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Dippoldiswalde

Ein Königreich für ein kühles Plätzchen

Die Schüler im Osterzgebirge freuen sich über die Hitze. Die Förster indes haben Sorgen.

Das Freibad Lauenstein lädt bei 23 Grad Wassertemperatur zu einem Sprung ins kühle Nass ein. Am Mittwoch haben Kinder in Begleitung Erwachsener freien Eintritt.
Das Freibad Lauenstein lädt bei 23 Grad Wassertemperatur zu einem Sprung ins kühle Nass ein. Am Mittwoch haben Kinder in Begleitung Erwachsener freien Eintritt. © Egbert Kamprath

Die Quecksilbersäule kletterte am Dienstag in Dippoldiswalde auf über 30 Grad Celsius. Und es geht noch höher. Meteorologen sagen für Mittwoch den bisher wärmsten Tag des Jahres voraus. Der Deutsche Wetterdienst hat sogar eine Warnung vor Hitze herausgegeben. Wer kann, sucht Abkühlung im Freibad oder ein schattiges Plätzchen im Wald. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. So sieht die Situation derzeit im Osterzgebirge aus.

Verkürzter Unterricht am Gymnasium

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Die Hitze im Plattenbau des Glückauf-Gymnasiums in Dippoldiswalde war schon am Dienstag extrem, sagt Schulleiter Volker Hegewald. Deshalb wurde bereits der Unterricht verkürzt. Statt 45 Minuten dauert eine Unterrichtsstunde nur noch 30 Minuten. Im höher gelegenen Standort in Altenberg wird ab Mittwoch zwar immer noch nicht an der Uhr gedreht. Es wird weiter jeweils 45 Minuten lang unterrichtet. „Dafür aber nur bis zur fünften Stunden“, so Hegewald. Damit ist 12 Uhr Schulschluss.

Kostenlose Getränke für die Mitarbeiter

Beim Kreisverband des Roten Kreuzes in Dippoldiswalde bekommen alle Mitarbeiter beim Rettungsdienst, in den Kindereinrichtungen oder dem Seniorenheim Glashütte kostenlose Getränke. Die Betreuer im Seniorenheim achten auch darauf, dass die Bewohner ausreichend trinken, sagt Vorstand Axel Werthmann. Er hat auch die Devise ausgegeben, alle größeren körperlichen Anstrengungen so gut wie möglich zu vermeiden. In den Kindergärten sollen die Erzieher darauf achten, dass die Kleinen beim Spielen möglichst im Schatten bleiben und sich nicht weiter anstrengen. Die Menschen in der Region haben die Sommerhitze bisher gut verkraftet. So ist jedenfalls die Beobachtung der Mitarbeiter im Rettungsdienst in den Rettungswachen Dippoldiswalde, Altenberg, Glashütte und Frauenstein. Sie hatten bis Dienstag nicht mehr Einsätze als gewöhnlich.

Auch das Gesundheitszentrum Raupennest in Altenberg stellt Mitarbeitern kostenlos Getränke zur Verfügung. Die Patienten und Gäste des Hauses können sich ebenfalls mit Erfrischendem im Speisesaal gratis versorgen. „Ansonsten lässt es sich in Altenberg immer noch aushalten“, sagt Susanne Kadner von der Reha-Klinik. „Es geht immer ein laues Lüftchen.“ Auch in Schmiedeberg lindert die geografische Lage die Sommerhitze. Im Tal direkt an der Roten Weißeritz wird es nicht so heiß wie an anderen Orten. Trotzdem herrscht Gluthitze in der Schmiedeberger Gießerei. Geschäftsführer Holger Kappelt sagt: „Wir lüften laufend. Die Tore sind alle offen, und die Absauganlage läuft die Nacht durch und kühlt die Hallen etwas ab.“ Die Mitarbeiter bekommen gekühlte Getränke gestellt, damit sie sich in den Pausen erfrischen können. „Sie sind es auch gewohnt, mit Hitze umzugehen“, so Kappelt.

Waldbrandgefahrenstufe vier prognostiziert

Zu Beginn der Woche galt für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Waldbrandgefahrenstufe drei auf der Gefahrenskala von eins bis fünf. „Wir sprechen aktuell von einer mittleren Gefahr“, ordnet Kerstin Rödiger ein. Sie ist Sprecherin des Forstbezirks Neustadt, der für die Wälder in der Sächsischen Schweiz zuständig ist. Am Mittwoch werde mit hoher Wahrscheinlichkeit die Warnstufe vier ausgegeben. Zwar gibt es auch dann noch kein Verbot, den Wald zu betreten, aber Spaziergänger und Wanderer sollten angesichts der angespannten Situation besonders vorsichtig sein.

