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Ein Knopf für alle Fälle

Hausnotrufe sind gefragter denn je. Die Angebote der Anbieter sind jedoch kaum vergleichbar.

Von Mario Heinke

Für Senioren, Behinderte, Unfallopfer oder auch Alleinstehende hat der Wunsch nach einem selbst bestimmten Leben im gewohnten Umfeld einen hohen Stellenwert. Für sie kann ein Hausnotruf der entscheidende Faktor sein, damit sie weiterhin in der eigenen Wohnung leben können. Damit die bekannte Notrufnummer 112 den wirklichen Notfällen vorbehalten bleibt, bieten Wohlfahrtsverbände und private Firmen Hausnotrufe an. „Keiner diese Hausnotrufe ist direkt an unsere Leitstelle geschaltet“, sagt Thomas Zabel von der Leitstelle in Hoyerswerda. Ein Hausnotruf hat immer eine Kontaktperson in einer eigenen Zentrale der Anbieter dazwischen geschaltet. Der Hausnotruf selbst besteht in der Regel aus einer Basisstation in der Wohnung und einem tragbaren Alarmknopf, der beispielsweise nach einem Sturz ausgelöst werden kann. Das ist nur die technische Seite, entscheidend ist aber das System dahinter. Interessenten schließen deshalb einen Vertrag mit einem Anbieter ab, bei dem werden allen Daten wie Wohnanschrift, Angehörige oder benötigte Medikamente hinterlegt. Neben privaten Unternehmen bieten die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Malteser und das DRK in Löbau und Zittau einen solchen Hausnotruf in der Region an. Wird der Alarmknopf gedrückt, spricht die Zentrale den Hilfebedürftigen zunächst persönlich mit Namen über die Basisstation an und fragt, was passiert ist. Kommt diese Kontaktaufnahme nicht zustande, etwa weil der Nutzer nicht bei Bewusstsein ist, wird ein Angehöriger, ein Nachbar oder ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes alarmiert. Mit einem bei diesen Personen hinterlegten Wohnungsschlüssel verschaffen sich die Alarmierten Zugang zur Wohnung und schauen nach, welche Hilfe benötigt wird.

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Nur fünf Prozent der eingehenden Notrufe sind medizinische Notfälle, die den Einsatz eines Rettungswagens notwendig machen, erklärt Elke Kretzschmar vom Deutschen Roten Kreuz in Dresden. Das geht aus der Statistik des DRK Mitteldeutschland hervor, wo monatlich rund 19 000 Notrufe eingehen, inklusive der Notrufe der DRK-Kunden aus dem Kreis. Diese Fakten zeigen, dass die Hausnotrufe den Rettungsdienst signifikant entlasten. Manfred Jäger von der Sicherheitsnotruf Deutschland GmbH kann das bestätigen und erklärt, dass der Notruf auch bei einem Einbruch, Feuer oder häuslicher Gewalt benutzt werden könne. Jäger ist in Zittau unterwegs, um seine Produkte zum Hausnotruf anzubieten.

Der Hausnotruf ist zweifellos eine sichere Einnahmequelle für die Anbieter, denn die Nutzer zahlen eine monatliche Grundgebühr. Die liegt monatlich zwischen 20 und 37 Euro. Hinzu kommt eine einmalige Einrichtungsgebühr. Ein Vergleich der einzelnen Angebote gestaltet sich äußerst schwierig, weil in den Angeboten Leistungen beschrieben sind, die nicht immer miteinander vergleichbar sind. „Ein Hausnotruf hat viel mit Vertrauen zu tun“, erklärt Frau Kretschmar vom DRK. Ganz wichtig sei die flächendeckende Verfügbarkeit von geschulten Hilfskräften, die in der Lage sind, rund um die Uhr zu helfen. Jäger von der Sicherheitsnotruf GmbH hält eine persönliche Beratung vor Ort für entscheidend. Er installiert die Geräte bei seinen Kunden selbst, erklärt alle Funktionen und testet den Notruf aus den verschiedenen Räumen der Wohnung oder des Hauses. Ganz wichtig sei es, die Sprechverbindung zur Notrufzentrale auszuprobieren, so Jäger, dessen Notrufzentrale in Halle an der Saale sitzt. Für die Vor-Ort-Betreuung seiner Kunden hat er Verträge mit ortsansässigen Pflegediensten abgeschlossen.

Bei Vorliegen einer Pflegestufe zahlen die Pflegekassen einen monatlichen Zuschuss von 18,36 Euro. Diese Kostenübernahme beschränkt sich auf die Grundversorgung, dazu gehören die Gerätebereitstellung, die Aufschaltung auf eine Zentrale und eine zu informierende Person. Darüber hinausgehende Leistungen wie Schlüsselhinterlegung sind als Eigenanteil durch die Hausnotrufteilnehmer selbst zu tragen.

Vor Abschluss eines Vertrages sollten Interessenten sich deshalb über folgende Fragen klar werden: Wer soll im Notfall informiert werden? Welche Leistungen soll der Hausnotruf erbringen? Findet eine Vor-Ort-Beratung statt? Wird der Notruf in der Wohnung getestet? Kommt eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale zustande? Kann der Vertrag innerhalb vier Wochen gekündigt werden? Fallen zusätzliche Kosten beim Auslösen des Notrufes an?

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