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Ein Jahr Vollsperrung

Die Ortsdurchfahrt Dörgenhausen bleibt Baustelle. Allerdings herrscht gerade Stille.

Zweihundert Meter sind noch zu bauen in Dörgenhausen.
Zweihundert Meter sind noch zu bauen in Dörgenhausen. © Foto: Uwe Schulz

Von Uwe Schulz

Wenn man derzeit in Höhe der Bockwindmühle an der S 95 entlang durch Dörgenhausen läuft, hört man seine eigenen Schritte. Irgendwo kräht ein Hahn. Und man dreht sich schon um, wenn man hört, dass sich ein Auto nähert. Ein Transporter mit Südbrandenburger Kennzeichen. Er dreht erst vor den Sperrzäunen um, hinter denen demonstrativ das Pflaster für den Gehweg gestapelt wurde. Wieder einer, der es probiert hat, durch die Baustelle zu kommen und mindestens zwei Sperrzeichen ignoriert hat. Auf der Straßenbaustelle herrscht Winterpause. Heute ist sie ein Jahr alt. Am 15. Februar 2018 war damit begonnen worden, die Alleebäume herunterzuschneiden und stückweise abzutragen. Wenig später wurde die Straße dann aufgerissen. Der grundhafte Ausbau der Dörgenhausener Ortsdurchfahrt ist seitdem das größte laufende Straßenbauvorhaben der Stadt Hoyerswerda. Der größte Teil der Straße ist bereits gebaut, eine Stützwand und eine Brücke wurden neu errichtet. Aktuell ist Winterpause. Planmäßig. Kein Bauarbeiter zu sehen. Gerüchten, dass das Geld alle sei, widerspricht die Stadtverwaltung. Die Finanzierung ist gesichert und die Baufirma Strabag hat auch alle erforderlichen Bauausführungspläne erhalten. Auf den letzten 200 Metern soll der schwierigste Bauabschnitt liegen. Alle Ver- und Entsorgungsleitungen werden umverlegt oder komplett erneuert. Dies geschieht in fast allen Fällen durch die Versorgungsunternehmen selbst, werde jedoch im Rahmen des Straßenbauvorhabens koordiniert, so die Auskunft der Stadt. Es wird auf jeden Fall nur in kleinen Bauabschnitten weitergehen. Laut Bauablaufplan, so sagt die Stadtverwaltung auf Anfrage, liegt das Vorhaben im Plan. „Bei tatsächlicher Wiederaufnahme der Bautätigkeit (frostfrei bei Tag und Nacht) wird der Bauablaufplan entsprechend angepasst“, teilt Rathaussprecher Bernd Wiemer mit. Mit der Firma ist bislang eine Fertigstellung Mitte November dieses Jahres vereinbart. „Ebenso spielen die Belange der Anlieger der betroffenen Grundstücke, wie die möglichst durchgängige Erreichbarkeit sowie der jederzeit zu gewährleistende fußläufige Durchgangsverkehr für die Öffentlichkeit eine wichtige Rolle“, so Bernd Wiemer weiter. Doch ruhig ist es nur an der Baustelle. Auf den Schleichwegen links und rechts sind täglich Tausende Fahrzeuge unterwegs, nerven Anlieger, geben kleinen Straßen, die für den Verkehr gar nicht ausgelegt sind, den Rest.

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Am Donnerstagabend, da die Sperrung der Ortsdurchfahrt Dörgenhausen ihr einjähriges Jubiläum absolvierte, wollten die Dörgenhausener im Rahmen einer Bürgerversammlung von der Unteren Straßenverkehrsbehörde/dem Bürgeramt wissen, wie es denn mit der unbefriedigenden Situation auf den baustellennahen Schleichwegen weitergehen soll. Seitens der Verwaltung wurde eine Radikalvariante vorgeschlagen, nämlich, die Staatsstraße in Richtung Wittichenau für die verbleibende Bauzeit völlig zu schließen. Das stieß allerdings, so schilderte Fachgruppenleiter Götz Gleiche auf Tageblatt-Nachfrage, auf keinerlei Gegenliebe. Denn so, wie man im Ort und im benachbarten Neida leidet, so nutzt man doch selbst die Verbindungen in beide Richtungen. Schüler besuchen die Oberschule Wittichenau, andererseits kommen Kinder aus Wittichenau täglich in die Dörgenhausener Kita. Und dann ist da auch noch der Lieferverkehr für die Gewerbetreibenden im südlichen Teil des Dorfes. Dies sind nur einige der Bedenken, die in der gut besuchten Runde aufkamen.

Andererseits sieht die Verwaltung keine wirklich griffige Lösung, um den Schleichverkehr zu unterbinden. Freilich kann man über den Einbau von Schikanen reden, um wenigstens die Geschwindigkeiten zu reduzieren. Letztlich ist die Verwaltung auf Grund der Beschwerden bezüglich der Schleichwege gehalten, eine Entscheidung zu treffen. Das soll, so Götze Gleiche, bis Ende Februar geschehen.

Immerhin sollen ab 4. März, wenn das Wetter hält, die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden. Bis dahin will man auch eine verbindliche Regelung für die Schleichwege haben, auf denen pro Tag mehrere tausend Fahrzeuge zusätzlich unterwegs sind – im Vergleich zu der Zeit vor der Sperrung. Die Sperrung selbst soll noch bis Mitte November andauern.