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Ein Heißluftballon stürzt in Lotzen ab

Unfall. Bei der Landung geriet ein Ballon in eine Stromleitung. Die Passagiere blieben unverletzt, aber Dörfer hatten für Stunden keinen Strom.

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Von Dieter Hanke

Mit dem Schrecken kamen vorgestern Abend ein Ballonfahrer und seine vier Insassen bei der Landung davon. Am Ortsausgang Lotzen (Gemeinde Klipphausen/Kreis Meißen) in Richtung Birkenhain blieb die Ballonhülle in einer 20 kV-Freileitung hängen. Die Gondel schlug auf dem Boden auf. „Verletzt wurde zum Glück niemand“, so Kathleen Arnold, Sprecherin der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge. Die Insassen konnten selbst aus der Gondel aussteigen und die Polizei informieren.

In Golk gestartet

Der Sachschaden beträgt etwa 6 000 Euro, so die Polizei. Leiterseile wurden auf 130 Meter Länge herunter gerissen. „Auch Mastköpfe erlitten Beschädigungen“, sagte Claudia Kuba, Sprecherin der Energieversorgung Sachsen Ost (Esag).

Der 47-jährige Freitaler war mit vier Insassen in Golk (Gemeinde Diera-Zehren) gestartet und flog Richtung Meißen und weiter nach Taubenheim. Die Polizei vermutet einen Fahrfehler. „Kriminalisten ermitteln jetzt die genauen Umstände, die zu der missglückten Landung führten“, so Arnold. Der Ballon gehört der Firma Skylift in Freital, Ortsteil Pesterwitz. Die Ballon-Eskapade zog gravierende Folgen nach sich: Durch die zerstörte Stromfreileitung saßen die Einwohner von Limbach, Birkenhain, Blankenstein, Sora, Lotzen, Neutanneberg und Lampersdorf im Dunkeln. „570 Kunden von uns waren betroffen“, bemerkte die Esag-Sprecherin. Eine Umschaltung wurde vorgenommen. Kuba: „Ab 22.20 Uhr hatten einige Orte wieder Strom, die letzten dann 0.30 Uhr.“

Nahe dem Haus von Rosemarie Hohlfeld stürzte der Ballon ab. „Es fatschte und gab einen Riesenknall. Der Ballon lag über der Straße auf der Stromleitung und fing Feuer“, so die 49-Jährige. Die Leute wollten offenbar auf der Wiese landen, haben es aber nicht mehr geschafft, vermutet die Lotzenerin. „Wir haben Hilfe angeboten. Die Insassen benötigten diese aber nicht.“ Wolfgang Höher aus Lampersdorf hatte durch die Ballon-Turbulenzen ebenfalls aufregende Stunden. „50 Meter über meinem Grundstück rauschte der Heißluftballon hinweg. Es gab zischende Geräusche“, sagte der 49-Jährige. Er rannte auf die Straße. „Mehrere Kühe kamen angestürmt, sie waren durch den Ballon aufgeschreckt worden.“ Wolfgang Höher gelang es, die Tiere zu stoppen. Diese taten sich dann in einem angrenzenden Weizenfeld gütlich. Mit Nachbarn brachte er die Tiere auf eine nahe Weide. Einen knappen Kilometer ist Höhers Haus von der Unglücksstelle entfernt. „Als die Polizei durch den Ort fuhr und in Lotzen die Sirenen ausgingen, wusste ich, dass mit dem Ballon etwas passiert war“, sagte er. Im Dunkeln brauchten die Höhers nicht zu sitzen. „Wir haben eine Notbeleuchtung“, so der Lampersdorfer.

Gute Wetterverhältnisse

Schlechte Erfahrungen mit einem Heißluftballon machte Höher schon vor drei Jahren. Ein Hirsch war aus seinem Wildgehege ausgebrochen und hatte sich dabei schwer verletzt, als er durch einen Ballon erschreckt wurde. „Bei uns kommen viele Ballonfahrer vorbei.“ Höher vermutet, dass die Piloten die nahe Baeyerhöhe – mit 324 Metern die höchste Erhebung im Landkreis Meißen – als Orientierung nutzen. „Es herrschten vorgestern Abend gute Bedingungen. Der Wind hatte sich gelegt“, sagte Torsten Großmann vom gleichnamigen Ballonfahrer-Unternehmen aus Nebelschütz bei Kamenz. Eine Crew von ihm war vorgestern ebenfalls mit Passagieren unterwegs. „Ich tippe auf menschliches Versagen des Freitaler Piloten“, bemerkte er. Offenbar habe dieser die Stromleitung zu spät erkannt.