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Die Körbchen-Botschafterin

Anja Nixdorf-Munkwitz schreibt einen Blog über regionale Produzenten und Produkte. Und die Hirschfelderin hat noch jede Menge anderer Ideen.

Mit ihrem Blog "Ein Korb voll Glück" will Anja Nixdorf-Munkwitz Konsumenten für regionale Produzenten und Produkte begeistern.
Mit ihrem Blog "Ein Korb voll Glück" will Anja Nixdorf-Munkwitz Konsumenten für regionale Produzenten und Produkte begeistern. © Jan Lange

Wenn man Anja Nixdorf-Munkwitz zuhört, kann man leicht denken, dass sie die professionelle Marketing-Expertin der regionalen Direktvermarkter ist. Aber weit gefehlt: Die 39-Jährige ist nach wie vor Managerin der Hirschfelder Kraftwerksstiftung, ganz privat und ehrenamtlich wirbt sie in ihrer Freizeit für heimische Produkte und Produzenten - mit einem eigenen Internet-Blog. Sie informiert die Konsumenten darüber, wer in der Oberlausitz was herstellt, was es zu den einzelnen Jahreszeiten zu kaufen gibt und wo sie das Beste aus der Region bekommen. Jeden Tag veröffentlicht sie auf dem Blog und der gleichnamigen Facebook-Seite Beiträge. Und das nur über Dinge, die sie selbst gekauft, gekocht oder getestet hat. Sie will authentisch herüberkommen, meint Anja Nixdorf-Munkwitz.

Eine Bekannte hatte sie auf die Idee mit dem Blog gebracht, nachdem sie mehrere Beiträge von Anja Nixdorf-Munkwitz bei Facebook gelesen hatte. In dem sozialen Netzwerk berichtet die Hirschfelderin bereits seit gut vier Jahren darüber, welche heimischen Produkte sie kauft und was sie daraus kocht. Mit Kochbeiträgen würde sie vielleicht auch den Internet-Blog füllen können, meint die Hirschfelderin. Aber das sei nur eine Seite der Geschichte. Das wisse niemand, was dahinter steckt und wo die Produkte herkommen. Die Bio-Szene sei untereinander gut vernetzt, weiß Anja Nixdorf-Munkwitz aus eigener Erfahrung. Aber es gibt auch viele Konsumenten, die nichts damit anfangen können. Denen will sie aber zumindest die regionalen Produkte näherbringen. "Das Gute liegt oft so nah", findet die 39-Jährige. Die kleinen Direktvermarkter machen ihrer Meinung nach die Region einzigartig. Und das sollen nicht nur die Oberlausitzer selbst erfahren. Sie will auch Leuten, die die Oberlausitz nicht kennen, eine etwas andere Sicht auf die Region ermöglichen.

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"Bei uns in der Familie war Kochen nicht so das Thema", erzählt sie. Es habe genug zu Essen gegeben und damals noch kein Fastfood. Da sie vom Land stammt, habe sie auch eine instinkthafte Verbindung zu allem, was wächst, sagt sie. Erst ihr Mann, der sehr gerne kocht, und dem sie immer über die Schultern geschaut habe, weckte dann bei ihr die Leidenschaft, Gerichte zuzubereiten. "Wir haben lange in Görlitz gewohnt, wo ich zweimal in der Woche über den Markt schlendern konnte", erzählt die 39-Jährige. Als sie dann aufs Dorf, nach Rosenthal, zogen, gab es diese Möglichkeit nicht mehr. Sie fragte Nachbarn, ob die ihr beispielsweise Eier verkaufen würden. Ging aber auch zu den Gärtnern, von denen es in und um Zittau noch einige gibt, oder testete verschiedene Wochenmärkte. All diese Entdeckungen wollte sie irgendwann nicht mehr nur für sich behalten, sondern andere Konsumenten ebenso darüber informieren. Und so entstand zuerst die Facebook-Seite "Ein Korb voll Glück". Der Titel nimmt Bezug auf einen Einkaufskorb. Den alten von ihrer Urgroßmutter habe sie sich vor über zehn Jahren nachflechten lassen. Mit ihm gehe sie über den Markt einkaufen oder lege Dinge übers Jahr hinein, die sie glücklich machen. So entstand der Name. Gut 800 Abonnenten folgen ihr mittlerweile auf dieser Seite. Wie viele es bei ihrem Internet-Blog sind, darüber führt Anja Nixdorf-Munkwitz keine Statistik.

