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Ein Jubiläum und ein Jubilar

Für Klaus Drechslers Ausstellung „Der geschäftige Tod“ kann es kaum einen besseren Ort als das Kollwitz-Haus geben.

Klaus Drechsler beim Aufbau seiner Ausstellung im Moritzburger Käthe-Kollwitz-Haus. Seit im Vorjahr ein neues Domizil für die Grafikwerkstatt und die Museumspädagogik geschaffen wurde, können nun auch im Raum stehende Plastiken gezeigt werden.
Klaus Drechsler beim Aufbau seiner Ausstellung im Moritzburger Käthe-Kollwitz-Haus. Seit im Vorjahr ein neues Domizil für die Grafikwerkstatt und die Museumspädagogik geschaffen wurde, können nun auch im Raum stehende Plastiken gezeigt werden. © Arvid Müller

Moritzburg. Die Corona-Pandemie hat auch die Pläne des Käthe-Kollwitz-Hauses durcheinandergewirbelt. Sechs Wochen musste das Museum schließen. Und noch immer gibt es weiter Ungewissheit statt Normalität.

Auf der Strecke geblieben ist dabei eine besondere Ausstellung. Mit ihr sollte das Jubiläum der Eröffnung des Hauses gefeiert werden. Vor 25 Jahren war es der neu gegründeten Kollwitz-Stiftung gelungen, einen lange gehegten Traum in Moritzburg zu verwirklichen. Im Sterbehaus der bedeutenden Künstlerin - dem einzigen noch erhalten gebliebenen authentischen Aufenthaltsort - einen Gedenkort für Käthe Kollwitz einzurichten.

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In der Jubiläumsschau sollten 25 Künstlerinnen und Künstler, die in den vergangenen Jahren in Moritzburg ausgestellt haben, Selbstbildnisse zeigen. Und so auch eine Brücke zum Werk der Malerin und Grafikerin schlagen, die sich häufig künstlerisch mit ihrem eigenen Antlitz auseinandergesetzt hat. Einige dieser Arbeiten sind in der Dauerausstellung zu finden.

Die Schau soll nun aufs nächste Jahr verschoben werden, sagt Sabine Hänisch, die Leiterin des Kollwitz-Hauses. Das entlastet zum einen die angespannte finanzielle Situation des Museums und bietet zugleich die Möglichkeit, eine andere bereits seit zwei Jahren geplante Ausstellung etwas länger als vorgesehen zu zeigen.

Gezeigt werden in ihr Zeichnungen, Radierungen und Bronzen eines Jubilars - des 1940 geborenen Künstlers Klaus Drechsler. Unter dem Titel „Der geschäftige Tod“ sind ab Sonntag Arbeiten des Dresdners zu sehen, für die es kaum einen besseren Ort der Präsentation als das Kollwitz-Haus geben könnte. Und das nicht, weil die Ausstellung den Zusatz „In Verehrung für Käthe Kollwitz“ trägt. Sondern weil der Tod, und das mit ihm verbundene Leid, nicht zuletzt aufgrund eigener Verlusterfahrungen einen wichtigen Platz im Werk der Kollwitz einnimmt.

Ausstellungskuratorin Anke Fröhlich-Schauseil schreibt im Begleitheft zur Schau von Klaus Drechsler: „So wie der Tod, das Sterben und die Bewusstheit der Endlichkeit zum Leben gehören, ist - so könnte man es beschreiben - der Tod auch als eigene Werkgruppe in Klaus Drechslers ansonsten so farbigem, lebensprallen Schaffen enthalten.“ Und weiter: „Leidvolle Erlebnisse in seinem persönlichen Umfeld waren seine Bildanlässe. Dennoch erscheint bei ihm der Tod nicht grausam, fremd oder unerbittlich und zwingend, sondern eher geschäftig umherstreifend und allgegenwärtig.“

Klaus Drechsler weiß, dass seine Arbeiten mitunter verstören. Betrachter sogar wütend machen, wie er es schon in Gästebüchern anderer Ausstellungen gelesen hat. Vielleicht, weil mancher sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen will. Oder er sich auf unangenehme Art betroffen fühlt. Drechsler sagt dazu: „Ich erfinde nichts. Ich möchte Leute berühren.“

Der Künstler nennt noch einen Grund für sein Tun - soziale Verantwortung. Und so zeichnet er mit Feder, Pinsel und Tusche Porträts von Obdachlosen, Bettlern und alten Straßenmusikanten.

Zu sehen sind die Arbeiten bis 13. September. Eine Vernissage gibt es coronabedingt nicht. Noch hofft Sabine Hänisch aber zumindest auf eine Veranstaltung zum Abschluss.

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