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Ein Mann will Schönheitsoase übernehmen

Bad Schandau

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Schnell döst der Gast weg. „Es ist ein schönes Kompliment für meine Arbeit, wenn jemand einschläft“, sagt Annett Walter. Die 31-jährige Kosmetikerin ist eine der sechs Mitarbeiter im Vitalzentrum in Bad Schandau, wo sie ihre Kunden unter anderem mit einer Sauerstoff-Sprüh-Behandlung verwöhnt. Dabei wird Sauerstoff in Verbindung mit einer Lösung aus Aloe Vera und Vitaminen auf die Gesichtshaut aufgetragen – der hauchfeine Sprühnebel soll beleben und ganz nebenbei auch dem Hautbild zugute kommen.

Diese Behandlung ist ein besonderes Angebot des Vitalzentrums, welches sich nun schon seit 15 Jahren im Gebäude des Parkhotels befindet. Hier, an der Rezeption vorbei, die Treppenstufen nach unten, befindet sich sozusagen die Zentrale des kleinen Wellness-Centers. Als „Schönheitsfarm“ bezeichnet Inhaberin Inge Lucas ihr Geschäft gern. Als solches gründete die Industriekauffrau im Oktober 1990 gemeinsam mit ihrer damaligen Partnerin Gisela Specht die Firma. „Damals war ich zum Arbeiten zu alt und für den Ruhestand zu jung“, erzählt Lucas, die im Februar ihren 70.Geburtstag feiern wird. Bei Freunden in den alten Bundesländern hatte sie das erste Mal Bekanntschaft mit der Sauerstoffkur gemacht – und war begeistert. Sie ließ sich zur Schwesternhelferin und Kosmetikerin ausbilden. „Ich wollte mich nicht in die Ecke stellen lassen“, sagt Inge Lucas. Bis heute kann sie sich nicht völlig von ihrer Arbeit trennen.

Vier Jahre nach der Gründung begann die Zusammenarbeit mit dem Parkhotel. „In der Hotelbranche gibt es viel mehr Abwechslung als in einem normalen Kosmetiksalon“, begründet Lucas die Entscheidung. Schweizer, Holländer und Russen fanden im vergangenen Jahr den Weg in die verwinkelte, orange-rote Wohlfühlwelt.

2002 wurde diese allerdings durch das Hochwasser vollständig zerstört. „Drei Jahre vorher waren wir endlich soweit, dass wir den Durchbruch geschafft hatten“, erinnert sich Lucas. „Das war ein schwerer Rückschlag, aber wir haben alles aufgebaut.“ Ostern 2003 folgte die Wiedereröffnung gemeinsam mit dem Parkhotel.

Gesundheitsbewusstsein steigt

Als ein Jahr darauf Gisela Specht aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft ausstieg, machte Inge Lucas allein weiter. Die bis dahin ebenfalls geführte Maria-Galland-Farm in Krippen musste daraufhin verkauft werden, die Mitarbeiterzahl verringerte sich. „2006 haben wir dann wegen einem Frühjahrshochwasser alle Räume noch einmal komplett leer geräumt“, sagt Lucas. Doch von einer zweiten Zerstörung durch das Elbwasser blieb das Vitalzentrum bisher verschont. Dafür macht das 2007 eröffnete Hotel „Elbresidenz“ dem kleinen Familienbetrieb spürbar Konkurrenz. Das Interesse an der Sauerstoffkur steige dennoch. Und Inge Lucas hat eine einfache Erklärung dafür: „Das Gesundheitsbewusstsein der Menschen wird größer, und sie suchen alternative Behandlungsmöglichkeiten.“ Therapien würden im Vitalzentrum nicht ohne Absprache mit dem Arzt durchgeführt.

Um das Angebot in dieser Hinsicht noch ausbauen zu können, lässt sich Sohn und Nachfolger Arne Lucas zum Heilpraktiker ausbilden. In der Schönheitsfarm der Mutter arbeitet er längst mit. Bis zur Geschäftsübernahme wird es aber wohl noch ein wenig dauern.