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Ein König und ein Diener

Wir stellen „Gute Seelen“ vor, die eher im Hintergrund als im Vordergrund arbeiten. Heute: Klaus-Peter Rosenstengel

Klaus-Peter Rosenstengel ist gern für die Kulturfabrik im Ehrenamt tätig. Die Infothek besetzt er regelmäßig.
Klaus-Peter Rosenstengel ist gern für die Kulturfabrik im Ehrenamt tätig. Die Infothek besetzt er regelmäßig. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Es gibt Menschen, die brauchen keine klassischen Hobbys wie Garten, Sport, Handwerk, Sammelleidenschaft oder ein Haustier. Sie investieren ihre freie Zeit lieber in ehrenamtliches Engagement. Klaus-Peter Rosenstengel ist solch ein Mensch, der seit Jahrzehnten sein Leben damit füllt. Er vermisst dabei nichts. Der 67-Jährige findet seinen Frieden, wenn er andere Menschen unterstützen kann. Unter Kollegen, Angehörigen und Freunden wird er meist nur „Rosi“ genannt.

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Der gebürtige Thüringer zog nach der Armeezeit Anfang der 70er Jahre nach Hoyerswerda. Eltern, Geschwister und der Rest der Familie waren schon länger in der Stadt. Die Arbeit im Tagebau machte es möglich. Als kulturinteressierter Mensch engagierte sich Rosi schnell in der Szene. „Ich wollte nicht nur Kultur konsumieren, sondern auch selbst etwas dafür tun“, meint der Hoyerswerdaer.

Als sogenanntes „Mädchen für alles“ unterstützte der gelernte Elektriker Großveranstaltungen, war Mitbegründer des damaligen FMP-Clubs („Feuersteins Musik Podium“), der vom Liedermacher Gerhard „Gundi“ Gundermann maßgeblich geformt wurde. Rosi gestaltete aktiv auch die Zeiten verschiedener anderer Jugendtreffs mit, wie den „Laden“, den „Einstein-Club“ und den „WK X-Club“. Im ehemaligen Pionierhaus „Grete Walther“ engagierte er sich später weiterhin in der Soziokultur, erlebte den Umzug der KulturFabrik in das ehemalige Kinder- und Jugendheim, die sogenannte KuFa-Zwischenbelegung. Das Gebäude ist wie die benachbarte Oberschule „Juri Gagarin“ längst abgerissen. An jener Stelle in der Alten Berliner Straße ist unter anderem eine neue Wohnsiedlung mit Einfamilienhäusern entstanden.

Rosi berichtet, dass die damalige Zeit in der Zwischenbelegung für die Kulturfabrik, ihre Mitarbeiter und Besucher ganze 15 Jahre andauerte, bis Apothekerin Inge Illin die Initiative ergriff. Sie wollte das stark baufällig gewordene ehemalige Ballhaus und Gymnasium, in dem Computervater Konrad Zuse sein Abitur ablegte, der Dachverband der Sorben, die Domowina, gegründet wurde und in dem später das Pionierhaus beheimatet war, mit Spendenaktionen retten. Mit Erfolg. Letztlich investierte die Stadt Hoyerswerda in das Objekt. Rosi erlebte auch den Umzug der KuFa in das neu sanierte Haus, das vor fünf Jahren als Braugasse 1 (wieder) seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Ein Ort der soziokulturellen Begegnung.

Nur ein paar Monate später, es war der 1. Januar 2016, begann für Rosi der Ruhestand. Wenngleich Un-Ruhe wohl die bessere Bezeichnung dafür ist. Denn Müßiggang ist für den 67-Jährigen immer noch ein Fremdwort. Irgendwann suchte KuFa- Geschäftsführer Uwe Proksch einen zuverlässigen und fleißigen Menschen, der sich um den Servicebereich an der Infothek kümmert und kompetenter Ansprechpartner für Besucher ist. Für Rosi ist dieses Ehrenamt wie maßgeschneidert. Geplant waren dafür eigentlich nur zwei Tage in der Woche. Aber Rosi wollte mehr und besetzt die Infothek regelmäßig. „Wenn schon, dann richtig“, meint der Hoyerswerdaer wie selbstverständlich. Hin und wieder hört er von seinen Kollegen und Besuchern: „Schön, dass du da bist“. Das ist für ihn Wertschätzung genug. „Es ist ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden“, meint Rosi, den man auch auf der Bühne erleben kann. In der KuFa-Theatergruppe „Einmaldiewoche“ tauscht er den Alltag gern gegen verschiedene Rollenspiele ein. Dabei gibt es für ihn aber eigentlich vordergründig nur zwei Charaktere zu besetzen, wie er selbst sagt. Entweder den König oder den Diener. Womit wir mit einem Brückenschlag wieder im wahren Leben von Rosi wären: Ein König des Ehrenamts, der seine uneigennützigen Dienste anderen Menschen gern zur Verfügung stellt.

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