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Ein kleiner Ort im Werragrund

Leutersdorf in Thüringenhat eine lange Geschichte und rührige Einwohner.

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Von Grit Lobstein

Nur 268 Einwohner leben in dem kleinen Ort in Thüringen, 20 Kilometer von Meiningen entfernt, an der B 98 in Richtung Themar mitten im Werragrund. „Nicht nur die Lage ist idyllisch, auch die Einwohner sind ein friedliches Volk“, lacht Elvira Werner. Sie weiß das aus ihren 14 Jahren Arbeit bei der Gemeindeverwaltung Leutersdorf. Diese liegt zwar nun schon viele Jahre zurück, aber die Zeit möchte sie nicht missen. „In all den Jahren hat sich nur einmal ein Einwohner beschwert, und dies auch nur, weil mal eine Mülltonne nicht geleert wurde“, erzählt sie.

Doch die Leutersdorfer sind nicht nur friedliebend, sie sind auch rührig. Ganz besonders Rosemarie Peukert. Eines ihrer vielen Hobbys ist die Ortschronik. Dieser kann man entnehmen, dass die erste urkundliche Erwähnung von Leutersdorf in das Jahr 1057 zurückführt. Damals zählte der Ort mit zu den ältesten Kirchenorten Thüringens. Warum, das wird den Besuchern klar, wenn sie den Kirchhügel besteigen. Dort oben, zirka 20 Meter über dem Dorf, steht noch heute die 1758 erbaute Kirche. Hier angekommen wird deutlich, warum sich dieser Berg ausgezeichnet zur Verteidigung eignete. Man sieht es an der Art der Befestigung des Kirchhügels. Zusätzlich ist der Kirchhof von einer anderthalb Meter hohen Ringmauer umgeben, an der sich die sogenannten Gaden anlehnen. Diesen strategischen Verteidigungspunkt machten sich aber auch schon 1129–1131 die Tempelherren zunutze, die auf dem heutigen Kirchberg schon damals eine Ordenskirche erbauten.

Im Jahre 1542 kam das Dorf in die Verwaltung des Grafen von Henneberg. Noch heute ist die kleine Gemeinde im malerischen Werragrund geprägt von zahlreichen, gut erhaltenen und restaurierten Fachwerkhäusern im hennebergisch/fränkischen Baustil. Sehenswert sind aber auch die wunderschönen alte Haustüren und die denkmalgeschützten Haus- und Kellereingänge an den für den Ort typischen Kellerhäusern.

Zu den ältesten und schönsten Gebäuden zählen das Pfarrhaus und das Gemeindehaus. Aber auch das heutige Vereinshaus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Hier treffen sich die Vereine des kleinen Ortes. Immerhin gibt es hier einen Gesangsverein mit Männerchor, einen Trachtenverein und einen Mühlenverein. Der sehr aktive Trachtenverein kümmert sich unter anderem um die jährliche Kirmes. Zu diesem dreitägigen Fest kommen dann auch schon mal die „Kastelruther Spatzen“. Aber auch zu Ostern ist hier jedes Jahr was los.

Da kommt auch bei Frau Peukert keine Langeweile auf. „Ich bin Rentnerin ohne Zeit“, lacht sie und berichtet weiter von dem Mühlenverein. „Vor eineinhalb Jahren haben wir begonnen, eine Idee zu verwirklichen: Wir wollten aus der alten Wassermühle ein Heimatmuseum machen“, sagt die 66-Jährige. Die alte Mühle hatte die damalige Besitzerin der Gemeinde noch vor ihrem Tod geschenkt. Doch so richtig hatten die Leutersdorfer da noch nicht geahnt, auf was sie sich einlassen. „Die Mühle ist ein marodes, kleine Haus“, berichtet die gebürtige Leutersdorferin. Zwei Räume sind aber schon fertig, der Hausflur und das Wohnzimmer der ehemaligen Müllersfamilie sind in Arbeit. „Unser Ziel ist, zum nächsten Museumstag zu öffnen.“ Ob dann auch schon die Wassermühle wieder funktioniert und sogar Strom erzeugt, das weiß Rosemarie Peukert noch nicht, aber dieses Projekt ist ebenfalls in Arbeit.

Doch als wäre dies alles nicht schon genügend Arbeit für die Rentnerin, engagiert sie sich auch noch im Kulturlandschaftspark Oberer Werragrund. Mit zwei weiteren Orten des Werragrunds wollen sie die Gegend anderen nahebringen. Gut ausgebaute Rad- und Wanderwege, jedes Jahr ein bereits deutschlandweit bekannter Erlebnislauf und ein Naturkindertag mit rund 150 Kindern sind nur ein paar Punkte der Arbeit.

„Leider haben wir keine partnerschaftlichen Beziehungen zum sächsischen Leutersdorf. Nur ab und zu kommt die Post falsch an“, lacht Elvira Werner, die in der heutigen Verwaltungsgemeinschaft Dolmar-Salzbrücke, zu der auch Leutersdorf zählt, arbeitet. „Aber wir freuen uns immer, wenn wir mal Gäste von dort hier haben“, meint Rosemarie Peukert.