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Ein kreativer Baumeister

Die Kirchgemeinde Schmeckwitz ehrt mit einer Gedenktafel den vielseitigen Architekten Woldemar Kandler.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Die Schmeckwitzer Kirche wirkt im Innern praktisch und schlicht. Altar und Kirchenbänke sind nah beieinander. Die Kanzel steht fast auf Augenhöhe mit den Gottesdienstbesuchern. „Die Kirche ist architektonisch so konzipiert, dass Menschen hier Gemeinschaft erleben können“, sagt Karin Großmann, seit einem Jahr Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinden Elstra-Prietitz und Schmeckwitz und Jugendpfarrerin des Kirchenbezirks Bautzen-Kamenz. An den Architekten der Schmeckwitzer Kirche, den Dresdner Kirchbaumeister Woldemar Kandler (1866-1929), soll jetzt eine Gedenktafel im Eingangsbereich erinnern.

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Praktisch und schlicht wirkt die Schmeckwitzer Kirche im Innern. Altar und Kirchenbänke sind nah beieinander. Die Kanzel steht fast auf Augenhöhe mit den Gottesdienstbesuchern.
Praktisch und schlicht wirkt die Schmeckwitzer Kirche im Innern. Altar und Kirchenbänke sind nah beieinander. Die Kanzel steht fast auf Augenhöhe mit den Gottesdienstbesuchern. © Andreas Kirschke

Dessen Wirken war ausgesprochen kreativ. „Allein zwischen 1896 bis 1908 baute er 23 Kirchen. Hinzu kamen Friedhofskapellen, Pfarrhäuser und Profanbauten“, sagt die Pfarrerin. Außerdem befasste sich Kandler mit dem Umbau und mit der Erweiterung alter Herrensitze. Besondere Sorgfalt aber widmete er beim Bau der Kirchen den Türmen. „Er versuchte stets, die Kirchen ins Landschaftsbild einzupassen. So war das auch bei unserer Kirche“, sagt Eberhard Zobel, seit 1984 aktiv im Kirchenvorstand in Schmeckwitz. Sein erster Entwurf lag hier 1899 vor. Mit 45 000 Reichs-mark plante Woldemar Kandler. Ein zweiter Entwurf sah dann 23 000 Reichsmark Kosten vor, zusammen mit Turm 25 000 Reichsmark. Zur damaligen Zeit liefen die evangelischen Christen von Schmeckwitz bis nach Uhyst am Taucher, nach Prietitz, Kamenz oder Neschwitz zu Fuß zum Gottesdienst. „Für die Kurgäste im Ort gab es Gottesdienste in den Sommermonaten im Bad Marienborn“, sagt Eberhard Zobel. „Mehr und mehr entstand der Wunsch nach einer eigenen Kirche im Dorf.“

Grundsteinlegung im Jahr 1900

Am 22. Januar 1899 gründete sich ein Ausschuss zum Bau der Schmeckwitzer Kirche. Bergwerks-Besitzer Karl-Wilhelm Jakob stellte ein geeignetes Grundstück zur Verfügung. „Zunächst gab es Probleme mit dem Baugrund wegen des Altbergbaus. Er musste verfüllt und verdichtet werden“, so Eberhard Zobel. Grundsteinlegung war am 2. September 1900, und bereits zu Heiligabend folgte das Richtfest. „Es wurde sehr zügig gearbeitet. Woldemar Kandler trieb die Arbeiten voran“, schildert Eberhard Zobel. Schin zu Pfingsten 1901 folgte die Weihe der fertigen Kirche. Erster Pfarrer vor Ort war Otto Felix Großer bis 1905. Johanna Carolina von Carlowitz spendete eine Glocke. 1912 kam die Genehmigung zum Bau eines Pfarrhauses unterhalb der Kirche, und schon 1913 war Einzug.

Woldemar Kandlers Bauten, so schrieb Kunsthistoriker und Buchautor Dr. Matthias Donath 2012, lassen eine behutsame Abkehr vom Baustil des Historismus erkennen. Um die Kirchen in das Landschaftsbild einzugliedern, nahm er traditionelle Bauformen auf, die er frei verarbeitete, vermischte und mit Elementen des Jugendstils kombinierte. Woldemar Kandler, so der Historiker, stammte aus einer sehr armen Familie. Er erhielt seine Ausbildung an der Dresdner Bauschule und der Dresdner Kunstakademie bei Constantin Lipsius. Erste Erfahrungen sammelte Woldemar Kandler 1888/1889 als Bauleiter bei der Errichtung der Andreas-Kirche in Chemnitz-Gablenz. Später gründete er sein eigenes Architektur-Büro in Dresden. „Bis zum Ersten Weltkrieg war Kandler einer der beliebtesten Kirchenbaumeister in Sachsen. Er gehörte neben Theodor Quentin, Julius Zeißig und der Architektenfirma Schilling & Graebner zu den von der evangelischen Landeskirche empfohlenen Sachverständi-gen, denen man Kirchenbauten auch ohne Wettbewerb anvertraute“, so Donath.

Aktuell gibt es eine Wanderausstellung über Woldemar Kandler. „Die Ausstellung ist so gefragt, dass wir noch eine Weile warten müssen, bis sie auch in Schmeckwitz gezeigt werden kann“, sagt Pfarrerin Karin Großmann. Mit einer der Gedenktafel für Woldemar Kandler, die von der Kirchgemeinde Deutscheinsiedel für die Kandler-Kirchen erstellt wurde, würdigt die Kirchgemeinde sein Lebenswerk. Die Einweihung der Gedenktafel findet am 15. Oktober, 10 Uhr, im Rahmen des feierlichen Gottesdienstes in Schmeckwitz statt. Geschichts- und Architekturinteressierte sind herzlich willkommen. Eingeladen sind auch Angehörige der Familie des Architekten Woldemar Kandler selbst.