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Ein Kindsmord im Pfarrhaus

Königshain. Der Friedhof erzählt viel auch über die Pfarrer des Dorfes. Die Führungen sind gefragt.

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Von René Tzschoppe

Er ist zwar kleiner, aber älter als der Friedhof in Görlitz“, sagt Evelin Mühle. Sie muss es wissen. Denn Frau Mühle ist die Leiterin des Städtischen Friedhofs der Neißestadt. Diesmal ziehen rund 40 Besucher mit ihr über den kleinen Friedhof rund um die Dorfkirche von Königshain.

Schon bei der Führung am Vormittag waren es über 20 Interessenten. „Vor 450 Jahren gab es in Königshain den ersten evangelischen Pfarrer“, erklärt die Leiterin den Jubiläumshintergrund des Rundganges.

Die Führungen sind mit dem Kirchweihfest verbunden: Gottesdienst am Steinstock, Ausstellungseröffnungen und Turmbesteigungen gehören zu dem Programm. Den ganzen Sonntag ist Hochbetrieb auf dem Kirchengelände. Viele Neugierige finden sich ein. Nur das Wetter spielt nicht mit. Der Regen treibt immer wieder die Besucher ins Gotteshaus. Die Friedhofsführung am Nachmittag drohte zu platzen. Dabei ist sie einer der Höhepunkte. Aber die Gäste warteten geduldig die nächste Regenpause ab.

„Diesen Pfarrer kennen noch viele Königshainer“, sagt Evelin Mühle. „Friedrich Scharffetter“ liest sie vor. 1972 ist er gestorben. Eine Frau mischt sich ein. Sie weiß Details zu der Familie und wo diese auf dem Friedhof beerdigt liegt.

Evelin Mühle versteht den Vortrag mit spannenden Feinheiten zu würzen: „Hier liegt Rudolph Philipp. Er war nur kurze Zeit Pfarrer. 1915 ist er auf dem Weg zum niederen Bahnhof an Herzschlag gestorben.“ Wenig später erzählt sie die Sage vom Kindsmord im Pfarrhaus. Und: Die Leichenhalle wurde 1724 als Gruft gebaut. Der einstige Besitzer zahlte 150 Reichstaler an die Kirche für den Erhalt.

Der Efeu versteckt Spannendes

Einige Platten in der Friedhofsmauer hat Evelin Mühle erst entdeckt, als sie am Freitag das Grün des Efeus abgeschnitten hat. „Ich denke, dahinter ist auch noch eine Platte in der Mauer, aber ich kann nicht den ganzen Efeu abschneiden.“

Nach etlichen Pfarrern geht es zu den Gedenkstätten: „Diese wurden mit der Unterstützung der Königshainer im Jahr 2002 errichtet“, erklärt die Leiterin. Etliche gefallende und vermisste Dorfbewohner aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind genannt. „Hier ist die Gedenktafel für die Opfer des Ersten Weltkrieges. Aber die Namen sind nicht mehr zu lesen.“ Die Sanierung wäre eine tolle Projektarbeit. Aber das es am Geld mangelt, erkennen die Besucher sofort.

Am Ende setzt erneut der Regen ein. Jetzt bleibt wieder Zeit für Kaffee und Kuchen in der Kirche.