SZ +
Merken

Ein Kleinwagen überholt sich selbst

Dresden. Der französische Automobilhersteller Renault wird den rumänischen Dacia-Logan heute offiziell auf dem deutschen Markt einführen. Findige sächsische Autohändler sind dem Konzern jedoch zuvorgekommen.

Teilen
Folgen

Von Annett Müller

Dresden. Der französische Automobilhersteller Renault wird den rumänischen Dacia-Logan heute offiziell auf dem deutschen Markt einführen. Findige sächsische Autohändler sind dem Konzern jedoch zuvorgekommen.

Tobias Mittag aus Borna bei Leipzig hat nicht erst gewartet, „bis bei der Nachfrage die Luft raus ist.“ Seit Februar bietet er als einer der ersten deutschen Renault-Autohändler den Dacia-Logan an. „Ein schlagzeilenträchtiges Fahrzeug, das deutschlandweit nirgends zu finden war, war eine gute Marktnische“, sagt der Autohändler. Ein deutscher Marktauftritt war für den französischen Renault-Konzern, der den Logan in Rumänien produzieren lässt, vor einem Jahr noch undenkbar. Im Juni 2004 präsentierte Renault den Viertürer.

Was erst einmal auf dem osteuropäischen Markt ist, lässt sich vor Westeuropa nicht verstecken, schließlich ist ein EU-weiter Fahrzeughandel erlaubt. Händler Mittag fand einen Kollegen in Tschechien, von dem er bislang fast 100 Logans als EU-Fahrzeuge nach Sachsen importierte – mit osteuropäischer Basisausstattung. Autohändler aus ganz Deutschland fragten bei ihm nach, die dem offiziellen Verkaufsstart zuvorkommen wollten. „Unsere Kundschaft war ungeduldig und wollte das Auto anfassen und Probe fahren“, sagt Verkaufsleiter Peter Thümmel vom Renault-Autohaus Lohse in Freital.

3 000 Logans will Renault in diesem Jahr bei bundesweit ausgewählten Händlern anbieten. 80 000 Verkäufe werden in Rumänien erwartet. Der Marktstart in Deutschland sei spannend, aber nicht einfach, heißt es bei Dacia in Rumänien. „Schließlich wurde in Deutschland diskutiert, ob das, was billig ist und aus Rumänien kommt, überhaupt etwas taugen kann“, sagt der französische Dacia-Chef, François Fourmont. „Diese Einstellung hat uns schockiert.“ Seit Anfang des Jahres wird im Dacia-Werk in der Kleinstadt Mioveni im Drei-Schicht-System gearbeitet. Die Hälfte der 12 000 Angestellten ist in der Produktion tätig. Ein Arbeiter dort berichtet, er verdiene 140 Euro im Monat: „Ich müsste länger als vier Jahre drei Viertel meines Lohnes sparen, um einen Logan kaufen zu können.“ Facharbeiter verdienen bis zu 250 Euro.