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Ein Katzeklo in Paris an der Elbe

Musikkomiker Helge Schneider sorgte bei den Filmnächten in Dresden für ein mittelschweres Kalauergewitter.

Helge Schneider spielte am Freitag bei den Filmnächten am Elbufer.
Helge Schneider spielte am Freitag bei den Filmnächten am Elbufer. © Christian Juppe

Als würde man einem Kind beim Spielen zuschauen, einem Kind, das völlig vertieft und sich seiner Außenwirkung noch nicht bewusst ist. Nur dass es bei Klein-Helge keine Bauklötze, sondern der Wortspielkasten ist. So kann sich ein verblüffter Zuschauer das Phänomen Helge Schneider erklären. Der Mann aus Mülheim an der Ruhr improvisiert sich durch sein gesamtes Berufsleben und hat dabei die Grenze der Perfektion längst überschritten. Und damit er seinen Zenit nicht ganz aus den Augen verliert, suchte er am Freitag bei den Filmnächten am Dresdner Elbufer Anschluss an ein junges Publikum.

Zum Beispiel mit seinem neuesten Disco-Hit „Dance To The Music“, in den er sich verbal hineinsächselt, während der Noch-63-Jährige ziemlich „sächsi“ seinen astralen Vorruhestandskörper lasziv über die Bühne kreisen lässt und feststellt, dass ebenjene viel zu groß geraten ist für sein jazzmusikalisches Lachwerk. 

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Die Band nimmt nur ein Drittel des Platzes in Anspruch. Der dem Kalauer zugeneigte Sitzbesucher wähnt sich dadurch eher im verrauchten kleinen Jazzklub als an der frischen Elbluft. Die scheint Herr Schneider allerdings sehr zu genießen und lobt: „Dresden ist die schönste Stadt, im Umkreis von 200 Metern. Bei so vielen Eisdielen ist gar kein Platz für neue Geschäfte. Und auf dem Neumarkt hat man das Gefühl im Paris des Ostens zu sein, und dann sieht man diese vier Dixieklos.“

© Christian Juppe

Da hatte sich der Mann längst ohne viel Live-Musik in die Herzen der Anwesenden hineingekalauert. Helge vollführt eine Art Comedy-Show, bei der die Pointen vorher nicht festgelegt sind, sondern immer viel Raum für intelligenten Nonsens bleibt. „Das war noch gar nix“, sagt der Entertainer. „Andere Stars sind schon nach dem ersten Lied platt. Howard Carpendale zum Beispiel, der ist ja auch ganz schön schwabbelig geworden.“ Auch andere Wegbegleiter, u.a. ein Ex-Papst, bekommen ihr Fett weg. Diverse verbale wie mimische Verrenkungen später stellt Helge seine Band vor, darunter findet sich die derzeitige deutsche Blues-Rakete Henrik Freischlader, dessen Gitarrenspiel die musikalische Richtung weist, in die sich die Band zunehmend und durchaus virtuos hineinspielt.

Die Lieder seines aktuellen Albums „Partypeople (beim Fleischer)“ werden derweil typisch anmoderiert. Für „Wenn der Komet kommt“ erklärt Helge, wie man sich ein Lichtjahr am besten vorstellen kann. „Einfach mal im Flur das Licht ein Jahr lang anlassen.“ Und die „Wundertüte“ des Lebens sei für den einen randvoll, für die anderen liegen da nur zwei einsame Puffreis am Boden und ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Niete“. Für sein leicht politisiertes Lied „Trumpeltier“ nutzt Helge endlich mal seine Showtreppe, entlockt seiner Orgel einen 70er-Retro-Sound und gibt überzeugend den Art-Rocker. Helge, da muss mehr Musik her, denkt man sich.

© (c) Christian Juppe

Und ja, für mehr „Musik“ sorgt nach der Pause auch ein inzwischen sehr alter Bekannter auf Helges Bühne: Sergej Gleithmann. Optisch ähnelt er zunehmend dem verstorbenen Vater der Kelly Family. Akustisch gibt er auf der Geige den Paganini, nur ohne dessen Fähigkeiten. Beim längst helgisierten Publikum kommt auch dieses arg einschneidende Erlebnis gut an.

Ganz anders kommt Stargast Carlito aus Venezuela daher. Erst flötenähnlich, dann per Saxofon zeigt er sein Können. „Der Mann ist in seiner Heimat sehr bekannt, in der Straße wo er gewohnt hat“, fügt Helge freundlicherweise hinzu.

Für das gefühlte Tischfeuerwerk des Abends sorgt aber schließlich Helges größter Hit: „Katzeklo“. Ja, das macht auch die Leute richtig froh, die nun fröhlich mitsingen. Nach diesem Smash-Hit braucht Helge erst mal einen Tee von Bodo, seinem Butler in Uniform. „Kamillentee“ wohlgemerkt, „mit Dieselpartikeln von der A4“.

Mit der „Wurstfachverkäuferin“ und dem Diskofeger „Partypeople“ ist dann auch mal Schluss mit dem Kalauer-Gewitter. Fazit: Ein herrlich vertaner Abend, den man gerne wiederholen würde.

© (c) Christian Juppe

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