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Ein Laden für alle Felle

Der neue Hundefriseur in Radebeul Ost hat viel tierischen Zulauf und schert und trimmt gegen ein Vorurteil an: Es geht um viel mehr, als pinke Schleifchen im Fell.

Karin Vetter (l.) kommt mit ihrem Hund Loui regelmäßig in den Fellsalon. Dort wird der Vierbeiner von Hundefrisörin Jasmin Albrecht schick gemacht. Es geht aber nicht nur ums Aussehen, sondern vor allem um die Pflege des Fells.
Karin Vetter (l.) kommt mit ihrem Hund Loui regelmäßig in den Fellsalon. Dort wird der Vierbeiner von Hundefrisörin Jasmin Albrecht schick gemacht. Es geht aber nicht nur ums Aussehen, sondern vor allem um die Pflege des Fells. © Arvid Müller

Von Beate Erler

Wenn die Kunden von Kristin Wohmann und Jasmin Albrecht zum Friseur gehen, dann kommen sie auf vier Pfoten und werden an der Leine ins Studio geführt. Anstatt auf dem Friseurstuhl vor einem großen Spiegel Platz zu nehmen, werden sie auf den Trimmtisch gehoben. Das Beratungsgespräch beim Cappuccino entfällt, aber dafür bekommen sie ein Leckerli gereicht, damit sie sich wohl fühlen und Vertrauen aufbauen.

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Auf den ersten Blick sieht das „Studio für alle Felle“ auf der Meißner Straße in Radebeul-Ost wie ein ganz normaler Friseursalon aus: ein Empfangsbereich, eine gemütliche Sitzecke und ein Rolltisch mit verschiedensten Bürsten und Fön. Doch da liegen auch Hundekörbchen auf dem Boden, ein großer Trimmtisch und eine Hundedusche stehen in der Ecke.

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es den Hundefriseursalon in Radebeul. Am ersten Mai 2019 war Eröffnung: „Wir waren schon drei Wochen vorher ausgebucht“, erinnert sich die Geschäftsführerin, Kristin Wohmann. In Radebeul gäbe es viele Hunde, aber die kommen auch extra aus Dresden, Pirna und Wilsdruff, um hier frisch frisiert zu werden.

Der nächste Kunde ist Loui, ein fünfjähriger Cockapoo, mit dickem schwarzem Fell. Er ist seit der Eröffnung regelmäßig aller sechs Wochen hier und sozusagen Stammkunde. „Er gehört zu den Hunden, die sich ruhig verhalten und entspannt sind“, sagt Kristin Wohmann. Zur Begrüßung gibt es erst einmal ein Leckerli von der Chefin und dann geht es zur Hundefriseurin Jasmin. Obwohl auch in Deutschland immer öfter die Bezeichnung Groomer aus dem Englischen verwendet wird, was so viel wie pflegen bedeutet.

Das sei nämlich ein hartnäckiges Vorurteil, sagen die beiden Frauen. Die meisten Hundebesitzer glauben, dass es beim Hundefriseur nur um das Aussehen des Tieres geht: „Es hat aber vor allem gesundheitliche Gründe“, sagt Jasmin Albrecht. Dabei geht es an erster Stelle um die Fellpflege, das Entfernen der Unterwolle und von abgestorbenem Fell, aber auch um Flöhe und Zecken. „Bei einigen Rassen wachsen auch die Augen ganz schnell zu und dann sehen sie nichts mehr“, sagt Kristin Wohmann. Dann muss, wie beim Menschen, das Pony geschnitten werden.

Und schon wird Loui von seinem Frauchen Karin Vetter auf den Trimmtisch gehoben. „Da ist ja schon wieder viel nachgewachsen“, sagt Jasmin Albrecht und wuschelt dem Hund durchs dichte Fell. Besonders im Sommer ist es für die Hunde viel angenehmer, wenn es kürzer ist. Zur Sicherheit wird noch die Leine angelegt: „So mein Schatz, jetzt geht´s los“, beruhigt sie das Tier.

Früher hat Jasmin Albrecht Menschen frisiert, bevor sie zur Hundefriseurin umschulte: „Einmal kam eine Kundin mit ihrem Hund vorbei und so bin ich auf die Idee gekommen, dass ich viel lieber mit Vierbei-nern arbeiten will“, erzählt sie. Durch ihre Vorkenntnisse als Friseurin war die fünfwöchige Grundausbildung kein Problem: „Wir haben alles über Fellarten, das Schneiden und das Scheren gelernt“, sagt Jasmin Albrecht. Danach machte sie noch ein zwölfwöchiges Praktikum mit Modellhunden.

Seitdem will sie nur noch Hundefriseurin sein, sagt sie: „Es ist einfach so süß, wenn mich die Hunde mit ihren lieben Augen anschauen und sie zeigen so viel Dankbarkeit, wenn sie es geschafft haben.“ Bei Loui ist es noch nicht ganz so weit: Zuerst wird der Köper mit einem Rasierer geschert, dann kommen die Beine und Pfoten dran und zum Schluss das Gesicht. Derzeit gibt es in Deutschland noch keine rechtlich geregelte Ausbildung zum Hundefriseur. Die Hauptaufgaben sind die fachgerechte Fell- und Hautpflege sowie das Herstellen der rassetypischen Erscheinungsmerkmale durch das Trimmen.

Loui ist fast fertig und kann sich sehen lassen: „Wir gehen heute noch auf eine Geburtstagsfeier“, sagt Karin Vetter. Aber Loui wird sicher nur faul in der Ecke liegen, denn auch wenn er entspannt war, bedeutet so ein Friseurbesuch Stress. Dann klingelt im Salon das Telefon: „Lumpi sieht nichts mehr“, teilt Kristin Wohmann ihrer Kollegin mit. Der nächste vierbeinige Kunde, der zum Ponyschneiden kommt, steht schon im Terminbuch.

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