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Löbau

Ein kleines Schild mit großer Wirkung

Eine einfache Maßnahme könnte die B6 nach Löbau von Lkw entlasten - und der B178n nutzen. Doch die Behörde ist da ziemlich skeptisch.

Wie gelangen Transit-Lkw möglichst schnell zur B 178n? Eine Idee könnte für mehr Ruhe auf der B 6 sorgen.
Wie gelangen Transit-Lkw möglichst schnell zur B 178n? Eine Idee könnte für mehr Ruhe auf der B 6 sorgen. © Foto: Matthias Weber

Die Fahrt von Löbau über die B 6 zur Autobahn wird mitunter zur Geduldsprobe. Je nach Tageszeit ist ein zügiges Fortkommen dort kaum möglich. Hauptgrund: Der hohe Anteil an Schwerlastverkehr. Zwischen Löbau und dem Autobahnanschluss in Bautzen ist die B6 eine stark frequentierte Brummi-Route - besonders für Laster von und nach Tschechien oder auch Polen.

Den Grund für diesen Umstand glaubt jetzt SZ-Leser Steffen Thomas ausgemacht zu haben - und eine mögliche Lösung liefert er mit einem Vorschlag an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gleich mit. Verursacher sei demnach ein Zusatzschild, das an der Autobahnabfahrt Bautzen-Ost angebracht ist. "LKW - CZ" steht darauf und lotst Lkw-Fahrer in Fahrtrichtung Tschechien dort von der A 4 durch Bautzen und schließlich auf die B 6. "Das ist totaler Unsinn, da sich die vielen Lkw alle durch halb Bautzen, über Hochkirch bis Löbau durchkämpfen müssen", schreibt Steffen Thomas der Behörde. Vor Löbau biegen diese Lkw dann regelmäßig auf die Schnellstraße B 178n ab.

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Der Lösungsvorschlag des Lesers: Die B 6 könnte ganz einfach dadurch entlastet werden, indem man den Schwerlastverkehr mittels Hinweisschild erst eine Autobahnabfahrt weiter, nämlich in Weißenberg von der Autobahn lotsen würde. "Schließlich gibt es dort extra eine Umgehungsstraße durch Wasserkretscham, bevor die Autos bei Nostitz alle auf die B 178n kommen", schreibt Steffen Thomas. Den Frachtern entstünde dadurch kein Nachteil, weil sie die Lkw-Maut sowohl auf der Autobahn wie auf der Bundesstraße zahlen müssten.

Diese Verkehrsführung hätte laut Thomas sogar noch einen weiteren Vorteil: Sie würde einen Ausbau der B 178n begünstigen. Denn die Entscheidung, das Lückenstück der Schnellstraße zwischen Nostitz und der Autobahn nur dreispurig auszubauen, resultiere aus Verkehrszählungen - insbesondere der von Lkw. Dass auf diesem Stück aber kaum Lkw unterwegs seien, sei ja kein Wunder, weil schließlich alle über die B 6 fahren und erst vor Löbau auf die Schnellstraße einbiegen. Steffen Thomas schlägt daher vor, das Schild "LKW - CZ" an der Autobahnabfahrt Weißenberg anzubringen, und auch den entsprechenden Vorwegweiser an der Anschlussstelle in Bautzen-West zu versetzen. Steffen Thomas glaubt, dass gerade jetzt die Zeit günstig sei, die Verkehrsführung zu ändern. Grund ist die aktuelle Sperrung der B 6 zwischen Bautzen und Hochkirch. "Deshalb werden bis Mitte August alle über die frisch erneuerte S 111 in Richtung Weißenberg umgeleitet. Das wird die neue Piste nicht lange aushalten", schreibt er. 

Angetan von dieser Idee ist Norbert Wolf (CDU), seit 1994 Bürgermeister von Hochkirch. Er kennt die Belastung seiner Gemeinde durch den Schwerlastverkehr seit Jahrzehnten. Immer spätnachmittags herrsche auf der Ortsdurchfahrt Lkw-Rushhour. "Besonders sonntags nach 21.30 Uhr, wenn sie wieder fahren dürfen, ziehen die Lkw hier im Rudel durch", beschreibt Wolf die Situation und: "Alles was die B 6 entlastet, entlastet auch Hochkirch. Da bin ich sofort dabei." 

Wie hoch frequentiert die Straße ist, zeigt eine Zählung des Landkreises Bautzen. Am Radarblitzer in Plotzen werden alle passierenden Fahrzeuge gezählt. "In Plotzen sind dieses Jahr bisher 232.477 Fahrzeuge durch die Anlage gefahren", teilt das Landratsamt Bautzen auf SZ-Anfrage mit. Dabei wird allerdings nicht zwischen Pkw und Lkw entschieden. Neben dem Verkehrsaufkommen brächten die Brummis auch ein weiteres Ärgernis in den Ort. Ein Imbiss am Straßenrand wird von manchem Trucker gerne angesteuert. "Der Parkplatz da ist leider die blanke Müllhalde und zum Teil auch eine öffentliche Toilette", schildert Bürgermeister Wolf die Situation.

Vom Lasuv jedoch ist vorerst nicht mit einer Änderung der Verkehrsführung zu rechnen. "Die B 6 ist grundsätzlich besser geeignet, überörtlichen und Schwerlastverkehr aufzunehmen als die Staatsstraße 112", lässt die Behörde auf SZ-Anfrage wissen. Die Staatsstraße 112 bildet derzeit bei Weißenberg die Anbindung der B 178n an die Autobahn. Die Behörde wolle sich des Themas aber noch einmal annehmen.

Weißenbergs Bürgermeister Jürgen Arlt (parteilos) glaubt aber auch gar nicht, dass eine Versetzung der Wegweiser an der Autobahn irgendetwas bewirken würde. "Wer glaubt, Lkw würden dort lang fahren, wo die Wegweiser stehen, der irrt", sagt er. Moderne Navigationsgeräte hätten in den Lkw-Cockpits längst die Rolle von Wegweisern übernommen. Und die wiesen nicht nur die kürzeste, sondern auch die je nach Verkehrsaufkommen schnellste Route, so Arlt. Aber auch die Straßenmaut spiele in den Berechnungen der Lkw-Fahrer eine große Rolle. "Die Route über die Abfahrt Weißenberg ist 13 Kilometer länger", sagt er. 

Zudem ist Jürgen Arlt wie das Lasuv der Ansicht, die S 112 sei nicht wirklich geeignet für Schwerlastverkehr. "Die Strecke wurde seinerzeit ja nur notdürftig als Umgehung ertüchtigt", sagt er. Weil sie im Zickzack zwischen Autobahn und B 178n verlaufe und viele Engstellen aufweise, würden sich Lkw hier schnell stauen - und solche Staus registriert eben auch sofort ein Navigationssystem. "Kein Lkw-Fahrer stellt sich freiwillig in einen solchen Stau. Da kann man Schilder aufstellen wie man will", sagt er.

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