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Ein Jahr bei den Schleiereulen

Wie 15 Vögel innerhalb eines Jahres 10 000 Mäuse vertilgen.

Von Eyk Terpe

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Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Dank des milden Winters 2013/14 hielten sich vergesellschaftete Schleiereulen im alten Brutrevier in Nasseböhla auf. Drei Eulen, erkennbar an der unterschiedlichen Gefiederfärbung und der Ringeule aus dem letzten Jahr, nutzten als Tageseinstand die beiden Kästen im Giebel des alten Fachwerkhauses, in dem ich wohne. Die Kästen boten Schutz vor Wind und Regen, eine störungsfreie Deckung für die zurückgezogen lebenden Eulen.

Circa eine Stunde nach Sonnenuntergang flogen die Eulen wie gewohnt ab. In vertrauter Umgebung haben die nachtaktiven Tiere eine außerordentliche Ortskenntnis und kennen ihre Wegstrecken auswendig. Im Frühjahr war dann nur noch die Ringeule im alten Revier und fing auch bald mit der Balz um ein Weibchen an. Ein in den folgenden Tagen eindringender Konkurrent wurde lautstark, mit Verfolgungsflügen und Attacken abgewehrt. Im Versteckzelt konnte ich aus unmittelbarer Nähe das Eulenmännchen während seines lautstarken, durchdringenden, kreischenden Reviergesangs beobachten. Später beobachtete ich das singende Männchen auf dem Anflugbrett, bis es abfliegt. Minuten später trug es Beute ein, um das Weibchen beim Nestbesuch zu beeindrucken. Eine spätere Kastenkontrolle zeigte mir einen reichlichen Vorrat an verschiedenen Mäusearten und die schon fertiggestellte Nistmulde. Eines Abends, beide Eulen sind gerade im Kasten verschwunden, wieder gut hörbare Stampfgeräusche, dann ein Fauchen und Schnurren des Eulenmännchens und leises Surren des Weibchens. Das erste Mal erlebe ich hörbar die Verpaarung der Eulen.

Insgesamt werden die zwei Eltern-Eulen und 13 ausgeflogene Jungeulen in der Brutsaison circa 10 000 Mäuse vertilgen.

Die Zeit verfliegt im allabendlichen Ansitzen im Versteckzelt. Am 30. März liegt das erste Ei im Kasten, und bis Mitte April ist mit dem siebenten Ei das Gelege vollständig. In den ersten Maitagen öffne ich abends vorsichtig den Kasten. Überhastet fliegt das Eulenweibchen ab, und ich richte mich schnell im Versteck, drei Meter hinter dem offenen Kasten, für Fotoarbeiten ein. Erst im fünften Anflug kommt das Weibchen wieder in den Kasten zurück, den ich mit Rotlicht etwas erhellt habe. Zögerlich begibt sich die Eule auf das Gelege und brütet weiter, mich immer im Auge behaltend. Bald darauf trägt das Männchen Beute herbei, übergibt diese an das brütende Weibchen und verlässt den Kasten.

Erst Tage später drücke ich das erste Mal den Auslöser. Sofort verlässt das Weibchen das Gelege kommt aber relativ schnell zurück, um weiter zu brüten. Tage vergehen, die ersten Jungen sind geschlüpft. Trotz genügend Beute kommt es in der darauffolgenden Zeit bei den jungen Schleiereulen zu Kannibalismus. Die zwei Jüngsten, noch im weißen Daunenkleid, sind zu schwach, werden von ihren größeren Geschwistern bei der Fütterung immer wieder abgedrängt. Tags darauf liegen sie tot im Kasten und werden von ihren schon deutlich größeren Geschwistern vertilgt.

Mit zunehmendem Alter wird der schnarchende Bettellaut intensiver und lauter. Zur Fütterung laufen sie jetzt schnarchend und bettelnd dem Altvogel entgegen, stellen die Schwingen seitwärts und übernehmen die Beute. Die Jungeulen sind nun 38 bis 45 Tage alt, und die Altvögel bringen die Beute aller drei bis fünf Minuten – die beste Zeit, um eine Findel-Eule aus Übigau dazuzusetzen. Vier Wochen darauf fliegen die ersten Jungeulen aus. Die ersten Flugversuche sind noch recht unbeholfen, ebenso die Rückkehr auf das Anflugbrett.

Während die älteren Jungeulen im Beuteerwerb unterrichtet werden, verschiedene Jagdtechniken lernen, betteln die zurückgebliebenen Jungen lautstark nach Nahrung. Dann plötzlich kurze Balzphasen der Altvögel, ein sicheres Zeichen für eine Zweitbrut. Ich beobachte, wie das Männchen Beute in den zweiten Kasten einträgt. Und ich bin sicher, eine seltene Schachtelbrut zu erleben. Die zweite Paarung verpasse ich irgendwie. Dann, am 9. Juli, liegt das erste Ei im Kasten, während eine Etage tiefer die Jungeulen vom Männchen mit Beute versorgt werden. Am 27. Juli ist das zweite Gelege mit zehn Eiern vollständig, und die letzten Jungeulen der Erstbrut wurden nun endgültig aus dem Revier gedrängt. Da das Eulenweibchen mit dem Legen des ersten Eies auch anfängt zu brüten, schlüpft das erste Eulenbaby am 8. August, genau 30 Tage nach Legebeginn. Am 29. August: Beim Blick in den Kasten erhoffe ich natürlich das Optimale. Leider nicht ganz, das letztgeschlüpfte Junge liegt tot im Kasten und ist höchstens einen Tag tot. Am 2. September leider noch einmal zwei Junge, die es nicht geschafft haben. Fast jeder Tag wird nun von mir dokumentiert.

Am 10. Oktober stürzt eine Jungeule beim Gedränge zur Fütterung auf dem Anflugbrett ab, kann sich aber auf dem darunter Liegenden abfangen und verschwindet im Kasten der Erstbrut. Am 13. Oktober setze ich sie wieder hoch und beobachte abends das mit Beute anfliegende Weibchen, das auf dem unteren Anflugbrett landet. Aber der Kasten ist leer. Immer wieder ertönen leise Lockrufe des Eulenweibchens, bis es verwirrt abfliegt und direkt über mir auf dem Versteckzelt landet. Am 15./16. Oktober haben zwei Jungeulen ihren Tageseinstand auf dem Dachboden im Gebälk. Tagsüber hat es geregnet, aber jetzt ist ein schöner Sternenhimmel zu sehen. Nebel zieht auf, und das Nesthäckchen ruft schnarchend schon seit eineinhalb Stunden vergeblich nach Futter. 19. Oktober: Kuwi-, Kuwi-Rufe der Schleiereulen höre ich das erste und einzige Mal.

7. Dezember: Die Jungeule ist noch im Kasten. In der Dämmerung fliegt sie und kehrt nicht wieder zurück. Mitte Dezember – Schleiereulen in den beiden Kästen.

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