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Ein Kanzlermacher aus Österreich für die sächsische CDU

Im Wahlkampf setzt die Union auf eine Agentur, die bereits in einem anderen Land einen jungen Politiker zum Star gemacht hat. Klappt das auch in Sachsen?

Philipp Maderthaner (37) wurde 2018 zum österreichischen Unternehmer des Jahres gekürt. Er hat prominente Kunden.
Philipp Maderthaner (37) wurde 2018 zum österreichischen Unternehmer des Jahres gekürt. Er hat prominente Kunden. © privat, SZ-Archiv/Robert Michael

Coca-Cola hat ihre Dienste genutzt, die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines das Rote Kreuz. Die vergleichsweise junge Agentur Campaigning Bureau zählt zu den Erfolgreichen in der Werbe- und PR-Branche. Das österreichische Unternehmen um Gründer Philipp Maderthaner ist nun auch in Sachsen aktiv. Der Kunde: die CDU. Das Anliegen: In den sozialen Medien Aufmerksamkeit für Botschaften und Themen der Union erzeugen.

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks betont, die Partei wolle viele Menschen erreichen. Geplant seien wie bislang Foren, Stände und Tür-zu-Tür-Gespräche. „Politische Kommunikation und Diskussion findet aber auch immer stärker online in den sozialen Medien statt“, ergänzt Dierks. Ein Wahlkampf ohne digitale Strategie sei schlichtweg undenkbar.

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„Wir wissen, dass wir online noch vieles besser machen können als bisher.“ Der Parteimanager erkennt bei den PR-Profis mit Standorten in Wien und Berlin „eine Expertise, die im deutschsprachigen Raum ihresgleichen sucht“. Nach den ersten Wochen sei er überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Das Engagement Maderthaners ist in jedem Fall ein spektakulärer Zug. Der PR-Profi hat einem sehr bekannten konservativen Politiker in ein Spitzenamt verholfen. 2017 entwickelte das Campaigning Bureau die Kampagne für die österreichische Nationalratswahl für Sebastian Kurz. Offensichtlich mit Erfolg: Kurz wurde Kanzler.

Über den Wahlkampf unter dem Motto „Es ist Zeit“ schreibt Maderthaner: „Eine Kampagne, die ohne Dirty Campaigning auskommt und mit frischen Ideen neue Köpfe für Politik begeistert.“ Der Mobilisierungsansatz habe dafür gesorgt, dass „Fans zu aktiven Mitstreitern werden“. Eingesetzt worden seien digitale Werkzeuge („Tools“), mit deren Hilfe „eine offene Bewegung in ganz Österreich spürbar“ geworden sei, online wie offline.

Dahinter verbirgt sich ein offenbar wirksamer Ansatz. „Menschen sind gerne Teil eines größeren Ganzen“, heißt es auf der Homepage des Campaigning Bureaus. Maderthaner setzt darauf, wie er in Foren und Interviews nach der Österreich-Wahl sagte, Betroffene – in dem Fall wohl konservative Wähler – zu Beteiligten zu machen.

Noch viel Potenzial im Internet

In Österreich nutzte er geschickt E-Mail-Kontakte von jenen, die sich bereits im Wahlkampf 2013 für die Aktivitäten des ÖVP-Politikers Kurz interessiert hatten. Auch die, die erst 2017 dem Politiker virtuelle Aufmerksamkeit schenkten, wurden bedacht. Wer seine E-Mail-Adresse gab, erhielt nicht nur Informationen und Werbung. Es gab Aufforderungen zum Liken sowie die Möglichkeit, selbst kleinere Aktionen im Netz zu initiieren. Entstehen sollte eine Art Gemeinschaftsgefühl, das, was Maderthaner Bewegung nennt.

Für Sachsen ist diese Art des Wahlkampfs großteils neu. Das Kurz-Modell soll jedenfalls nicht komplett auf die CDU und Michael Kretschmer, der sich am Sonnabend zur internen Wahl als Spitzenkandidat stellt, übertragen werden. Maderthaner, heißt es bei den Strategen der Landes-CDU, greift nicht in die Programmatik ein. Das Campaigning Buraeu ist auch nicht die leitende Agentur. Sie soll, so die CDU-Spitze, vor allem bei Botschaften im Internet helfen. Bei der Verpflichtung dürfte es vor allem um die von den Österreichern entwickelten „Tools“ gehen. Die Agentur will ihren Kunden ermöglichen, „genau die richtige Nachricht, genau im richtigen Moment“ zu senden.

Geplant sind nach SZ-Informationen etwa Webseiten zu bestimmten Themen, womöglich Bildung oder Sicherheit. Wer sich darüber hinaus für die CDU interessiert und Daten hinterlässt, soll – so die Idee – Teil einer Web-Gemeinschaft werden können.

Für Aufregung könnte in Sachsen sorgen, dass die Agentur für Kurz arbeitete, der schließlich ein Bündnis mit der rechtspopulistischen FPÖ schloss. Kritiker könnten das als Vorbote für eine Koalition von CDU und AfD in Sachsen sehen.

CDU-Chef und Ministerpräsident Kretschmer schließt das allerdings kategorisch aus. Die Verpflichtung Maderthaners dürfte eher auf das Gegenteil ausgerichtet sein. Im Netz, sagen CDU-Wahlkämpfer, sei die AfD der Sachsen-Union voraus. Die erst 2013 gegründete Partei sei mithilfe der sozialen Medien groß geworden. Die CDU, die seit 1990 im Freistaat regiert, habe da noch Potenzial.