Der Internet-Blog und die Facebook-Seite sind aber nicht die einzigen Projekte. Mit den Volkshochschulen in Zittau und Görlitz plant die Hirschfelderin Kurse mit jeweils fünf Terminen. In Zittau will sie gemeinsam mit den Teilnehmern das regionale Angebot der Saison entdecken. Los geht es am 13. März. Anmeldungen sind ab sofort möglich. Gemeinsam kochen will Anja Nixdorf-Munkwitz mit den Görlitzer Genießern. Sie will mit den Teilnehmern aber auch Produzenten in der Umgebung besuchen und schauen, wo die einzelnen Zutaten herkommen. Der erste Kurs ist am 22. März geplant, anmelden kann man sich über die VHS Görlitz.

Die 39-Jährige sprüht förmlich vor Ideen. So hat sie das „Regionalregal“, eine Initiative des Landkreises, forciert. Die Herausforderung sei hier, meint Anja Nixdorf-Munkwitz, dass die Produkte nicht gekühlt werden können. Es müsse sich also um Waren handeln, die länger haltbar sind – wie zum Beispiel getrocknete Pasta, die in Zittau hergestellt werden, oder ein Tee, der in der Mandaustadt gewachsen ist. Angeboten werden sollen auch Knabberkerne aus Ölkürbissen. Schon dieses Jahr hat sie eine erste Zusammenstellung von Waren eingekauft. Nächstes Jahr soll es weitergehen. Die Produkte werden dann für Präsente oder zur Vorstellung für Gäste des Landkreises genutzt.

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Auch das Projekt Marktschwärmer hat sie im Blick. Es sei ein Versuch, Wochenmarkt und Online-Handel zusammenzubringen. Dabei soll eine Plattform aufgebaut werden, wo Direktvermarkter ihre Waren anbieten. Diese können die Konsumenten dann online vorbestellen und zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem Ort abholen. Sie will damit Konsumenten ansprechen, die wegen ihrer Berufstätigkeit keine Chance haben, auf dem Wochenmarkt einzukaufen. Dieser Markt könnte beispielsweise am Freitagabend stattfinden, meint Anja Nixdorf-Munkwitz. Ob das Ganze in Zittau oder Görlitz realisiert wird, sei noch unsicher. „In Zittau haben wir die beste Möglichkeit zur Umsetzung, in Görlitz mehr Kunden“, sagt die 39-Jährige. Erst einmal müsse aber ein vernünftiges Konzept erarbeitet werden, betont sie. Die Marktschwärmerei müsse von Anfang an passen, könne sich nicht erst langsam aufbauen, findet sie. Denn sie soll für die Kunden ein Ersatz für den Supermarkt sein.

Inzwischen ist auch der Landkreis auf das Engagement von Anja Nixdorf-Munkwitz für regionale Produkte aufmerksam geworden und hat sie zur "Botschafterin" für dieses Thema gemacht.

Zuerst hat Anja Nixdorf-Munkwitz nur bei Facebook geschrieben, inzwischen gibt es auch einen Internet-Blog mit dem Namen "Ein Korb voll Glück".
Zuerst hat Anja Nixdorf-Munkwitz nur bei Facebook geschrieben, inzwischen gibt es auch einen Internet-Blog mit dem Namen "Ein Korb voll Glück". © privat