neiße bleiben werden. Sie kommen beide aus der Stadt Puebla, die sich etwa zwei Autostunden von Mexiko City entfernt befindet. „Wir haben uns vorher aber noch nie dort gesehen“, berichten die beiden und lachen sich an. Dann eilen sie davon, tanzen gehen.