Familie Gössel im Wildpark Osterzgebirge. Eine Abkühlung tut gut.
Familie Gössel im Wildpark Osterzgebirge. Eine Abkühlung tut gut. © Egbert Kamprath

Der Sachsenforst bittet ausdrücklich darum, die Zufahrten für die Rettungsfahrzeuge nicht zuzuparken. Autos sollten nur auf festem Untergrund abgestellt werden. „Stehen sie auf einer Wiese, besteht Gefahr, dass durch die heiße Bodenplatte ein Feuer entfacht wird“, erläutert Kerstin Rödiger. In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass Müll niemals in den Wald gehört. „Wer jetzt eine Glasflasche wegwirft, riskiert wegen der Brennglaswirkung leichtfertig einen Waldbrand“, warnt sie. Generell gilt Rauch- und Feuerverbot im Wald. Nur an einigen zugelassenen Feuerstellen, wie zum Beispiel am Taubenteich bei Cunnersdorf, darf ein Lagerfeuer entfacht werden. „Bei Warnstufe vier ist allerdings auch das dann untersagt“, informiert Kerstin Rödiger.

Im vergangenen Jahr verhängten die Forstbehörden wegen der großen Trockenheit ein zeitweises nächtliches Betretungsverbot für die Wälder der Sächsischen Schweiz. Dies könne bei länger anhaltender Hitze auch in diesem Sommer wieder in Kraft treten. Für Wanderer empfehlen Sachsenforst und die Feuerwehren die mobile App „Waldbrandgefahr Sachsen“. Die App kann für die Betriebssysteme Android, iOS und Windows 10 Mobile in den App-Stores kostenlos heruntergeladen werden.

Wasserverbrauch steigt bei Hitze merklich an

Beim Wasserversorger Weißeritzgruppe spürt man die Hitze deutlich. „Der Wasserverbrauch ist etwa 15 Prozent höher“, sagt Steffen Lehnert, der für das Rohrnetz verantwortlich ist. Eine Person verbrauche im Schnitt 82 Liter Wasser am Tag, wobei es Unterschiede zwischen Stadt und Land gebe. Jetzt seien es im Schnitt 94 Liter. Unklar ist, wie die Lage in den Brunnendörfern ist. „Bei uns hat sich noch niemand gemeldet“, so Lehnert. 2018 gingen die ersten Meldungen über Versorgungsprobleme Mitte/Ende Juli ein. Allerdings sei 2018 ein trockeneres Jahr gewesen.

Landwirte schauen mit gemischten Gefühlen auf die Ernte

Noch macht die Hitze den Landwirten der Liebenauer Agrar GmbH wenig aus. „Wir stehen noch ganz gut da“, sagt Geschäftsführer Eberhard Petzold, dessen Firma je rund 1 000 Hektar Grün- und Ackerland in den Städten Glashütte und Altenberg bewirtschaftet. In den letzten Tagen habe es hier immer wieder geregnet, sagt er, sodass die Hitze noch keine Probleme bereite. „Der Mais und das Sommergetreide stehen gut da“, sagt er. „Nur das Wintergetreide muss noch seine Winterdepression auskurieren“, so Petzold. Denn der April war zu trocken. Insgesamt erwartet Eberhard Petzold in diesem Jahr eine durchschnittliche Ernte.

Brunnen wie auf dem Lauensteiner Markt Lauenstein wirken erfrischend.
Brunnen wie auf dem Lauensteiner Markt Lauenstein wirken erfrischend. © Egbert Kamprath

In Bannewitz und Umgebung warten die Landwirte dagegen auf Regen. „Das Niederschlagsdefizit von 2018 ist noch nicht aufgeholt“, sagt Ingolf Schulze, Geschäftsführer der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG, die 3 000 Hektar in Bannewitz, Kreischa und der Stadt Rabenau bewirtschaftet. Im Vergleich zu den Vorjahresmonaten habe es aber mehr geregnet. Die diesjährige Ernte wird deshalb besser als 2018 ausfallen. „Die geplante Summe werden wir aber nicht erreichen“, so Schulze.

Die Wetteraussichten: Es wird zunächst etwas kühler

Für heute, den 26. Juni, sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) Temperaturen bis zu 37 Grad voraus. In der Nacht zum Donnerstag kommt dann immerhin eine Kaltfront, die etwas Abkühlung bringt. „Wir erwarten am Donnerstag Tageshöchsttemperaturen um die 27 Grad“, sagt DWD-Mitarbeiter Jens Oehmichen in Leipzig. Am Sonntag kann es dann noch mal bei bis zu 35 Grad Höchsttemperatur richtig heiß werden. Tags darauf bestehe für die Region eine partielle Schauer- und Gewittergefahr. Erst im Laufe der kommenden Woche werden sich die Temperaturen vermutlich auf 25 Grad tagsüber einpendeln. (SZ/fh/ks/mb/rok/dis/ hui/ves/hey)

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