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Meine Vision: 15.000 Einwohner für Dipps

Oberbürgermeisterin Kerstin Körner ist ein Jahr im Amt. Sie hat mit vielen Themen zu kämpfen: Investitionsstau, Welterbe, Verwaltung und Corona.

Kerstin Körner steht hier an einer bunt bepflanzten Schöpfstelle auf dem Dippser Markt. Eigentlich sollte hier ja Wasser plätschern, aber das ist nicht die größte Sorge der Oberbürgermeisterin.
Kerstin Körner steht hier an einer bunt bepflanzten Schöpfstelle auf dem Dippser Markt. Eigentlich sollte hier ja Wasser plätschern, aber das ist nicht die größte Sorge der Oberbürgermeisterin. © Andreas Weihs

Vor einem Jahr trat Kerstin Körner (CDU) ihr neues Amt als Oberbürgermeisterin von Dippoldiswalde an. Bei der Wahl hatte sie 75 Prozent der Stimmen bekommen. Vorher hatte sie im Landratsamt die Abteilung für Gesundheit und Verbraucherschutz geleitet. Sächsische.de sprach mit ihr über die ersten zwölf Monaten im Amt.

Frau Körner, eine Frage aus aktuellem Anlass: Sind Sie noch in der CDU?

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Ja. Ich bin CDU-Mitglied und habe auch vor, das zu bleiben.

In Freital sind prominente Unionsmitglieder raus, unter anderem, weil sie mit den "Vorgaben von oben" nicht einverstanden waren. Kommen Sie damit besser klar?

Das ist schon nicht einfach, vor allem in der Geschwindigkeit, in der das während der Corona-Zeit verlangt wurde. Teilweise kamen Verordnungen am Freitagnachmittag, die ab Montag gültig waren. Wir haben uns für die Stadt vorgenommen, das Pandemie-Geschehen einmal aufzuarbeiten. Es geht dabei um ethische Fragen. Ein christlicher Mensch sollte nicht vorschnell sagen: Die Vorsicht war verkehrt.

Was bleibt als Lehre aus dieser Zeit?

Wir hatten ja schon an dem Wochenende, als noch die Bob-WM in Altenberg war, einen Krisenstab eingerichtet, war. Da war uns noch gar nicht klar, was das für ein Ausmaß annimmt. Den Stab lassen wir bestehen, denn dort haben wir die Fachleute zusammen, mit denen wir alle Krisen bewältigen können, Hochwasser, Stromausfall, wenn wir Menschen evakuieren müssen oder in der Heide etwas passieren sollte. Sobald die Bundespolizei hierher umgezogen ist, wird sie auch diesem Gremium angehören.

Was meinen Sie mit der Heide?

In der Dippser Heide liegt ja viel Weltkriegsmunition. Wenn es dort im Wald brennt, müssen wir wissen: Ist die Stelle schon munitionsfrei? Können die Feuerwehrkameraden dorthin?

Welche finanziellen Auswirkungen hat Corona auf die Stadt?

Das können wir derzeit noch gar nicht abschließend feststellen, wie hoch die Ausgaben tatsächlich sind. Es wird den kommunalen Schutzschirm geben. Die erste Rate, rund eine halbe Million Euro, wird im August ausgezahlt. Was an Einnahmen fehlt durch Steuerausfälle, wissen wir erst später. Wir haben aber einen enormen Mehraufwand für die Hygiene in Kitas und Schulen, mussten zusätzliches Reinigungspersonal einstellen. Das kostet jetzt schon um die 200.000 Euro zusätzlich. Wir machen zum Stichtag 30. Juni eine Hochrechnung mit allen Kosten.

Wenn Sie in die Zeit vor Corona zurückblicken, wie haben Sie den Anfang im Amt erlebt?

Die vielen Informationen haben mich in den Wochen überrannt, und  Dipps ist Welterbe geworden. Meine Aufgabe sehe ich darin, Botschafterin dieses Titels zu sein und Leute dafür zusammenzubringen: Bergbauförderverein, Landesamt für Archäologie, unser Museum. Dippoldiswalde als Bergstadt, es wird Jahre dauern, das komplett umzusetzen, aber immer mehr sind dabei. Mir war auch schnell klar, ich brauche jemand, der meine Arbeit hier koordiniert. Deshalb habe ich frühzeitig eine Büroleiterin eingestellt, die hausintern vieles koordiniert, auch auf Termine drückt und die Öffentlichkeitsarbeit organisiert.

