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Ein Leben für die Musik

Thomas Barth stammt aus Görlitz, lebt in Hamburg und hatte dort mit großen Stars zu tun. Morgen spielt er in Görlitz.

Von Ingo Kramer

Knapp 13 Jahre ist es her, dass der Name Thomas Barth zuletzt in der Sächsischen Zeitung auftauchte. Damals legte er als DJ im „Tonwerk“ an der Rauschwalder Straße auf. Einen Namen aber hatte er zu jener Zeit vor allem als Frontmann der Band Cyberspace Junkies, als Lehrer an der Musikschule Barth sowie als Verkäufer im Musikhaus Barth in der Augustastraße. Der Laden gehörte seinem Onkel – und auch sein Vater war dort beschäftigt.

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Als der Wettbewerb in der Branche härter wurde und auch das Musikhaus Barth vor etwa zehn Jahren schließen musste, ging Thomas Barth zunächst nach Leipzig und schon kurze Zeit später nach Hamburg. Dort lebt er bis heute. Eines aber ist noch genau wie früher in Görlitz: Sein Leben dreht sich ganz um die Musik. Die ersten zwei Jahre war er in einer Musikalienhandlung angestellt, doch schon bald fühlte er sich in seinen Ideen und Visionen ausgebremst. Der logische Schritt: Thomas Barth machte sich selbstständig.

Bereut hat er es nie – gleich recht nicht im Jahr 2013. Gerade eben hat der mittlerweile 36-Jährige sein neues Tonstudio fertiggestellt. Die „Mondbasis Hamburg“ ist nunmehr auf über 200 Quadratmetern ansässig. „Es läuft richtig gut, ich habe einen Angestellten und mehrere freie Mitarbeiter“, sagt Thomas Barth. Wie die meisten Musiker fährt er mehrgleisig, macht im Studio neben reinen Musikproduktionen auch Tonaufnahmen für Filme und Videos – und ist außerhalb seines Studios auch als Veranstaltungstechniker tätig, hat ein eigenes Plattenlabel gegründet – und macht mit der Formation „Notion Sound Collective“ nach wie vor selbst Musik.

In seinem Studio nehmen vor allem Musiker aus der Hamburger Region ihre Platten auf. Ganz große Namen sind bisher Fehlanzeige. Mit denen hatte der gebürtige Görlitzer stattdessen an anderer Stelle zu tun: „Ich habe auch mal freiberuflich im Musikhaus No.1 Guitar Center gearbeitet.“ Das ist ein Ort, an dem die ganz großen Musiker dieser Welt vorbeischauen, wenn sie gerade in Hamburg sind – zum Kaufen, manchmal aber auch nur, um sich umzuschauen. „Einmal standen mir im Laden plötzlich Mick Jagger und Charlie Watts von den Rolling Stones gegenüber“, erinnert sich Thomas Barth.

Eine weitere prägende Zeit hatte er mit der SchoolTour. Das sind ein paar Musik- und Filmproduzenten, die für jeweils eine Projektwoche an eine Schule gehen. Binnen fünf Tagen lernen die Schüler alles über die Entstehung eines eigenen Songs – und führen ihn schließlich am fünften Tag selbst auf. Damit war er auch in den USA unterwegs – unter anderem zusammen mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel. „Amerikaweit haben die Zeitungen darüber berichtet“, erzählt Thomas Barth. Finanziert wurde das Ganze damals über das Goethe-Institut. Einmal war Thomas Barth mit der SchoolTour aber auch an der Mittelschule Königshufen zu Gast, die Abschlussveranstaltung war im Theater.

Ansonsten aber macht er sich in Görlitz rar und war jahrelang gar nicht hier. In jüngster Zeit kommt er aber wieder einmal pro Jahr, um Familie und Freunde zu sehen. Seine Mutter ist die Betreiberin des Weihnachtshauses in der Fleischerstraße. Morgen kommt Thomas Barth erstmals mit seiner Band „Notion Sound Collective“ nach Görlitz – und spielt ein Konzert im Apollo. „Dort bin ich vor 14 Jahren mit den Cyberspace Junkies aufgetreten“, sagt er. In seiner neuen Formation singt er und spielt abwechselnd Gitarre und Keyboard. Die Fünferbesetzung mit zwei weiteren Sängern, Gitarre, Samples, Videosequenzen, Bass und Schlagzeug lässt sich keiner Stilrichtung zuordnen. Die Einflüsse reichen von Björk über Eminem, Metallica, Miles Davis, Muse, Moby, Iron Maiden und Depeche Mode bis hin zu Helmet und Tool. „Wir machen Musik so, wie wir Lust haben“, sagt Thomas Barth. Das Ergebnis ist ein wilder Haufen Songs, die klingen, als sei jeder von einer anderen Band. „Trotzdem haben wir irgendwann gemerkt, dass die auch alle zusammen auf eine Platte passen“, sagt der Frontmann. Gesagt, getan: „Until you like the blue“ ist im Mai erschienen und Anfang Juni mit einem großen Konzert in Hamburg vorgestellt worden.

Seither gab es keinen weiteren Auftritt: „Wir sind alle so eingebunden, dass wir gar keine Zeit haben, uns um viele Auftritte zu kümmern.“ Zumal „Notion Sound Collective“ den Anspruch haben, kein Konzert wie das andere zu gestalten. Auftritt, Deko und Liedauswahl sind immer auf den Ort zugeschnitten. Im Apollo zum Beispiel soll es ein Sitzkonzert sein, 90 Minuten lang – und mit einer Überraschung. Anschließend bleibt Thomas Barth noch bis Sonntag in seiner alten Heimat, um ein paar Leute wiederzusehen und zu schauen, wo das musikalische Leben der Stadt heute pulsiert.

Konzert, morgen, 19.30 Uhr, Apollo, Hospitalstraße 2