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Freital

Ein Haus der Moderne mitten in Freital

Der Neumarkt sollte das Zentrum der Stadt werden. Nur zwei Gebäude wurden gebaut. Eines ist etwas Besonderes.

Das Stadthaus am Neumarkt in Freital-Deuben fand Aufnahme in ein Buch zum Bauhaus-Jubiläum.
Das Stadthaus am Neumarkt in Freital-Deuben fand Aufnahme in ein Buch zum Bauhaus-Jubiläum. © Thomas Morgenroth

Architekten und Kunstinteressierte in aller Welt feiern 2019 einhundert Jahre Bauhaus. Das Jubiläum war für die Stiftung Haus Schminke in Löbau Anlass, in einem opulenten Buch die Moderne der Architektur in Sachsen anhand zwanzig ausgewählter Beispiele zu feiern. „Der moderne Blick“ präsentiert mit aktuellen und historischen Fotos sowie einer Beschreibung in Deutsch und Englisch herausragende Gebäude der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Darunter sind bekannte Denkmäler wie das Kaufhaus Schocken in Chemnitz, die Versöhnungskirche Leipzig und das Hygienemuseum in Dresden – aber auch das Stadthaus am Neumarkt in Freital.

Manchen wird das überraschen, gilt die 1921 aus dem Zusammenschluss von drei Industriedörfern gegründete Stadt nicht gerade als Ort architektonischer Höhepunkte. Gerade erst wurde mit dem Abriss der ehemaligen Lederfabrik wieder ein besonderes historisches Objekt vernichtet – angeblich aus Kostengründen, wie es in solchen Fällen in Freital immer heißt.

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Das Stadthaus am Neumarkt hingegen wurde nach der Wende außen denkmalgerecht saniert und innen zweckmäßig umgebaut, sodass letztlich nur noch die Fassade von der Moderne zeugt. Die Dresdner Straße 209 ist heute ein Ärztehaus und den meisten älteren Freitalern wohl noch als Poliklinik in Erinnerung. Es gehört der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, deren Vorgängerin schon 1927 mit Fertigstellung in das markante Haus eingezogen ist, zusammen mit einer Buchhandlung, dem Palast-Café Schröder und der „Ehappe“, einem legendären Bekleidungsgeschäft, das sogar noch zu DDR-Zeiten existierte.

Bis in die Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts hinein gab es auch die Sparkasse an dieser Stelle, aber das ist längst Geschichte. Heute vermietet die Bank an Ärzte, die Windberg-Apotheke, den Modellbahnshop „Lothars Lokschuppen“ und das Vital-Sanitätshaus.

Luxuswohnungen und Krematorium

Das Gebäude sollte eigentlich Teil einer kompletten Neugestaltung und Bebauung des Neumarktes als Stadtzentrum werden. Den Auftrag dazu hatte der deutsch-böhmische Reformarchitekt Rudolf Bitzan (1872-1938), der unter anderem auch das 1915 fertiggestellte Rathaus in Döhlen geplant hatte, das heute Sitz der städtischen Wohnungsgesellschaft Freital ist. In Deuben sah er neben öffentlichen Gebäuden Luxuswohnungen vor, aber auch ein monumentales Krematorium mit Feierhalle und Friedhof am Fuße des Windberges. Ein Modell des Entwurfs, ein Foto findet sich im Buch, steht in der Ausstellung zur Stadtgeschichte Freitals auf Schloss Burgk.

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Nur ein kleiner Teil der Pläne wurde umgesetzt, das Stadthaus und ein weiteres Gebäude, heute Sitz des DRK und einer Internistischen Praxis, wurden gebaut. Dann ging Freital im Zuge der Weltwirtschaftskrise das Geld aus. Durch die umfangreichen kostenlosen Sozialleistungen, die hohe Arbeitslosigkeit und sinkende Steuereinnahmen war die „Stadt der Arbeit“ bald so hoch verschuldet, dass sogar ein Anschluss an die Stadt Dresden erwogen wurde. Immerhin hätten die Freitaler dann wenigstens ein richtiges Stadtzentrum bekommen. So blieb es bei zwei Häusern.

„Der moderne Blick“, Stiftung Haus Schminke, 160 Seiten, 15 Euro, dazu gibt es eine App für Smartphones, mit der Fotos zum Leben erweckt werden können. Zu beziehen über die Stiftung.

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