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Ein Meißner in Oxford

Seit September studiert Torsten Menzel an der Elite-Uni. Das Wichtigste für einen Oxford-Studenten hat er schon erledigt.

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Von Anna Hoben

Manchmal, wenn Torsten Menzel über den Campus schlendert, staunend die altehrwürdigen Gebäude betrachtet oder die Liste der Leute, die vor ihm in Oxford studiert haben, dann fällt ihm auf, was für ein Glückspilz er ist. Seit September ist der Meißner an der britischen Edel-Uni, um dort seinen Master zu machen.

Doch meistens kommt er gar nicht zum Staunen. Denn das Arbeitspensum in seinem einjährigen Studienprogramm ist straff und die Lektürelisten für die Seminare sind lang. „Comparative Social Policy“ heißt sein Studiengang, vergleichende Sozialpolitik. Die Bewerbung war aufwendig: Zwei Aufsätze musste er einreichen, drei Referenzschreiben von Professoren, außerdem ein Motivationsschreiben.

„Das Thema Bildung liegt mir am Herzen“, sagt der 25-Jährige. Er will den Mythos von den Elite-Unis entkräften und Schüler ermutigen, sich ebenfalls im Ausland zu bewerben. „Die erste Frage ist ja oft: Wie um Himmels willen finanziert man das?“ Dabei gebe es jede Menge Stipendien.

Am Meißner Franziskaneum hat Torsten Menzel 2004 sein Abitur gemacht. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Obdachlosenheim in Frankreich schrieb er sich an der Technischen Universität in Chemnitz für Europastudien ein, mit dem Austauschprogramm Erasmus ging er für ein Jahr nach Warschau. Nach dem Studium zog es ihn dann zunächst zurück an die Schule: In Berlin unterrichtete er im Rahmen des Programms „Teach First“ für zwei Jahre an einer berufsvorbereitenden Schule. Ziel der Initiative ist es, die Chancengleichheit im Schulwesen zu verbessern. Bevor sie ins Berufsleben starten, gehen Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen an Schulen in sogenannten sozialen Brennpunkten.

Die zwei Jahre haben mir einen Einblick gegeben in eine Welt, die mir bis dahin nicht vertraut war“, sagt Menzel. Deshalb treibt ihn nun in seinem Masterstudium die Frage um, wie man Sozialpolitik besser gestalten kann. Dazu vergleichen die Studenten verschiedene Sozialstaaten. Die Kommilitonen sind Europäer, Amerikaner, Inder und Chinesen. „Das führt zu spannenden Diskussionen“, sagt Menzel.

In Oxford wohnt er in einem sogenannten College, einer Art Wohnheim mit eigener Bibliothek und Speisesaal. Seine WG ist ebenfalls international. Da ist der chinesische Ingenieur, die amerikanische Politologin und die englische Archäologin. „Ihre Bücher über griechische Vasen gibt es manchmal nur auf Deutsch“, erzählt Torsten Menzel. Da hilft er dann beim Übersetzen.

Sauerkraut und Fish and Chips

Ansonsten kocht jeder mal für die anderen. Als Menzel an der Reihe war, gab es Kartoffelbrei, Bratwürste und Sauerkraut – typisch sächsisch. Er selbst genießt aber auch das englische Essen: „Fish and Chips finde ich gut, und ich liebe englisches Frühstück.“

Nur die Freizeit kommt in Oxford zu kurz. In den Ferien will Torsten Menzel Ausflüge nach London, Wales und Schottland machen. Das Wichtigste hat er aber schon erledigt: Rudern auf der Themse, wie sich das gehört in Oxford.