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Ein Leben zwischen Pflanzen

Die Gärtnerei Dröse in Frankenthal baut nicht nur Blumen, sondern vor allem Gemüse an. Noch braucht es aber Zeit.

Gärtnermeisterin Ute Ptak hat den grünen Daumen: In den Gewächshäusern ihres Frankenthaler Familienbetriebes grünt und blüht es derzeit in den schönsten Farben. Und auch Kräuter – hier junge Petersilie – und Gemüsepflanzen gedeihen prächtig.
Gärtnermeisterin Ute Ptak hat den grünen Daumen: In den Gewächshäusern ihres Frankenthaler Familienbetriebes grünt und blüht es derzeit in den schönsten Farben. Und auch Kräuter – hier junge Petersilie – und Gemüsepflanzen gedeihen prächtig. © Steffen Unger

Frankenthal. Ute Ptak ist um ihren Arbeitsplatz zu beneiden. Während draußen der Frühling noch immer nicht so recht Einzug halten will, steht die 57-jährige Gärtnereibetreiberin inmitten bunt blühender Blumen. Bei ihr ist das Frühjahr längst da. Zumindest in ihrem Gewächshaus-Refugium in Frankenthal. Streng genommen weilt die 57-jährige beherzte Gärtnermeisterin sogar schon im Sommer. Denn bei ihr gedeihen bereits kleine Tomaten- und Gurkenpflänzchen genauso wie beispielsweise Beet- und Balkonpflanzen.

Natürlich mache der Anbau viel Arbeit, verrät die taffe Frankenthalerin. Sie kauft nicht etwa fertige Jungpflanzen, sie sät selbst aus und zieht das Gemüse groß. Ein Gewächshaus ist beispielsweise nur für Gurken reserviert. Momentan stehen dort aber noch etliche Kübel mit großen exotischen Palmen drin. Doch schon in ein paar Wochen werden kräftige Gurkenpflanzen reihenweise am Spalier hochranken. Doch noch ist es nicht soweit. Die Pflänzchen sind gerade einmal daumengroß.

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Nicht alle Tomaten- und Gurken-Winzlinge bleiben in ihrem Betrieb. Ein Teil ist auch für Hobby-Gärtner bestimmt. Verkauft werden die Gemüsejungpflanzen, Kräuter und Setzlinge in ihrem Geschäft aber beispielsweise auch in der Obstscheune Großharthau. Ute Ptaks Ware ist gefragt. Kein Wunder. Die Kunden wissen, wo sie herkommt. „Unsere Gurken und Tomaten werden an der Pflanze reif und nicht während des Transports.“ Die Leute kaufen gern, was in der Region gewachsen ist. Wegen des Geschmacks. Wegen der Frische. Und auch der Umwelt zuliebe. Denn weite Transportwege kosten nicht nur eine Menge Geschmack, sondern letztlich auch unheimlich viel Energie. Lange bevor man vom ökologischen Fußabdruck sprach, vermarktete die Frankenthaler Gärtnerei bereits direkt an den Endkunden. „Mein Großvater hat mit Gemüse angefangen“, erzählt die Unternehmerin, die ihre frischen Produkte auch an die Gastronomie liefert. Allerdings gebe es auch noch immer Kunden, die leider mehr auf den Preis, als auf die Qualität achten.

Gute Ware ist Ute Ptak wichtig. Trotzdem gelinge nicht alles. Gerade hatte sie Pech mit einer Charge Salat. Das sei halt Natur, weiß die Unternehmerin. Trotzdem ärgert sie das ungemein. In zig Pflanzschalen wachsen in ihren Gewächshäusern derzeit verschiedenste Jungpflanzen heran. Nicht unter Glas, sondern vorwiegend unter Kunststoff. Die Folie-Zelte habe man schon vor einigen Jahren abgerissen, erzählt Ute Ptak. Und die gläsernen Häuser wurden inzwischen fast alle mit Kunstglas versehen. Lange Zeit galt Glas ja als das ideale Material zur Gewächshaus-Bedachung. Doch viele Kollegen seien, so wie sie auch, inzwischen auf Kunststoff umgestiegen. Zum einen, weil die klimatischen Bedingungen dadurch besser sind. Zum anderen weil Glas eben auch recht zerbrechlich ist. Kunstglas halte Schneemassen oder Stürmen viel besser stand. Und stürmisch ist es in letzter Zeit ja leider sehr häufig.

Viele zufriedene Kunden

Seit 1946 befindet sich die Frankenthaler Gärtnerei in Familienhand. Die Anfangszeiten waren schon recht hart“, weiß die 57-jährige, die nahezu als Einzelkämpferin den Betrieb am Laufen hält. Mama Barbara Dröse unterstütze jedoch noch immer, nach Kräften. Halte bei Bedarf auch mal die Stellung. „Sonst könnte ich ja nicht mal meine Ware nach Großharthau fahren.“ Es war Ute Ptaks Opa, der vor über 70 Jahren den Grundstock für den Familienbetrieb legte. Auf Bodenreformland. Seinerzeit gab es auf dem Gelände ringsum noch nichts. „Das war die Zufahrtsstraße zum Rittergut. Die Häuser hier sind alle erst nach der Bodenreform gebaut worden.“ An Gewächshäuser war zur damaligen Zeit nicht zu denken. An ein Wohnhaus auch nicht. Als Flüchtlinge seien die Großeltern bei Leuten im Dorf untergekommen. Der Opa habe sein Gemüse anfangs im Freiland angebaut. Nun gärtnert seine Enkelin. Und das mit Leidenschaft. Ins Geschäft gezwungen habe sie niemand. „Ich bin in der Gärtnerei aufgewachsen. Das hat mich geprägt.“ Als Meisterin könnte Ute Ptak auch ausbilden. „Aber wer will das noch“, gibt sie zu bedenken. Pflanzen zu hegen und pflegen , erfordere viel Arbeit und Zeit. Die Frage, wie viele Stunden sie täglich im Gewächshaus verbringt, lässt sie schmunzeln. „Mitunter zwölf Stunden.“ Im Sommer gieße und lüfte sie beispielsweise schon gegen fünf Uhr. „Bevor die große Hitze da ist.“

Eine vierte Generation wird es in der Gärtnerei aber wahrscheinlich nicht geben. Ihr Sohn entschied sich für einen branchenfremden Beruf. „Verdenken kann ich es ihm nicht.“ Da bekomme er jede Stunde Arbeit auch bezahlt. Sie als Selbstständige beute sich quasi selbst aus. Doch damit kommt sie ganz gut klar. Zufriedene Kunden sind ihr Kraftquell. Und Fred. Seit ein paar Jahren ist der Vierbeiner auf ihrem Hof zu Hause. Die Gärtnerei-Chefin, die nie ein Haustier wollte, brachte den Straßenhund aus der Slowakei mit. Inzwischen gehört er als treuer Begleiter fast schon zum Inventar des Familienbetriebes.

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