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Zittau

Ein letztes Wiedersehen

Seit 1999 treffen sich Erhard Siegsmund und seine ehemaligen Mitschüler aus Zittau. Zum 70-jährigen Schulabschluss sind sie noch mal zusammengekommen.

Männerrunde mit Hund: Erhard Siegsmund, Gottfried Kutschke, Kurt Wagner, Dieter Neubert, Manfred Brussig und Reinhard Bischoff (v.l.n.r.) haben sich 70 Jahre nach dem Schulabschluss in Jonsdorf wieder getroffen. Hund Bruno durfte da nicht fehlen.
Männerrunde mit Hund: Erhard Siegsmund, Gottfried Kutschke, Kurt Wagner, Dieter Neubert, Manfred Brussig und Reinhard Bischoff (v.l.n.r.) haben sich 70 Jahre nach dem Schulabschluss in Jonsdorf wieder getroffen. Hund Bruno durfte da nicht fehlen. © Matthias Weber

Es liegt Abschiedsstimmung in der Luft. Zum letzten Mal treffen sich die alten Herren, die in den 1940er Jahren gemeinsam die Schulbank drückten. 70 Jahre ist es her, dass sie die Lessingschule in Zittau verlassen haben. Anlässlich des Jubiläums sind sie noch mal in Jonsdorf zusammengekommen. Dass es künftig keine Klassentreffen mehr geben wird, begründet Erhard Siegsmund mit dem eigenen Alter. Die früheren Mitschüler sind heute alle 84 Jahre alt, mancher wird bald 85 - so wie Erhard Siegsmund. "Ein solches Treffen will organisiert sein", sagt der Berliner, der seit 1956 in der Hauptstadt zu Hause ist. Das werde ihm zu viel, fügt er hinzu.

Für das letzte Treffen hat er aber noch mal einiges geplant. So soll ein letztes Mal Zittau, ihre alte Heimatstadt, erkundet werden. Auch eine Fahrt nach Krompach ist vorgesehen, wie Siegsmund erklärt. Doch erst mal gibt es ein "Kaffeekränzchen". Selbst wenn sie sich in den vergangenen Jahren regelmäßig getroffen haben, gibt es eine Menge zu erzählen. Die alten Herren schwelgen dabei auch in Erinnerungen. Im September 1941, mitten im Krieg, sind sie eingeschult worden. Mehr als 30 Schüler zählte ihre Klasse - alles Jungen. Derartige Klassenstärken in einer Grundschule sind heute undenkbar.

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Acht gemeinsame Schuljahre lagen vor ihnen, in denen neue Schüler dazukamen, andere verschwanden. Die Jungen wurden von Altlehrern unterrichtet, die aus dem Ruhestand zurückgeholt wurden, weil die jüngeren Lehrer im "Feld standen". "Die Alten hatten es in sich", erinnern sich die früheren Klassenkameraden. Rohrstock und Ohrfeigen gehörten zur täglichen Kost. Da die Lessingschule in den letzten Kriegsmonaten zum Lazarett umfunktioniert wurde, mussten sie auf andere Schulen ausweichen. So gingen sie im Winter 1944/45 vorübergehend in die Schliebenschule. Nach dem Krieg sei das Leben weitergegangen und die Schule konnte nach der achten Klasse im Juli 1949 beendet werden. Viele dachten damals: Man sieht sich.

Das habe einige Zeit funktioniert, dann aber brachen Jahrzehnte der Kontaktlosigkeit an. Die Jungen verschlug es in alle Ecken Deutschlands, manche gingen wie Erhard Siegsmund nach Berlin, andere zog es gleich in den Westen. So Gottfried Kutschke, der 1954 über die Friedrichstraße nach West-Berlin ging und später in die Bundesrepublik wechselte. Dort hatte er sich als Angestellter "hochgearbeitet", um schließlich eine eigene Firma zu leiten. Das tat er noch bis 2007, als er schon über 70 Jahre war. 

Damals lagen die ersten Klassentreffen bereits hinter ihnen. 1999 war es zum ersten Wiedersehen nach 50 Jahren gekommen. Gottfried Kutschke nennt es das "Wunder des Mai 1999". Er, der Wessi, und Ossi Achim Jentzsch hatten über Monate die Adressen der früheren Klassenkameraden ausfindig gemacht. Immerhin 15 alte Knaben trafen sich in jenem Mai in Zittau. Ein Teil der damaligen Schüler war schon nicht mehr am Leben, von einigen konnte der Verbleib nicht geklärt werden. "Wir haben von Anfang an unsere Frauen mit dabei gehabt. Das hat sich als Volltreffer erwiesen", sagt Erhard Siegsmund. 

Nach dem ersten Treffen kamen sie zuerst alle zwei Jahre zusammen, ab 2007 jedes Jahr. "Wir haben im Umkreis von zwei Stunden alles abgeklappert", erzählt Erhard Siegsmund. Denn schließlich musste es jedes Mal ein spannendes Programm geben, keiner der weit verstreut lebenden Herren wollte nur wegen zwei oder drei Stunden Kaffeetrinken den Weg bis ins Zittauer Gebirge auf sich nehmen. Mit den Jahren wurde die Runde kleiner - zuletzt nahmen noch etwa zehn "alte Herren" teil. Vielleicht trifft sich ja der eine oder andere auch künftig weiter - nur eben ohne offiziellen Charakter.

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