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Ein Hobby für Kinder ab 30

Freizeit. Die gute alteHolz-Autorennbahn kommt wieder in Mode. Auch Matthias Reppe ausBischheim hat dieseLeidenschaft gepackt.

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Von Ina Förster

Die Flitzer zischen surrend über die Platte. Rot, blau, weiß und silbern glänzend. Plötzlich wirft es einen in der Kurve aus der Bahn. Überschlag, Unfall. Eine große Hand greift helfend ein. Zack – schon geht das Rennen weiter. Doch nicht Schumacher kracht hier wie vergangene Woche gegen die professionellen Planken. Obwohl: Ein bisschen kann es hier in Weißbach auch an den Reifen gelegen haben…

Die alte Prefo-Bahn entdeckt

Die richtigen Öle und Fette spielen beim Scale-Racing ebenfalls eine riesige Rolle. Matthias Reppe pinselt gleich mal was davon auf die Holzbahn auf. Hier am Start pfeifen seine selbst gebauten Modell-DTM-Autos und Trucks im Maßstab 1:32 ja mehrmals drüber. „Da haften die Reifen besser und bringen höhere Geschwindigkeiten“, erklärt er. Der Bischheimer entdeckt vor einiger Zeit seine Leidenschaft für die kleinen Flitzer wieder. Damals entdeckte Sohn Viktor auf dem Dachboden daheim die alte Prefo-Rennbahn aus DDR-Zeiten. Mit der hatte Papa schon vor 25 Jahren selber gespielt. Schnell wurde sie entstaubt. Doch die Gummiräder der Autos waren hart geworden. Neue mussten her. Der heute 43-Jährige versank in den Tiefen des weltweiten Online-Marktplatzes „Ebay“ und wurde fündig. „Da entdeckte ich beim Herumsuchen erst mal, wie groß die Szene sein musste. Und stieß irgendwann unweigerlich auch auf das Scale-Racing-Forum. „Diese Holzrennbahnen hatten ihre Hochzeit in den 60er Jahren. In den alten Bundesländern musste jede Kneipe, die etwas auf sich hielt, so eine Anlage bei sich stehen haben. Wie heute eben die Billardtische“, erklärt er. „Das faszinierte mich schon.“

Seitdem sind drei Jahre vergangen und Matthias Reppe nennt eine 30-Meter-Platte mit vier Bahnen und einem Dutzend selbst zusammen gefriemelter Modellautos sein eigen. Als Tischlermeister passte die Angelegenheit ja auch irgendwie zum Metier. Mit der Anlage reist er wenn Zeit bleibt ein bisschen durchs Land, zeigt sie dem Publikum. Wie beim Reichenbacher Weihnachtsmarkt vor zwei Jahren oder beim „Bösen Wirt“ in Bischheim. Seit dem Weißbacher Straßenfest am 12. Juni steht die Bahn nun in der „Weißen Taube“; zum zweiten Mal übrigens schon.

Spontan haben sich interessierte Leute gefunden, die sich bereits zu mehreren Rennen getroffen haben. Dabei muss jeder je fünf Minuten auf jeder Bahn fahren; der Computer misst sehr genau. „Wenn da die richtigen Leute zusammen kommen, gibt das Spaß ohne Ende“, freut sich Matthias Reppe. Und erzählt weiter von den professionellen Rennen, die regelmäßig in ganz Deutschland veranstaltet werden. „Da geht es richtig zur Sache. Vor allem die modellbauerische Seite fließt in die Bewertung ein. Da gibt es strenge Reglements und unterschiedliche Rennklassen“, weiß er. Ihn selbst treibt es allerdings mehr auf Tauschbörsen, dann auch schon mal bis Stuttgart oder Arnsberg. Denn ganz Geschäftsmann, hat der Bischheimer Tischler durch das Hobby eine Marktlücke entdeckt und baut seitdem den so genannten „Slot-Koffer“.

Slot-Koffer als Marktlücke

„Ich hatte mir für meine Autos einen ausgetüftelten Koffer gebaut, wo man Werkzeug, Öle, Fette, eine kleine Reifenschleifmaschine und anderes unterbringen kann. Ein Freund ermutigte mich zum weiteren Bau. Meine Kundschaft kommt unterdessen aus ganz Deutschland“, so Reppe. Und seine alte Prefo-Bahn wurde zum „Gutbergring“ umgebaut, auch wenn sich der 15-jährige Sohn nicht mehr ganz so stark dafür interessiert. „Das ist eben ein Hobby für Kinder ab 30!“