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Ein Knochen kann Gefühle vermitteln

Wünschendorf. Er fordert mit seinen „Fundsachen“ heraus – zum Nachdenken und Umdenken: der Künstler Volker Lenkeit.

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Von Kerstin Richter

Auf den ersten Blick strahlt er Ruhe aus, der Maler und Grafiker Volker Lenkeit aus Wünschendorf. Im Gespräch mit dem freundlichen Mann hat man dann aber schnell das Gefühl, die Energie des Künstlers springt im Atelier hin und her – und sucht sich ihre Ecken zum Ausbrechen.

Unter dem Dach seines sonnendurchfluteten Hauses mit dem mediterranen blauen Anstrich hängen die Papierarbeiten „Tiefseefische ausgelesen“. Lithografien verschiedenster Motive an hohen Wänden, Sohlenhofer Kalkschiefer, bedruckt mit Phantombildern, geben dem Betrachter nur einen kleinen Einblick in sein künstlerisches Schaffen. Und: Sie machen neugierig auf Lenkeits Schaffen.

Kunstverein mitbegründet

Der 1959 in Dresden geborene, seit 1982 verheiratete zweifache Vater studierte von 1982 bis 1987 in Dresden an der Hochschule für bildende Kunst das Fach Malerei und Grafik. Sein Diplom machte er 1987 bei Professor Gerhart Kettner in Dresden. Seit 1987 arbeitet er als freischaffender Maler, Grafiker und Aktionskünstler. Volker Lenkeit hat den Kunstverein „Alte Feuerwache“ in Loschwitz mitbegründet. Er ist heimatverbunden und gleichzeitig immer wieder von Fernweh getrieben. So führten ihn Studienreisen nach Kolumbien, Ecuador, Peru, Argentinien, Ohio und New York. Neben der Bildenden Kunst spielt er auch noch Geige.

Seit der Gründung der Gruppe „Ru-in“ (russische Indianer) 1990 ist er mit denselben bei Musikperformances unter anderem in Dresden, Dessau, Bogotá, München, Quito, Stuttgart und Weimar dabei.

Irgendwann fällt ihm was ein

Immer wieder betont Volker Lenkeit im Gespräch, er sei ein fauler Mensch. Viele Arbeiten entstehen aus „Fundsachen“, die ihn inspirieren, bereits vorhandene Materialien zu verwenden. Und er findet viel. In seinem Atelier wird der Betrachter bei genauerem Hinsehen in seinen Arbeiten immer wieder auf Gegenstände anderer Verwendungen aufmerksam.

Neben der Durchgangstür auf einem Hocker liegt ein großer Knochen. „Irgendwann“, so Volker Lenkeit, „fällt mir dazu schon etwas ein und ich finde eine Verwendung für ihn.“ Die Namen der Werke des Künstlers sind sehr aussagekräftig. So hat er die Phantombilder auf dem Kalkschiefer „Die unter uns“ genannt. „Kunst, die Gefühle rüberbringt“, bezeichnet er selbst seine Arbeiten. Ausgestellt hat er seine Werke gerade in Köln.

Und als ob das noch nicht genug wäre, ist Volker Lenkeit auch noch als Bildhauer tätig. So beteiligt er sich zurzeit an einer Ausschreibung für die künstlerische Gestaltung des Eingangsbereiches des Meißner Landgerichtes. Die Ideen des experimentierfreudigen, weltoffenen Künstlers sind vielseitig.

Wacher durchs Leben gehen

Mit der Wünschendorfer Familie Hirsch plant der Künstler eine Initiative zur Erneuerung des Brunnens im Dorf. Das Modell aus Sandstein und Granit dazu steht bereits in seinem Atelier. Es ist ein Entwurf zu Ehren des Dresdner Künstlers Herrmann Klöckner, der 1936 hier in Wünschendorf das Tafelwerk erschaffen hat.

Lenkeit ist ein agiler Zeitgenosse. Immer auf der Suche nach Neuem. Immer in Bewegung und doch in sich ruhend. Genau daraus schöpft er seine Energie und Kraft. Dabei ist er oft auch nachdenklich. Und so folgt auf die Frage nach dem Wunsch für die Zukunft eine lange Pause. „Die Menschen sollten wacher durchs Leben gehen und nicht so leichtgläubig sein.“