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Ein Massengrab mahnt zum Frieden

Luppa. Seit anderthalb Jahrzehnten pflegt Ernst Adam die letzte Ruhestätte von 65 Gefallenen auf dem Hahnenberg.

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Von Christoph Scharf

Zwei Rhododendren umrahmen das mannshohe Holzkreuz: „Dem Gedenken 65 Deutscher Soldaten des Zweiten Weltkriegs“ lautet die Inschrift. Die Wege an der Grabstelle sind sauber geharkt, Buchsbäumchen und Bodendecker schmücken jetzt im Herbst das Massengrab. „Wir pflanzen hier nur Frühblüher“, sagt Ernst Adam. Denn alles, was viel Wasser braucht, ist auf dem Hahnenberg zwischen Luppa und Luppedubrau sowieso vergebene Liebesmühe: In schweren Milchkannen müssen Ernst Adam und seine Frau das Wasser zum Gießen über einen holprigen Weg in den Wald fahren, wo es unter hohen Kiefern und Birken schnell versickert.

Seit anderthalb Jahrzehnten kümmert sich der 78-Jährige gemeinsam mit vier Frauen aus Luppa um das Kriegsgrab. 65 deutsche Männer ruhen hier, die 1945 in den letzten Kriegstagen in der Region gefallen sind. 50 sind unbekannt, von 15 sind die Daten belegt.

Der Älteste von ihnen war 45, der jüngste – Siegfried Müller – erst 16 Jahre alt. „Der war noch jünger, als ich damals“, sagt Ernst Adam – der selbst erst in der Kriegsgefangenschaft seinen 17. Geburtstag begehen konnte. „So etwas darf sich niemals wiederholen“, sagt Ernst Adam, der diese Stätte deshalb jahrein, jahraus bepflanzt, harkt, gießt.

Noch einen zweiten Grund hat der Rentner, der in Luppedubrau aufgewachsen ist: Wahrscheinlich gehört sein Vater zu den 50 unbekannten Soldaten, die hier an der Kreuzung zweier Waldwege liegen. Sein letztes Lebenszeichen war die Volkssturmjacke, die im Frühjahr 1945 am Gartenzaun hing.

Auch, dass in Luppa an der Kirche eine steinerne Gedenktafel an die Toten des Zweiten Weltkriegs mahnt, ist Ernst Adam zu verdanken. Er suchte die Namen aus den Archiven und sammelte Geld für den Steinmetz bei den Nachkommen. Nun mahnt die Steinplatte an Männer, die in Stalingrad gefallen sind, eine Frau, die auf der Flucht Richtung Radibor von einer Granate getroffen wurde, einen Jungen, der beim Spielen von einer Mine zerrissen wurde – und viele weitere.

Die Platte ist stabil und wird auch ohne Pflege Jahrzehnte überstehen – anders als das Grab im Wald, das auf helfende Hände angewiesen ist, um nicht unter Gestrüpp zu verschwinden. „Ich kümmere mich darum, solange ich in der Lage bin“, sagt der 78-Jährige. Die Suche nach einem Nachfolger blieb bisher allerdings erfolglos. Auf ein Wort