Dipps hat sich davon verabschiedet, Wohnungen in Schmiedeberg zu verkaufen. Wie geht es damit weiter?

Wir nehmen uns für diese Frage jetzt etwas Zeit. Gründen wir eine eigene kommunale Wohnungsgesellschaft? Werden wir sie mit der vorhandenen zusammenbringen? Wir wollen zufriedenere Bürger und den Wohnungsbestand, der jetzt leer steht, zügig wieder vermieten. Meine große Vision ist, 15.000 Einwohner für Dippoldiswalde zu bekommen.

Sie sind Leiterin der Stadtverwaltung. Wie wird diese künftig organisiert?

Mein Vorgänger hatte ja die Untersuchung der Verwaltung in Gang gesetzt. Da lag viel brach, Stellenbeschreibungen und tarifgerechte Eingruppierungen fehlten. Seit Kurzem habe ich auch die Zuständigkeit für das Personal wieder bei mir. Mit Personal und Finanzen kann ich in die Verwaltung hineinwirken. Jetzt wird es Umstrukturierungen geben. Wir haben in einigen Bereichen Überhänge an Personal, woanders Defizite. Spätestens, wenn das Technische Rathaus im Gebäude neben dem Rathaus fertig ist, und wir umziehen, muss eine zukunftsfähige Verwaltung stehen.

Wie geht es mit dem Busbahnhof weiter?

Dazu hat mir schon der Ministerpräsident gesagt: „Frau Körner, immer wenn ich von Dipps gehört habe, dann von diesem blöden Busbahnhof. Da müssen Sie was tun.“ Wir sind jetzt mit dem Verkehrsverbund im Gespräch über einen Neubau. Welchen Platz brauchen die neuen größeren Busse? Ist es noch finanziell darstellbar, obendrüber wieder ein Parkdeck zu bauen? Und wir wollen auch wieder eine Toilette anbieten.

Seit Jahren plant Dipps eine Erweiterung des Gewerbegebiets in Reinholdshain.

Das ist ein wichtiges Thema, das über die Jahre immer wieder verschoben wurde. Wir werden jetzt das Rückhaltebecken angehen. An dem Thema sind wir dran. Man sieht nur noch nichts.

Sie sind die erste Frau an der Stadtspitze von Dippoldiswalde. Wirkt sich das auf ihre Politik aus? Ist es Zufall, dass drei wichtige Stellen jetzt mit Frauen besetzt sind, die unter Ihrem Vorgänger noch Männer innehatten: Finanzchefin, Geschäftsführerin der Weißeritztal-Erlebnisgesellschaft und ihre Büroleiterin.

Diese Frage würden Sie doch einem Mann nie stellen. Meine Politik soll ausgerichtet sein auf das Wohl von Dippoldiswalde. Da ist mir das Geschlecht der Mitstreiter völlig egal. Mir geht es um die Fachlichkeit, die ist geschlechterunabhängig. Ich wünschte mir aber, dass der Stadtrat noch ein wenig weiblicher wird. Ich denke, dass die Sicht auf Themen für Frauen, für Männer, für Junge oder für Ältere unterschiedlich ist. Wenn wir das alles zusammenbringen, würden wir das Optimale rausholen.

Mit Ihnen hat der Stadtrat neu angefangen. Wie hat sich Zusammenarbeit eingespielt?

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Das läuft fraktionsübergreifend sehr loyal. Da ist auch der Ältestenrat hilfreich, in dem jede Fraktion vertreten ist. Da sitzen wir nur zu sechst zusammen und besprechen die Aufgaben der kommenden Monate vor. Denn wir haben einen enormen Investitionsstau in der Stadt. Jeder erhofft, dass jetzt vieles ganz schnell gemacht wird. Aber das funktioniert nicht. Was Jahre liegengeblieben ist, kann ich nicht innerhalb von ein paar Monaten aufarbeiten. Deshalb müssen wir Prioritäten besprechen. 

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