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Riesa

Ein Hubschrauber für die Gohrischheide

Die Innenminister von Sachsen und Brandenburg wünschen sich, dass die Bundeswehr in der Region aufrüstet – im Interesse der Sicherheit.

Hilfe aus der Luft: Bei einem Waldbrand in Jüterbog (Kreis Teltow-Fläming) unterstützt ein Hubschrauber der Bundeswehr Anfang Juni die Feuerwehr. Weil Sachsen keine eigenen Löschhubschrauber hat, soll jetzt die Bundeswehr helfen.
Hilfe aus der Luft: Bei einem Waldbrand in Jüterbog (Kreis Teltow-Fläming) unterstützt ein Hubschrauber der Bundeswehr Anfang Juni die Feuerwehr. Weil Sachsen keine eigenen Löschhubschrauber hat, soll jetzt die Bundeswehr helfen. © Julian Stähle/dpa

Zeithain/Dresden/Kiel. Vom Borkenkäfer geschwächte Kiefernwälder, trockene Heideböden, im Boden liegende Blindgänger: Das sind Faktoren, die Waldbrände derzeit besonders gefährlich machen. 

Vor allem in Brandenburg hatte es zuletzt solche Brände gegeben. Aber diese Herausforderungen gelten genauso in der Gohrischheide, wo nach langer militärischer Nutzung bis heute Munition im Untergrund steckt.

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Bis vor wenigen Jahren waren Waldbrände dort regulär von Feuerwehrleuten bekämpft worden. Allerdings mussten die Kameraden dabei beobachten, dass in Sichtweite plötzlich Sandfontänen in die Höhe schossen, weil die Hitze Blindgänger entzündet hatte. Deshalb gilt heute in der Gohrischheide die Regel, dass bei einem Waldbrand 1.000 Meter Sicherheitsabstand zwischen Flammen und Einsatzkräften bleiben müssen. Hilfe könnte aber von oben kommen – per Hubschrauber.

Das stand nun auf der Tagesordnung der Frühjahrskonferenz der Innenminister in Kiel. Neben Themen wie Sicherheit und Asyl ging es dort auch um die Waldbrandbekämpfung durch Löschhubschrauber. Sachsen und Brandenburg setzten sich dort für eine Unterstützung durch die Bundeswehr ein. Wie das Dresdner Innenministerium mitteilt, habe die Innenministerkonferenz die Notwendigkeit erkannt und „Optimierungsbedarf“ festgestellt. Die Kapazitäten bei Bundeswehr und Bundespolizei sollen überprüft werden.

„Die vielen Waldbrände im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass die lokalen Wehren zunehmend Probleme beim Löschen der Feuer haben“, sagt Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU). Gerade im unwegsamen oder im munitionsbelasteten Gelände seien die Einsatzkräfte am Boden bei der Brandbekämpfung auf die Unterstützung aus der Luft angewiesen. Bundeswehr-Hubschrauber könnten dabei eine wichtige Hilfe sein. 

Sachsens Wunsch: Der Bund möge prüfen, ob einer der geplanten neuen Bundeswehr-Hubschrauber in der Region stationiert werden könne – etwa auf dem brandenburgischen Luftwaffenstützpunkt Schönwalde/Holzdorf. Der ist von der Gohrischheide 50 Kilometer Luftlinie entfernt. Für die Strecke braucht ein Hubschrauber nur zehn Minuten.

Zeithains Gemeindewehrleiter Matthias Heydel würde sich darüber freuen, wenn die Bundeswehr auf die Forderung eingeht. „Hubschrauber mit Löschwasser sind natürlich sehr effektiv“, sagt der für die Heide zuständige Feuerwehrchef. „Für die Gohrischheide ist jedoch zu beachten, dass der Sicherheitsabstand nach oben auch 1.000 Meter beträgt.“ Ein Löschen im Tiefflug scheide deshalb aus. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) hatte für die aktuelle Waldbrandsaison ebenfalls Unterstützung aus der Luft gefordert. 

„Die Feuerwehren in Deutschland müssen auf mindestens zehn weitere Löschhubschrauber zugreifen können“, sagt DFV-Präsident Hartmut Ziebs. „Es muss möglich sein, an drei Großschadenslagen im Bundesgebiet parallel jeweils mindestens drei Hubschrauber im Rotationsprinzip in den Einsatz zu bringen.“ Weil man mit Wartungsarbeiten oder anderen Fällen von Nichtverfügbarkeit rechnen müsse, brauche im Schnitt jedes Flächenbundesland einen Hubschrauber.

Nach derzeitiger Lage könnten Feuerwehren Hubschrauber bei Bundeswehr oder Bundespolizei anfordern, so Ziebs. „Hier ist es in der Vergangenheit teils vorgekommen, dass keine Maschinen zur Verfügung gestellt werden konnten.“

Allein 2018 gab es in Sachsen 200 Waldbrände mit einer betroffenen Fläche von 240 Hektar. In Brandenburg waren es gar 512 Waldbrände auf 1 674 Hektar. Vor allem bei den größeren Flächen handelte es sich um sogenannte Kampfmittelverdachtsflächen, so das Innenministerium. 

Der Bund schließt derzeit die Ausschreibung für die Anschaffung neuer Hubschrauber ab. Geplant ist ein neuer Transporthubschrauber, der über eine hohe Außenlasttragfähigkeit verfügen soll. Das ist wichtig, um Wassertanks für die Brandbekämpfung tragen zu können. Moderne Polizeihubschrauber können dagegen nur sehr begrenzt Wassertanks mitnehmen.

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