merken
PLUS

Ein Leben lang Spaß bei der Feuerwehr

Gerhard Zimmer aus dem Rothenburger Ortsteil Noes engagiert sich seit 60 Jahren. Und ist jetzt ausgezeichnet worden.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Weihnachten kommt schneller als gedacht

Machen Sie Weihnachten zu etwas ganz Besonderem. Geschenketipps, Rezepte und Bastelideen finden Sie in der Weihnachtswelt von sächsische.de.

Rothenburg. Wenn Gerhard Zimmer in seinem Haus am Küchentisch sitzt und vor sich alte Fotos, Mitgliedsausweise und Auszeichnungen ausbreitet, dann kommen bei ihm Erinnerungen auf. Erinnerungen an ein Leben bei der freiwilligen Feuerwehr. Erst vor ein paar Tagen wurde der inzwischen 78-Jährige für sein langjähriges Wirken geehrt. Bei der Jahreshauptversammlung bekam er im Auftrag des sächsischen Landesfeuerwehrverbandes das „Ehrenkreuz für 60 Jahre treue Dienste“ überreicht. Stadtwehrleiter Torsten Juckel: „Unser Gerhard ist einer der verdienstvollsten Kameraden und war lange Jahre Chef der Feuerwehr in Noes. Er hat die Hilfeleistungen, die unsere Arbeit ausmachen, von der Pike auf gelernt und war immer da, wenn er gebraucht wurde.“

Zimmer stammt aus Schlesien und musste nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit seinen Eltern die alte Heimat verlassen. Nach einem Umweg über Dresden verschlug es ihn nach Bremenhain, wo er 1958 die Reihen der Feuerwehr verstärkte. „Ich wollte schon immer anderen Menschen helfen. Und mir hat gefallen, was die Kameraden damals leisteten“, erinnert er sich. Männer im besten Alter gab es allerdings kaum, viele hatten in den Kämpfen des zerstörerischen Krieges ihr Leben gelassen. Den Dienst versahen die Älteren zusammen mit den Jungen. „Es war ein wunderbares Miteinander, ich konnte viel von den Alteingesessenen lernen.“ Als er 1967 seine Frau Gerlinde heiratete, zog er zu ihr nach Noes. Und die dortige Feuerwehr durfte sich über einen tatkräftigen jungen Mann freuen, der sich nicht zu schade war, auch schwierige Einsätze zu absolvieren. Deshalb verwunderte es kaum, dass er 1973 die Wehrleitung übernahm. „Natürlich war das ein neuer Abschnitt für mich. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich es irgendwann bereut hätte. Im Gegenteil: Die Arbeit in der Feuerwehr hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.“

Das bestätigt auch Thomas Wolf, der 2004 die Nachfolge von Gerhard Zimmer angetreten hat. „Im Dezember 1974 gab es ein Hochwasser in Rothenburg, bei dem auch die Noeser Kameraden geholfen haben. Natürlich auch bei der Bekämpfung der Wassermassen, die im Juli 1981 die Stadt und weite Gebiete an der Neiße überfluteten. Die Noeser Wehr war bei dem Geschehen mittendrin.“

Wenn Wolf in den Unterlagen vergangener Jahre blättert, findet er noch viele weitere Einsätze, die unter der Leitung von Gerhard Zimmer zu einem glimpflichen Ende führten. Zum Beispiel verschiedene Wohnungsbrände im Laufe der Zeit. Oder 1973, als eine Scheune der früheren LPG auf dem Gelände des ehemaligen Gutshofes Feuer fing. 1981 rückten die Kameraden aus dem kleinen Ort zu einem durch Blitzschlag verursachten Brand in Dunkelhäuser aus. „Gerhard Zimmer und seine Leute hatten damals ordentlich zu tun – und haben das wirklich sehr gut gemacht“, lobt Thomas Wolf.

Gern erinnert sich Zimmer, der heute zur Alters- und Ehrenabteilung der Rothenburger Feuerwehr gehört und dort auch regelmäßig Veranstaltungen besucht, an die Fahrzeugtechnik seiner aktiven Zeit. „Wir hatten einen Magirus, der uns in all den Jahren nie enttäuschte.“ Und der – genau wie er – jetzt sein Altenteil genießt. Bei manchen Gelegenheiten wie dem Sommerfest, zu Hochzeiten oder Schuleinführungen, wird das historische Auto nicht mehr zum Löschen, sondern als Hingucker zum Einsatz gebracht. Die Rothenburger Feuerwehr, zu der die Kameraden aus Noes seit 2008 gehören, verfügt heute über neuere Technik. Momentan nutzt man ein 1992 angeschafftes Löschfahrzeug, das noch 2018 durch ein Nachfolgemodell ersetzt werden soll.

Dies alles verfolgt Gerhard Zimmer jetzt aus der Ferne. Er sei froh, dass man die Feuerwehr in der heutigen Zeit so gut ausstatte, damit seine Nachfolger irgendwann auch mit solchen Auszeichnungen geehrt werden könnten. Dabei schaut er noch einmal vor sich auf den Tisch, wo er in Dokumenten unterschiedlichster Art sein Leben als Feuerwehrmann ausgebreitet hat.