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Ein Kleiner ist hier sogar der Größte

Die Glashütter haben relativ viel Geld zum Einkaufen übrig. Nur kaum Gelegenheit, es in der Stadt auszugeben.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Glashütte. In vielen Städten und Gemeinden ist der Penny-Markt einer unter mehreren Discountern, oft eher ein kleiner Markt. Im Glashütter Stadtgebiet ist das nicht so. Hier ist der Discounter mit einer Verkaufsfläche von 607 Quadratmetern der größte Einkaufsmarkt. Das geht aus einer Studie hervor, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden unter dem Titel Handelsatlas 2015 veröffentlicht hat. Diese gibt einen Überblick über Verkaufsflächen und Kaufkraft in den Städten und größeren Gemeinden Ostsachsens. Zudem zeigt sie, wie sich der Handel und wie sich das Einkommen der Bürger entwickelt hat. Die wichtigsten Ergebnisse für Glashütte im Überblick:

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Ergebnis eins: Die Zahl der Angestellten und Arbeiter hat zugenommen

Der Handel lebt von Menschen, die ausreichend Geld haben, um es auch ausgeben zu können. Deshalb schaut er auch auf die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Und die ist in den vergangenen 15 Jahren größer geworden. Gab es im Jahr 2000 noch 2 153 Beschäftigte, so stieg deren Zahl kontinuierlich und erreichte 2014 eine Größe von 2 870. Dafür verantwortlich war, das belegen Erhebungen der SZ, vor allem die in der Stadt tätigen Uhrenfirmen. Sie allein beschäftigen über 1 700 Angestellte und Arbeiter.

Ergebnis zwei: Glashütter haben mehr im Portemonnaie als andere

Jedem Glashütter stehen im Jahr durchschnittlich 5 684 Euro zum Shoppen zur Verfügung. Das ist der Betrag, der nach Abzug von Fixkosten etwa für Wohnung, Auto und Versicherungen übrig bleibt. Im Vergleich zu den Nachbarstädten Dippoldiswalde und Altenberg steht die Stadt damit gut da. Denn die Altenberger haben der Studie zufolge zum Einkaufen im Durchschnitt 5 521 Euro, die Dippoldiswalder 5 661 Euro. Und auch im Vergleich zum Durchschnitt im Landkreis und im Freistaat sieht es für Glashütte in puncto Kaufkraft nicht schlecht aus. Dort liegt sie bei 5 662 Euro beziehungsweise 5 676 Euro. Zieht man die Zahlen vom Bund heran, wird deutlich, dass aber auch Glashütte ähnlich wie andere ostdeutsche Städte und Gemeinden noch Nachholbedarf hat. Die durchschnittliche Kaufkraft eines Bundesbürgers wird in der Studie mit 6 264 Euro angegeben.

Ergebnis drei: Das meiste Geld geben die Glashütter für Lebensmittel aus

Nach den Berechnungen der IHK hat jeder Glashütter im vorigen Jahr durchschnittlich 2 110 Euro für Brot, Brötchen, Käse, Wurst, Bier und Saft ausgegeben, für Drogerieartikel, Parfüme und Gesundheitsartikel standen rund 892 Euro zur Verfügung. Für den Baumarkt blieben durchschnittlich 464 Euro, für Bekleidung rund 467 Euro und für Unterhaltungs- und PC-Technik 315 Euro übrig. Interessant auch: Für Uhren und Schmuck standen nur 62 Euro bereit – dafür bekommt man keine der in Glashütte hergestellten Zeitmesser.

Ergebnis vier: Die Einkaufsfläche ist kleiner geworden

Obwohl den Glashüttern im Vergleich zu anderen Osterzgebirglern relativ viel Geld zur Verfügung steht, haben sie nur wenig Möglichkeiten, das Geld in Geschäften des Stadtgebietes auszugeben. Denn die Zahl der Läden ist in den letzten Jahren zurückgegangen.

Davon zeugen die vielen leeren Läden in der Glashütter Innenstadt. Und das belegen auch die Zahlen der IHK. Denn die Verkaufsfläche ist seit 2001 rückläufig. Betrug diese 2001 insgesamt noch knapp 6 700 Quadratmeter, so liegt sie jetzt bei 2 800 Quadratmeter.

Bei einer Einwohnerzahl von 6 800 sind das 0,41 Quadratmeter pro Kopf. Die Altenberger haben nach der Eröffnung des Edeka-Marktes am Bahnhof eine Pro-Kopf-Fläche von 1,06 Quadratmeter, Dipps mit seinen großen Einkaufsläden im Gewerbegebiet Reinholdshain kommt sogar auf 1,71 Quadratmeter Einkaufsfläche pro Kopf.

Ergebnis fünf: Zahl der Lebensmittelläden konstant geblieben

Während die Verkaufsfläche in Glashütte insgesamt kleiner geworden ist, hat sich die der Lebensmittelläden leicht vergrößert. Produkte des täglichen Bedarfs wurden 2010 auf 1 743 Quadratmetern verkauft, im letzten Jahr waren es 1 823. Die Zahl der Lebensmittelläden blieb in den letzten fünf Jahren mit 22 konstant. Größter Markt ist der Penny-Markt in Schlottwitz. Sein Mitbewerber, der Edeka in Glashütte, hat eine Verkaufsfläche von 412 Quadratmetern. Bei der nächsten Datenerhebung der IHK dürfte sich das Ranking etwas anders darstellen. Denn Schlottwitz bekommt einen weiteren Discounter, einen Netto-Markendiscount. Er soll im Sommer in Niederschlottwitz öffnen und eine Verkaufsfläche von 771 Quadratmetern haben. Außerdem ist dort eine 40 Quadratmeter große Bäckereifiliale geplant.