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Ein Minister beim THW

Es ist die Woche, in der die Sachsen-Minister auf Fluterinnerungstour gehen. Innenminister Horst Rasch (CDU) bekam von seinem Sprecher den Tipp, doch mal das Technische Hilfswerk (THW) in Radebeul zu besuchen. Die waren mit ihren blauen Autos beim Hochwasser fast überall dabei.

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Von Peter Redlich

Das Gelände an der Wilhelm-Eichler-Straße 13a in Radebeul-West versprüht noch den kompletten Charme des gesamten vergangenen Jahrhunderts. Das Gebäude mit dem heutigen Sozialamt neben der Einfahrt wurde 1910 eingeweiht. Die Baracke und danebenstehende Container sind DDR-Reliquien, Zivilverteidigung wurde hier geübt. Das machen die 72 aktiven Helfer beim THW – einer Bundesorganisation – auch, aber eben in einer demokratischen Gesellschaft. Und sie tun es freiwillig.

Freiwillig jeden Monat mindestens einmal Schulung, Geräte warten oder üben. Zwei Züge sind es, die mit größtenteils modernen Fahrzeugen in Radebeul-West stationiert sind. Das erfuhr der Minister beim Rundgang zwischen gewienerten Lastwagen mit Kranaufbauten, zwischen Rettungschlauchbooten und einer Sandsack-Stapel-Demonstrationsinsel mit Gartenzwerg als Zierde.

Polnische Pumpen, die stärker waren

Horst Rasch interessierte sich für Einsatzpläne und Geschichten aus Flutzeiten. Zeiten, in denen die THW-Leute an alle Ecken und Enden im Landkreis gerufen wurden. Nach Meißen, um Keller auszupumpen. Nach Radebeul, um einen Bootseinsatz zu fahren oder am Seegraben eine Gärtnerei vom Wasser zu befreien. Großer Einsatz, viele Stunden, Tag und Nacht, zumeist bis zur Erschöpfung. Nur in Coswig standen die Männer mit der blauen Pumpe im Abseits. Dort waren polnische Feuerwehrleute mit Saugrüsseln zur Stelle, die das Mehrfache der THW-Geräte leisten konnten. Das soll nicht wieder vorkommen, kündigte Manfred Metzger, Landesbeauftragter des THW Sachsen/Thüringen, an. Seine Mannschaften würden bald mit eben solchen Pumpen ausgerüstet. Auch solle mehr Geld für Kommunikationstechnik ausgegeben werden, sagte der Landeschef. Schnelle Verständigung im Katastrophenfall mit der Feuerwehr und der jeweiligen Stadtverwaltung habe sich als absolute Notwendigkeit erwiesen. Auch eine Erkenntnis vom August 2002, die sich der Minister anhörte.

Und eine richtige Neuigkeit gab es auch: Die Radebeuler THW-Mannschaft will Radebeul verlassen, kündigte Ortsbeauftragter Tilo Krujatz an. Man sei mit einem Investor auf der Suche nach einem etwa 2 400 Quadratmeter großen Grundstück in Coswig. Eine Fläche mit allen notwendigen Anschlüssen, auf der dann fertige Baumodule für die THW-Technik nur aufgestellt werden müssten. Eine 1,1-Millionen-Euro-Investition im Nachbarort.

Umzug schon nächsten Sommer möglich

Wenn das Grundstück noch im Herbst verbindlich in Coswig gefunden werde, dann könne der Umzug im nächsten Frühsommer passieren, sagte Landeschef Metzger. Der Innenminister kann den Wunsch nach fortschrittlicheren Verhältnissen nachvollziehen, auch wenn es auf dem Radebeuler Gelände „heimelig und nett“ sei. Heimelig im Sinne von guter Kameradschaft, Grillparty und `ner ordentlichen Flasche Bier klang dann auch der Abend mit dem Minister aus. Horst Rasch stieß mit an, probierte Bratwurst, Salzbrezel und Gewürzgurken, bevor er mit seiner bayerischen Dienst-Limousine wieder nach Hause chauffiert wurde. Er sei nämlich eigentlich im Urlaub, sagte sein Sprecher.