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Ein Herz für die Südstadt

Der Verein goerlitz21 nimmt sich des zweitgrößten Görlitzer Stadtteils an. Die Wünsche der Bewohner stehen im Mittelpunkt.

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Von Ingo Kramer

Ein alter Schriftzug war für Daniel Breutmann die Initialzündung. Im Sommer 2010 war das. Da wurden bei Bauarbeiten im Bahnhof die Worte „Ausgang nach der Süd-Stadt“ freigelegt. „Als studierter Historiker fand ich das spannend“, erzählt Breutmann, der sich im Bereich Marketing und Sponsoring selbstständig gemacht hatte und einige Zeit vorher aus der Alt- in die Südstadt umgezogen war.

Mittlerweile wohnen mit Jana Lübeck, Uwe Lehmann und Fabian Plank noch drei andere aktive Mitglieder seines Vereins goerlitz21 in dem Viertel, das mit über 8 700 Einwohnern der zweitgrößte Görlitzer Stadtteil ist. Zeit also, sich für die Südstadt einzusetzen. „In den eingemeindeten Ortsteilen gibt es Ortschaftsräte, aber bei uns fehlt ein Gremium, das die Interessen der Leute bündelt“, sagt Breutmann.

Im ersten Schritt hat der Verein im Sommer auf Bürgersteigen und Spielplätzen eine kleine Zufallsumfrage unter Anwohnern durchgeführt. Wichtig war, überhaupt erst einmal zu erfahren, ob sich die Leute mit ihrem Viertel identifizieren und was ihnen unter den Nägeln brennt. „Wir haben zwar nur 20 oder 30 Leute befragt, aber die Antworten waren trotzdem aufschlussreich“, sagt Breutmann. Unter anderem weiß der 36-Jährige jetzt, dass Sechsstädteplatz, Jakobus- und Kreuzkirche, Roter Panda im Tierpark, Weinbergturm und Teufelsbrücke als „Wahrzeichen“ der Südstadt angesehen werden.

Im zweiten Schritt hat der Verein kurz vor Weihnachten zu einer Gesprächsrunde in die Gaststätte „Zur Alten Freundschaft“ auf der Biesnitzer Straße eingeladen. Trotz des, wie Breutmann selbst eingesteht, eher ungünstigen Termins, seien 15 Leute dagewesen – und zwar Menschen ganz verschiedenen Alters und mit unterschiedlichen Interessen. Die einen konnten sich noch an den Laden von Breutmanns Urgroßvater, Fahrrad-Lorenz in der Kamenzer Straße, erinnern, andere hingegen wollen aktuelle Probleme wie fehlende Sitzbänke und nicht durchgängige Radwege angegangen wissen.

Solche Treffen soll es künftig regelmäßig geben, das nächste vermutlich im Februar oder März. Dann soll auch OB Siegfried Deinege (parteilos) anwesend sein, hofft FDP-Mitglied Breutmann. Die Initiative kommt den Plänen des OBs entgegen, der ohnehin für jeden Stadtteil eine Anlaufstelle mit eigenem Budget einrichten will. Doch parallel wollen die Vereinsmitglieder schon selbst aktiv werden. Zwei Dinge sehen sie als Schwerpunkte: Schilder an den Straßen, die – ähnlich wie in den am Stadtrand gelegenen Ortsteilen schon lange üblich – auf die Südstadt hinweisen sollen und ein Büro, das als „Quartierszentrum Süd“ Anlaufstelle für die Einwohner sein soll. Idealerweise könnte ein leer stehender Laden am Sechsstädte- oder August-Bebel-Platz diese Funktion erfüllen. „Wenn jemand so einen Raum hat, kann er gern zu uns Kontakt aufnehmen“, sagt der Vereinschef.

Bei der Veolia-Stiftung, die dieses Jahr Nachbarschaftsprojekte fördern will, hat er einen Antrag für die Mietkosten des Büros gestellt. Allerdings hat die Stiftung ihr Geld für 2013 noch nicht verteilt. Betreiben will der Verein das Büro mit einer halben Stelle und ehrenamtlichen Helfern. Für die Finanzierung hofft er auf eine Förderung vom Freistaat oder vom Bund. „Da gibt es verschiedene Förderprogramme, bei denen wir Anträge stellen wollen“, sagt Breutmann.

Wenn das Büro und der Kontakt zum OB einmal aufgebaut sind, sollen ganz praktische Probleme in den Mittelpunkt rücken. Die Leute, mit denen die Vereinsmitglieder bisher gesprochen haben, wollen zum Beispiel mehr Sitzbänke an den Spielplätzen auf Sechsstädte- und August-Bebel-Platz sowie einen Zebrastreifen zum Überqueren der Biesnitzer Straße in Höhe Luisenstift. Auch Pfützen auf Fuß- und Radwegen an der Biesnitzer Straße wurden angesprochen. Viele Probleme hätten sich über Jahre angestaut, ohne dass jemand konkret an Lösungen gearbeitet habe. Diese Lücke will goerlitz21 schließen.

Als Anwohner seien die Vereinsmitglieder einerseits selbst Betroffene, zum anderen wären sie gern Vermittler zur Stadt. Und langfristig haben sie einen großen Traum: „Die Südstadt könnte der familienfreundlichste Stadtteil von Görlitz werden“, hofft Breutmann. Dazu aber bräuchte es mehr Spielplätze, Sportangebote, Tagesmütter sowie Kitas mit flexiblen Öffnungszeiten.

Kontakt unter Telefon 03581 727537 sowie per E-Mail: [email protected]