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Ein Kinderlächeln ist der schönste Lohn

Löbau. 37 Kinder werden in der Heilpädagogischen Tagesstätte der Diakonie betreut – eine nicht immer leichte Arbeit.

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Von Daniela Pfeiffer

Wilhelm ist das klassische Beispiel. Als er vier Jahre alt war, war das Leben für ihn und seine Eltern noch um einiges schwerer als heute. Wilhelm hat Asperger, eine autistische Erkrankung. „Er zieht sich in seine Welt zurück, fremde Umgebungen und Geräusche sind grauenvoll für ihn, Berührungen wie eine Drahtbürste“, versucht seine Mutter den Zustand zu beschreiben. Im Kindergarten kommt der Kleine nicht klar, er kann mit Gleichaltrigen nicht mithalten, wird ausgegrenzt. Auch seine Eltern leiden unter dem Zustand ihres Kindes.

Heute geht es Wilhelm viel besser. Seit er in den Heilpädagogischen Kindergarten in Löbau geht, hat sich sein Zustand stark verbessert. Der Junge ist inzwischen sechs. Er kann jetzt besser sprechen, ist selbstständiger. „Er macht jetzt fast alles wie andere Kinder in seinem Alter“, freut sich seine Mutter. Bald soll Wilhelm in die Schule.

„Wir haben oft solche Entwicklungssprünge“, berichtet die Leiterin der Einrichtung, Ilona Slesazeck. Denn 14 bestens ausgebildete Therapeuten und Pädagogen kümmern sich hier um Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Syndromschädigungen, Entwicklungsverzögerungen und körperlichen Behinderungen. In intensiven Einzel- bzw. Kleingruppentherapien werden die Kinder hier Schritt für Schritt gefördert. Wahrnehmung, Sprache, Motorik und Denken sollen verbessert werden. Ziel: Glücklich sein, mit der Welt zurechtkommen, in die Schule gehen können.

„Nicht selten können unsere Kinder schließlich eine normale Schule besuchen“, sagt Ilona Slesazeck. Schaffen könne man das durch Therapien, Spiele und Beschäftigung, die jeden Tag konsequent durchgeführt werden. „Die Kinder sollen natürlich nicht mitbekommen, das sie therapiert werden. Das ist die hohe Kunst.“ Viel werde durch Anschauung gelernt. Oft geht es deshalb in die Natur. Ansonsten sei der Alltag wie in jedem normalen Kindergarten auch: Morgenkreis, zusammen frühstücken, Beschäftigung, Toben, Mittagsschlaf.

Und getobt wird fleißig. Dafür gibt außer den sehr kreativ eingerichteten Zimmern einen kleinen Spielpark hinter dem Haus. Hier sausen die Knirpse auf ihren Rollern durch die Gegend und kaum einer merkt auf den ersten Blick, dass diese Kinder anders sind.

Ein Anderssein, mit dem manche Eltern Probleme haben, wie Ilona Slesazeck weiß: „Eltern behinderter Kinder sind zunächst oft aus der Bahn geworfen“, sagt die 57-Jährige. „Auch sie brauchen Zuwendung und viel Zeit, um damit klar zu kommen.“ Regelmäßige Gespräche und jede Menge gemeinsamer Aktionen mit Kindern und Eltern sind daher Teil der Arbeit in der Tagesstätte. „Wir machen sehr viele Feste, damit die Kinder merken, dass sie etwas wert sind.“ Auch die Eltern könnten sich untereinander gut austauschen, wenn sie sich öfter begegnen.

Es sei dennoch ein stressiger Job, der nur im Team funktioniere und von jedem Einzelnen viel abverlange. „Manchmal gelingt es einem gut, nach Feierabend abzuschalten. Ein anderes Mal nimmt man die Probleme auch mit nach Hause“, berichtet Ilona Slesazeck. Trotzdem liebt sie ihre Arbeit, denn die Kinder belohnen sie für die täglichen Mühen: „Es ist so schön zu sehen, wenn sie wieder lachen. Wenn sie keine Außenseiter mehr sind und langsam stark werden.“