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„Ein Mobilfunknetz ist niemals fertig“

Vodafone-Technikvorstand Hartmut Kremling über Netzausbau und harten Wettbewerb.

Medienberichten zufolge plant Vodafone, den Konkurrenten Kabel Deutschland zu übernehmen.

Wir kommentieren Marktspekulationen grundsätzlich nicht – auch nicht die, die augenblicklich in den Medien getätigt werden.

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Parallel liefern Sie sich mit der Telekom ein Dauer-Rennen um die Marktführerschaft. Welche Relevanz hat dieser Wettlauf für die Kunden?

Wir freuen uns, wenn wir vorne liegen. Es wird auch zukünftig ein Kopf-an-Kopf-Rennen bleiben, aber wir bewerten das nicht über. Grundsätzlich vorne zu sein ist ein Zeichen von Erfolg. Denn Erfolg heißt auch: die Fähigkeit zu Investitionen, die Fähigkeit zur Weiterentwicklung. Nur erfolgreiche Unternehmen sind auch in der Lage, in die Zukunft zu investieren. Entscheidend ist, dass unsere Kunden zufrieden sind. Entscheidend ist aber auch der Blick auf die anderen Marktteilnehmer.

Folgt man einschlägigen Foren, gibt es aktuell beim Netz Probleme. Auch Ihr Vorstandschef Jens Schulte-Bockum hat „Nachholbedarf“ eingeräumt. Arbeiten Sie an der Kapazitätsgrenze?

Richtig ist: Ein Mobilfunknetz ist niemals fertig – Sie müssen immer konsequent weiter bauen. Und das tun wir massiv. Durch den Boom von Smartphones, Cloud Computing und Tablets erleben wir einen regelrechten Ansturm. Sie können mit dem Tablet ja inzwischen auch über das Internet fernsehen. Das hat Folgen: Bei den Sprachdiensten, also der Telefonie, hat sich das Volumen in den letzten sieben Jahren vervierfacht. Daten entwickeln sich nochmals deutlich schneller. Wir verzeichnen im Augenblick eine jährliche Verdopplung des Datendienst-Volumens. Zum Vergleich stellen Sie sich einen Autohersteller vor, der seine Produktion pro Jahr eben mal verdoppelt – das ist eine riesige Herausforderung. Um ihr gerecht zu werden, überprüfen wir täglich die Qualität in unserem Netz und sehen so sehr genau, ob und wo Handlungsbedarf besteht.

Sie haben 2012 eine Milliarde Euro in Ihr Netz investiert. Was ist die Größenordnung für die kommenden Jahre?

Für 2013 und 2014 werden es deutlich mehr als eine Milliarde pro Jahr werden. Wir treiben die Verbreitung des schnellen Mobilfunk-Standard LTE massiv voran, der inzwischen in mehr als 60 Prozent der deutschen Fläche verfügbar ist. Die Anforderung der Politik, zunächst die unterversorgten Regionen zu versorgen, haben wir in Rekordzeit erfüllt. Nun erschließen wir mit hohem Tempo auch die Städte. Wir sind gerade dabei, in mehr als 120 Städten – wie etwa Dresden und Leipzig – nennenswerte LTE-Kapazitäten aufzubauen.

LTE ist so teuer?

Nein. Nicht der LTE-Ausbau alleine. Parallel bauen wir natürlich unsere Netze für das Festnetz und den Mobilfunk weiter aus. Die haben den Vorteil, dass Sie in der Infrastruktur auf die gleichen Kerne zurückgreifen können – etwa die schnelle Glasfaser. Flapsig gesagt ist ein Mobilfunk-Netz am Ende auch nur ein Festnetz mit angeschlossener Luft-Schnittstelle. Zudem modernisieren wir unsere Basisstationen. Wo früher mehrere größere Schränke nebeneinander standen, steht in Zukunft nur noch ein kleinerer. Der entscheidet softwaregesteuert je nach Anforderung, welche Technologie eingesetzt wird. Für den Kunden zählt vor allem, was wir Connectivity nennen: Er will sein Tablet, sein Smartphone überall einschalten – und erwartet, dass der Netzzugang komfortabel und schnell funktioniert.

Was heißt „schnell“ konkret?

LTE liefert unseren Kunden jetzt schon im Normalbetrieb Übertragungsgeschwindigkeiten zwischen 15 und 40 Megabit pro Sekunde. In der Spitze können wir heute schon 100 Megabit pro Sekunde sehen – und werden in wenigen Jahren auch in die Größenordnung von 1 Gigabit vorstoßen. Wir haben in Dresden an unserem Mobilfunk-Lehrstuhl sogar ein eigenes Testsystem stehen, an dem wir bereits an der fünften Mobilfunk-Generation arbeiten. Der Ansatz ist aber eher Evolution als Revolution – der typische Zyklus, bis ein neuer Standard gesetzt wird, liegt bei acht bis zehn Jahren. Gleichwohl sind diesem Wachstum keine Grenzen gesetzt. Dass wir gerade in Dresden an dieser Weiterentwicklung arbeiten, zeigt übrigens die Bedeutung des Standortes für uns als globales Unternehmen.

Kürzlich hat auch Vodafone den 20. Geburtstag der SMS gefeiert, gleichzeitig aber auch schon den Nachfolger Joyn. Ist die SMS eine aussterbende Gattung?

Vorsicht – im Augenblick verzeichnen wir weiter deutlich steigende SMS-Zahlen. Inzwischen gibt es ja selbst Maschine-zu-Maschine-Kommunikation, die sehr stark SMS-gestützt ist. Von einer aussterbenden Gattung würde ich deshalb bei Weitem nicht reden wollen. Allerdings wird auch diese Technologie mittelfristig eine Evolution erleben. Wir sehen mit dem Boom von Social-Media-Anwendungen auf Smartphones und Tablets völlig neue Themen kommen. Dem tragen wir mit Joyn Rechnung. Das können unsere Smartphone-Kunden ohne Zusatzkosten nutzen und damit sicher und einfach mit allen Kontakten in Verbindung bleiben. Mit LTE sogar per Videotelefonie.

Das Gespräch führte Lars Radau.