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Ein Insektenhotel für die schwarze Mühle

Der Rotary Club Kamenz und die Behindertenwerkstatt Panschwitz-Kuckau waren auf Exkursion in Schwarzkollm.

Von Frank Oehl

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Die Krabatsage ist eine zauberhafte Geschichte. Lange vor Harry Potter werden Müllersburschen zu Raben, bleiben Kutschen an Kirchtürmen hängen und geschehen auch sonst Zeichen und Wunder aller Art. Nicht nur in der Vergangenheit, sondern offenbar auch in der Gegenwart. Ein Beispiel gefällig? Wo in Schwarzkollm vor acht Jahren nur eine grüne, feuchte Wiese war, steht jetzt ein fast fertiger Lausitzer Vierseithof – mit der Krabatmühle. Über diese unglaubliche Wandlung in unglaublich kurzer Zeit ließen sich jetzt der Rotary Club Kamenz und Vertreter der Behindertenwerkstatt St. Michael, mit der die Rotarier seit Jahren besonders verbunden sind, aus erster Hand informieren – von Gertrud Winzer persönlich.

Gruppenbild mit Krabatmühle: Der Rotary Club Kamenz hat seit Jahren eine enge Partnerschaft mit der Behindertenwerkstatt St. Michael in Panschwitz-Kuckau. Jetzt ermöglichte man den Gehandicapten einen Besuch in Schwarzkollm. Gemeinsam errichtete man ein I
Gruppenbild mit Krabatmühle: Der Rotary Club Kamenz hat seit Jahren eine enge Partnerschaft mit der Behindertenwerkstatt St. Michael in Panschwitz-Kuckau. Jetzt ermöglichte man den Gehandicapten einen Besuch in Schwarzkollm. Gemeinsam errichtete man ein I

Die „Mutter der Mühle“ hat dereinst als Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde, die inzwischen als Ortsteil zu Hoyerswerda gehört, und danach für den Verein Krabatmühle Schwarzkollm mit ihrem Elan die Menschen für eines der schönsten Projekte in der Lausitz begeistert. Diesen Enthusiasmus vermittelte die Seniorin jetzt auch den Gästen aus Kamenz und Panschwitz. „Wie oft habe ich in Dresden, wo ich Fördermittel einwarb, gehört: Wer glaubt schon an Krabat? Wer soll schon wegen Krabat nach Schwarzkollm kommen? Heute fragt das niemand mehr.“ Der große Parkplatz vor der Mühle ist vor allem an den Wochenenden gut belegt. Immer wieder fahren Busse vor mit Fans der Krabat-Sage und vor allem des Films von 2008. Und die Krabatfestspiele dieses Jahres waren schon Monate vorher restlos ausverkauft. „Wir haben hier absolut den Nagel auf den Kopf getroffen“, sagt die Vereinschefin bescheiden und stolz zu gleich.

„Komm nach Schwarzkollm zur schwarzen Mühle“ – so lockt der böse Müller die Gesellen zu sich, um sie nie wieder ziehen zu lassen. Wer heute dem Lockruf folgt, kann frei entscheiden, was er mit der Sage und ihrer Zeitenwirkung anfangen will. Da ergeht es ihm zum Beispiel wie jenen mehr als 100 Tippelbrüdern, die hier vor ein paar Jahren aufschlugen und gegen alle Skepsis der Fördermittelgeber einfach mit ihrer Zimmermannsarbeit begannen – und das Laubengang-Haus mit Bauernstube und Besucherzentrum errichteten. Später kamen weitere umgesetzte, denkmalgeschützte Gebäude hinzu, wie die Mühle aus Saalau, die zahlreiche Originalrequisiten des Krabat-Filmes enthält und mit ihrem Klack-Klack den Ton angibt – auch ohne wasserrechtliche Genehmigung. Winzer: „Immer, wenn es Schwierigkeiten gab, gab es auch eine wundersame wie hilfreiche Begegnung. Heute heben wir das Wasser auch mit einem gespendeten Windrad und lassen es oberschlächtig laufen. Ist sowieso viel attraktiver.“

Die Gäste aus Kamenz und Panschwitz kamen aus dem Staunen nicht heraus. Sie wanderten auch auf dem Krabat-Lehrpfad und beteiligten sich selbst am wundersamen Aufbauwerk. Sie errichteten ein „Insektenhotel“, wie es sich die Vereinschefin erträumt hatte. Ein Dach war vorhanden, die Behinderten aus der Werkstatt zimmerten das große Gestell und sammelten Material zum Befüllen. Unter Leitung von Rotary-Mitglied Andreas Bathow wurde jetzt in einer reichlichen Stunde das Werk vollendet, und viele packten mit an – von Libellen beobachtet. Haben sich damit etwa schon die ersten Hotelgäste angekündigt?

Die Exkursion des Rotary-Clubs mit ihren Paten aus der Behindertenwerkstatt hat Tradition. Im vergangenen Jahr war man zum Beispiel auf dem Kamenzer Flugplatz, wo den Gehandicapten sogar ein Flugerlebnis gespendet wurde. Auch diesmal gab es mit den Rotariern schöne Stunden – bei Kaffee und Kuchen und einer zünftigen Vesper am Abend. Der 25-köpfige Rotary Club aus der Lessingstadt engagiert sich in vielerlei Hinsicht sozial. Am sichtbarsten wird dies freilich im freundschaftlichen Umgang mit den Paten aus der Behindertenwerkstatt. Hier pflegt vor allem Andreas Bathow die besonders engen Kontakte. Das hat gewiss etwas mit Einsatz und viel Empathie zu tun – und weniger mit Magie. Schon gar keiner schwarzen ...