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Ein Haus erzählt Geschichte

Einblick . Nach der Teilsanierung des Peter-Ulrich-Hauses schaute die SZ einmal hinter die Türen des historischen Gebäudes.

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Von Henry Berndt

Es war bereits Apotheke, Stall, Lebensmittelladen und Wohnung. Zuletzt jedoch war es eine Ruine inmitten der Pirnaer Altstadt: das historische Peter-Ulrich-Haus am Markt 3. Nach fünf Jahrhunderten wechselvoller Geschichte wartet es seit Anfang der 90er Jahre auf seine neue Bestimmung.

Die erste Voraussetzung dafür wurde nun geschaffen. Seit April ließ der Eigentümer, die Wohnungsgesellschaft Pirna (WGP), das Gebäude für etwa 165 000 Euro teilsanieren. Besonders das Hochwasser des Jahres 2002 hatte dem Haus zuvor stark zugesetzt.

Behutsamer Investor gesucht

„Der Vorbesitzer hatte den Fußboden aufgewühlt, da er im Keller eine Kneipe einrichten wollte“, sagt Albrecht Sturm vom Institut für bewahrende Erneuerung in Pirna. „Für die Sanierung nach der Flut war das natürlich ein riesiger Nachteil.“ Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Schlotzhauer war Sturm mit der Planung und Bauüberwachung beauftragt. Mit einer Mischung aus Stolz und Bewunderung führte er die SZ nun durch das dreigeschossige Haus.

Fertig saniert werden bis Ende August zunächst nur der Keller und das Erdgeschoss sein. In diesem Zustand möchte die WGP das Gebäude gern an einen Investor verkaufen, „an jemanden, der behutsam mit der Bausubstanz umgeht“, wie WGP-Sprecher Sören Sander betont. Tatsächlich hat das Peter-Ulrich-Haus eine Menge architektonische Leckerbissen zu bieten, die es zu schützen gilt. Da wären zum Beispiel die teilweise über acht Meter langen Bohlen-Balken-Decken aus dem 16. Jahrhundert oder die kunstvollen und äußerst seltenen Zellengewölbe im Erdgeschoss. Die oberen Etagen wurden in den 90er Jahren lediglich notdürftig vor dem Zusammenbruch bewahrt. Alte Kamine, Räucherkammern und Lehmwände zeugen hier daher noch von alten und sehr alten Zeiten. Dazwischen hängen an einigen Stellen noch Reste von Blümchentapete und Zeitungsfetzen, die mit Adenauer titeln.

Kein Balken liegt parallel

Bis zum Ende der 80er Jahre wohnten hier noch Menschen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die anfangs riesigen Räume immer weiter durch Trennwände verkleinert, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Einige von ihnen sind aus Brettern zusammengezimmert, andere aus Lehm geformt und wieder andere solide gemauert.

Kein Balken im Haus läuft parallel zum anderen, Türen hängen in der Luft, einige Durchgänge messen kaum 1,70 Meter. „Dieses Haus hat viel erlebt“, sagt Sturm. „Wie in der Archäologie lassen sich hier Schichten erkennen.“

Besonders hat es ihm jedoch der Dachboden angetan. „Ein Ausbau hier oben würde viel Geld kosten“, sagt er, „allerdings würde der Ausblick auf den Marktplatz am Ende zweifellos dafür entschädigen.“

Als Wohnraum sind die insgesamt etwa 600 Quadratmeter Nutzfläche jedoch offensichtlich ungeeignet. Die Fußböden sind unterschiedlich hoch; zwischen den Räumen sind zum Teil 30 Zentimeter breite Freiräume entstanden. „Außerdem ist die Raumstruktur schwierig“, sagt Sturm. „Die Nutzung sollte jedoch der Struktur angepasst werden und nicht umgekehrt.“

Obwohl das Objekt nutzungsneutral verkauft werden soll, sinniert der Planer bereits über mögliche Alternativen: „Ich könnte mir das Haus gut als Museum vorstellen.“ Bis zum Verkauf möchte die WGP das Gebäude vorerst gelegentlich für Besucher öffnen, zum Beispiel bei Stadtfesten oder dem Tag des offenen Denkmals .