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Ein Märchenschloss blüht auf

Das Gebäude in Schmorkau hat neue Besitzer. Beim Dorffest laden sie in ihren Park zum Trödelmarkt ein.

Eva und Hannes Hösel haben das Schmorkauer Schloss vor anderthalb Jahren gekauft. Nun sind sie dabei, die Anlage schrittweise zu sanieren. Die Deko im Aufgang hat der Vorbesitzer hinterlassen.
Eva und Hannes Hösel haben das Schmorkauer Schloss vor anderthalb Jahren gekauft. Nun sind sie dabei, die Anlage schrittweise zu sanieren. Die Deko im Aufgang hat der Vorbesitzer hinterlassen. © Matthias Schumann

Schmorkau. Es wirkt wie ein verwunschenes Märchenschloss. Und ist wohl neben der Kirche das prägnanteste Gebäude in Schmorkau. So wird es in Nachschlagewerken beschrieben. Dornröschen haben Eva und Hannes Hösel nicht im Schlossturm gefunden. Aber das Paar ist nun angetreten, den Zauber dieser Anlage zu erhalten und die Menschen auch daran teilhaben zu lassen .

Ein Fabrikant ließ die Anlage vor 120 Jahren umbauen.
Ein Fabrikant ließ die Anlage vor 120 Jahren umbauen. © Matthias Schumann

Seit dem Herbst 2017 sind sie die neuen Eigentümer der Anlage. Dabei spielte auch der Zufall mit. Die Eheleute wollten mit den Schwiegereltern zusammenziehen und suchten das passende Objekt. Sie wollten mit ihren zwei Kindern auch raus aus der Stadt. Das Schlösschen stand zum Verkauf. Es sei ziemlich desolat gewesen. Hösels übernahmen es dennoch: „Wir haben es uns angeschaut und uns sofort verliebt“, ist sich das junge Ehepaar einig. So kamen die Nürnberger nach Schmorkau. Nein, zu einsam sei ihnen die Gegend nicht, sagt Eva Hösel. Sie seien in Schmorkau wundervoll aufgenommen worden.

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Seitdem sind sie dabei, das Gebäude wohnlich zu gestalten. Zuerst in der ersten Etage. Zu der geht es über einen herrschaftlichen Aufgang aus dunkel gebeiztem Holz mit verzierten Geländern und Bögen hinauf. Geweihe, Ölbilder und afrikanische Masken zieren die Wände. Das seien alles „Erbstücke“ vom Vorbesitzer, erklärt Hannes Hösel. In den Wohnräumen habe er viel selbst hergerichtet. Den Raum ziert jetzt eine Ornament-Tapete passend zum Interieur. Mit einem Möbelmix im Wohnbereich von Biedermeier bis zur hochmodernen Küche. Das Wohnzimmer beherrscht ein Kamin. Besonderer Blickfang ist eine Tempeltür zwischen den Räumen.

Wohnlich präsentiert sich das Gästezimmer im ersten Stock.
Wohnlich präsentiert sich das Gästezimmer im ersten Stock. © Matthias Schumann

Noch in diesem Jahr soll die Wohnung im zweiten Obergeschoss ausgebaut werden. Dringend sei in dem Zusammenhang die Investition in eine Heizung in diesem Jahr. Denn derzeit sorgen nur Öfen und der Kamin für die wohlige Wärme in den wichtigsten Räumen. Bevor die Sanierung im zweiten Stock beginnen kann, müsse das Dach repariert werden. Das sei teilweise stark beschädigt. Unter den löchrigen Ziegeln stehen Wannen und Schüsseln. Der Dachraum gibt auch einen tiefen Einblick in die Geschichte des Schlosses. Dort fallen die zahlreichen Inschriften aus sowjetischer Zeit auf. Oft Städtenamen wie Taschkent oder Tula. Die Hintergründe sind wohl ebenso wie für den Gebäudezustand in der Historie zu suchen. Die reicht laut Historikern bis ins 17. Jahrhundert zurück.

