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Ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Vor der Landtagswahl liegt die AfD im Landkreis Meißen in der Prognose knapp vorn. Einer von der CDU hält richtig dagegen.

Die Kandidaten der CDU Geert Mackenroth, Matthias Rößler, Daniela Kuge und Sebastian Fischer (v.l.) müssen um ihren Einzug in den Sächsischen Landtag zittern.
Die Kandidaten der CDU Geert Mackenroth, Matthias Rößler, Daniela Kuge und Sebastian Fischer (v.l.) müssen um ihren Einzug in den Sächsischen Landtag zittern. © Jürgen Lösel

Landkreis Meißen. Die Kritik an seiner Person und die Spekulationen in den letzten Tagen haben ihm offenbar nicht geschadet, sondern sogar geholfen. Glaubt man der Webseite wahlkreisprognose.de, ist Landtagspräsident Matthias Rößler noch der einzige CDU-Direktkandidat im Landkreis Meißen, der sich gegen die AfD durchsetzen kann. Er führt in der Prognose vom 2. August seinen Wahlkreis 40 (Radebeul) vor dem AfD-Mann René Hein mit null bis drei Prozent Vorsprung an.

Valentin Blumert aus Berlin, Betreiber der Internetplattform wahlkreisprognose.de: „Der Besuch von Hans-Georg Maaßen bei Rößler in Radebeul hat viel Staub aufgewirbelt. Von diesem, aber auch internen Wirbel um seine Person profitiert er.“ 

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Blumert glaubt, dass Rößler sein Landtags-Direktmandat zur Wahl am 1. September verteidigen wird. Martin Dulig, Sachsens SPD-Vorsitzender, tritt ebenfalls in diesem Wahlkreis an und kommt laut Blumert auf etwa 20 Prozent der Stimmen. Das ist ein sehr ordentliches Ergebnis, mehr als doppelt so viel wie die SPD bei den Zweitstimmen in und um Radebeul wahrscheinlich erreichen wird (etwa acht Prozent).

© SZ Grafik Pit Konczak

Schwer umkämpft ist auch der Wahlkreis 37 (Riesa). Hier führt sehr knapp der AfD-Mann Carsten Hütter vor Geert Mackenroth, Ex-Justizminister und heute Ausländerbeauftragter des Freistaats. Beide liegen laut Blumert bei etwa 28 Prozent, vor der Linken Uta Knebel mit rund 17 Prozent. „Hier sind die Würfel noch nicht gefallen, sagt Blumert. „Das wird spannend.“

In den Wahlkreisen 38 (Großenhain) und 39 (Meißen) vermutlich eher. Valentin Blumert rechnet hier mit einem AfD-Sieg. Zwar liege Sebastian Fischer (CDU) in Großenhain nur knapp hinter Mario Beger von der AfD, aber die Stärke der AfD in dieser Region sei enorm (rund 36 Prozent zur Europa- und Bundestagswahl). Das werde am Ende den Ausschlag geben.

Im Meißner Gebiet steht der AfD-Kandidat Thomas Kirste bei etwa 29 Prozent, Daniela Kuge von der CDU liegt drei bis sechs Prozent dahinter. „Sie kann ihr Landtagsdirektmandat verlieren“, sagte Blumert. Möglicherweise ist ein Grund dafür auch die Person der bekannten Persönlichkeit Frank Richter, der für die SPD antritt und Kuge Stimmen wegnehmen könnte. Richter käme jetzt auf etwa 16 Prozent. Das liegt ebenfalls weit über dem normalen SPD-Zweitstimmenergebnis in Meißen.

Knapp vier Wochen vor der Wahl steht es im Landkreis Meißen 3:1 für die AfD. Eine realistische Chance auf den Ausgleich (2:2) hat die CDU aber noch, durch Geert Mackenroth in Riesa. Ein Sieg Sebastian Fischers in Großenhain hält Blumert auch noch für möglich.

Der Abstand von Daniela Kuge zur AfD ist inzwischen aber recht groß geworden. Frau Kuge hat eine Chance, noch über die Liste in den Landtag zu kommen. Allerdings könnte auch das knapp werden. Nach Berechnungen von Experten aus dem Landkreis Meißen zieht die Landesliste mit dem aktuellen Stand der Prognosen höchstens bis Platz sieben oder acht. Frau Kuge hat aber Platz zwölf und wäre nach diesem Szenario draußen.

Valentin Blumert, Betreiber von wahlkreisprognose.de:  Landtagspräsident Matthias Rößler hat von dem Wirbel um seine Person profitiert.
Valentin Blumert, Betreiber von wahlkreisprognose.de:  Landtagspräsident Matthias Rößler hat von dem Wirbel um seine Person profitiert. © SZ

Anders sieht das bei der SPD aus. Der Direktkandidat in Kuges Wahlkreis Frank Richter ist die Nummer sieben auf der Liste, Martin Dulig im Wahlkreis Radebeul sogar die Nummer eins. Bislang hat die SPD 18 Abgeordnete im Landtag.

In ganz Sachsen liegt die AfD bei den Direktstimmen in 26 Wahlkreisen vorn, die CDU in 24, die Grünen in sieben (Dresden und Leipzig) und die Linke in drei (Leipzig). In den letzten Tagen bemerkt Blumert wieder mehr Stärke bei der CDU, die an der AfD vorbeiziehen könnte.

Für den Webseiten-Betreiber, einen 24-jährigen Wirtschaftsinformatik-Studenten, ist der Wahlkampf ein willkommener Test für sein Prognosemodell. Er beobachtet länger die wachsende Stärke der AfD vor allem auf dem Land und das Bemühen der CDU, dagegen zu halten. Das ist vor allem im stärker christlich geprägten Westerzgebirge sowie in Westsachen so und – eine Insel im blauen Meer – im Görlitzer Wahlkreis 58 des Ministerpräsidenten.

Michael Kretschmer liegt zur Überraschung vieler politischer Beobachter deutlich sechs bis zwölf Prozent vor dem starken AfD-Kandidaten Sebastian Wippel, der zur Görlitzer OB-Wahl nur knapp verloren hatte. Blumert taxiert Kretschmers Stimmen am Dienstag sogar auf fast 40 Prozent.

Wie genau Blumerts Modell, das seit 2017 in Betrieb ist, arbeitet, wird sich nach dem 1. September zeigen. Ein Algorithmus durchsucht das Internet ständig nach Trends und Veränderungen, stützt sich dabei auf viele historische Daten. Zielgruppe sind vor allem die Parteien und die Kandidaten selbst. Die Erststimmenprognose für die Landtagswahl in Hessen 2018 beispielsweise sagte das Modell mit einer Treffsicherheit von 94,8 Prozent voraus.

Für Blumert ist eine der größten Überraschungen in Sachsen der FDP-Kandidat Holger Zastrow, der im Wahlkreis 54 (Bautzen 3) antritt. Dort steht er mit rund 20 Prozent auf Augenhöhe mit den AfD- und CDU-Kandidaten. Vermutlich helfen Zastrow seine Bemühungen, den Landgasthof Hofewiese am Dresdner Stadtrand wieder zum Laufen zu bringen.

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Wie grundlegend sich die Wähler-Welt verändert hat, zeigt ein Blick zurück. Früher trat im Zastrow-Wahlkreis Sachsens Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich an. Und schaffte mühelos etwa 57 Prozent für seine CDU. Valentin Blumert ist sich ganz sicher: „Diese Wahl wird erst in der letzten Woche entschieden.“

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