In der jetzigen Form 1898 erbaut im Auftrag des Nähmaschinenfabrikanten Bruno Naumann, ging das Anwesen etwa 1910 ins Eigentum des Deutschen Reiches über. Die Anlage war ein Offizierskasino und Lazarett für die Truppen des nahen Übungsplatzes Königsbrück. Schließlich nutzte bis 1992 die Rote Armee den Komplex als Krankenhaus. Unterm Dach mit den Inschriften waren wohl Archivräume. Dann verfielen die Gebäude. Später übernahm die Gemeinde und tat auch etwas zur Erhaltung, berichten die Eigentümer. Dann kam eine Vermögensverwaltung. Schließlich übernahmen die jetzigen Hausherrn das Areal. Teilweise schaut auch im renovierten Wohnbereich noch verschlissenes Parkett unter Teppichen hervor. Es werde später aufgearbeitet.

Inschriften mit kyrillischen Buchstaben erinnern an die sowjetischen Truppen, die das Areal viele Jahre nutzten.
Inschriften mit kyrillischen Buchstaben erinnern an die sowjetischen Truppen, die das Areal viele Jahre nutzten. © Matthias Schumann

Im Erdgeschoss öffnen sich hohe schwere Holztüren zu den Gemächern mit opulenten Kronleuchtern und schweren Tischen. Hier ist alles noch im Stile des Vorbesitzers. Der hatte offenbar ein Faible für schreiende Farben. Die sollen demnächst verschwinden, die Wände neu verputzt und eine Komplettsanierung stattfinden. So wollen Hösels das Erdgeschoss nach und nach der Öffentlichkeit zugänglich machen. Hier soll Gewerbe einziehen. In einem ersten Schritt wird eine italienische Damenmode-Boutique entstehen und nächstes Jahr eröffnen. Sie sammle schon Accessoires dafür, sagt Eva Hösel. Vom Erdgeschoss soll auch wieder die Wand zur Freitreppe in den Garten geöffnet werden. Die Schlosssanierung werde das Paar noch mehr als die nächsten zehn Jahre beschäftigen ist sich Hannes Hösel sicher. Vielleicht auch länger: „Ganz fertig wird man nie.“ Hannes Hösel rechnet am Ende mit einem Millionenbetrag: „Wir haben das Potenzial gesehen.“ Das muss nun herausgearbeitet werden. Da ist allein im Schloss selbst mit seinen rund 25 Zimmern viel zu tun.

Dazu die Nebengebäude. Nachbar Hartmut Richter kann noch genau zeigen, wo Operationssäle und Patientenräume aus den Krankenhauszeiten des Objekts waren. Er freut sich, dass wieder Leben ins Schloss kommt. Eines der Nebengebäude soll schon in absehbarer Zeit ausgebaut werden. „Hier entstehen etwa 20 Wohnungen“, erklärt Hannes Hösel. Die Investoren setzten dabei auf die Unterstützung der Ämter und hoffen auf Fördermittel.

Wohnlich präsentiert sich das Gästezimmer im ersten Stock.
Wohnlich präsentiert sich das Gästezimmer im ersten Stock. © Matthias Schumann

Aus den oberen Etagen fällt der Blick auch auf den weitläufigen Park mit über 20 000 Quadratmetern Fläche. Der zeigt den gärtnerischen Einfluss von Eva Hösel: „Das Unkraut stand hier brusthoch.“ Inzwischen sind die Wege frei- und Rabatten angelegt, Bäume gepflanzt und Hecken. Bis zum Teich und weiter ums Schloss ist freilich noch viel zu tun, um die Wildnis langsam in einen Park zu verwandeln. Die ersten Ergebnisse wollen die Schlossbesitzer Ende August/Anfang September zeigen. Das wird zum Dorf- und Kinderfest sein. Das organisiert der Karnevalsverein auf dem Sportplatz hinter der Schlossmauer mit Vergnügungspark. Und die Mauer bekommt bis dahin wieder eine Öffnung. Das Tor ist bereits da. Die Besucher können dann direkt vom Festplatz in den Schlosspark flanieren. Dort wird es einen Trödelmarkt geben und die Gelegenheit, ums Schloss zu spazieren: „Die Gäste werden feststellen, dass noch viel Arbeit notwendig ist, um das Schloss zu einer vorzeigbaren Immobilie zu machen. Wir sind aber optimistisch und dem Alter entsprechend voller Tatendrang“, sagen die Eheleute.

Der Trödelmarkt war die Idee von Nachbar Hartmut Richter. Er sei daran interessiert, dass hier etwas ums Schloss passiert und noch mehr vor. Zur Eröffnung der Boutique will er Schlagerstars der DDR-Zeit zu einer Nacht der Prominenten ans Schmorkauer Märchenschloss holen.

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