merken
PLUS

Ein Multitalent

Matthias Fiedler hat sich in Reinhardtsgrimma selbstständig gemacht – mit einer neuen Technik.

© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Reinhardtsgrimma. Andere fangen in einer Garage an, ich starte auf einem Gang, sagt Matthias Fiedler mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Hinter ihm steht das Kernstück seiner Firma „Adfertec“. Die Abkürzung steht für additive Fertigungstechnik. Das sind neue Verfahren, die es erst seit wenigen Jahren gibt. Laien kennen davon am ehesten noch das Verfahren des 3-D-Drucks. Schicht für Schicht werden dabei nach einer Computervorlage die Werkstücke aufgebaut. Die Maschine hinter Matthias Fiedler arbeitet auch mit hauchdünnen Schichten von weniger als einem Zehntelmillimeter. Hier wird ein Kunstharz aufgebracht. Dann flitzt ein Laser herum. Nur seine Lichtblitze sind kurz zu sehen. Aber überall, wo er draufstrahlt, härtet das Kunstharz aus. Der Rest bleibt flüssig und läuft wieder weg.

Anzeige
Preisaktion bei Foto Wolf
Preisaktion bei Foto Wolf

(Hobby-)Fotografen aufgepasst! Jetzt bei der Sommer-Aktion von Foto Wolf in Dresden einen Sofort-Rabatt von bis zu 300 Euro auf Kameras und Objektive sichern.

Am Ende liegt das fertige Werkstück unter der orangefarbenen Abdeckhaube. Das ist keine Warnfarbe, sondern sie hält den ultravioletten Anteil aus dem Tageslicht fern. Dieser würde den Produktionsprozess stören. Wenn der Drucker seine Arbeit getan hat, nimmt Fiedler das Teil heraus, wäscht es in Alkohol und gibt es in eine Nachhärtekammer, wo es nun gezielt mit ultraviolettem Licht bestrahlt wird.

Andere Methoden, ein Material zu bearbeiten, wie Gießen oder Drehen kennen die Menschen seit Jahrtausenden. Das Verfahren, wie es Matthias Fiedler anwendet, ist noch ganz jung. In den 1980er-Jahren ist das erste Patent dafür erteilt worden.

Noch als Nebenerwerb

Fiedler hat das Verfahren bei seiner Technikerausbildung in Dresden intensiv kennengelernt. Vorher hat der 27-jährige Oberfrauendorfer bei der „GMT – Geräte- und Metalltechnik GmbH“ in Reinhardtsgrimma Industriemechaniker gelernt. Von 2012 bis 2016 hat er sich neben seiner Arbeit zum Techniker fortgebildet. 2013 hatte er zum ersten Mal mit der neuen Technik zu tun. Damals hat er einen Bausatz für einen 3-D-Drucker bestellt und in der Firma getestet, was mit der neuen Technik möglich wäre. Damals kam er mit seinen Kollegen zu dem Schluss, dass sie noch nicht für den professionellen Einsatz taugt.

Inzwischen sieht das schon anders aus. Fiedler hat sich zum Abschluss seiner Technikerausbildung intensiv mit der additiven Fertigung befasst, auch mit dem Thema, wie sich damit eine Firma gründen lässt. Dabei hat er festgestellt, dass in der Region das noch niemand als Dienstleistung anbietet. Die Lücke will er jetzt füllen. Er macht das aber noch im Nebenberuf. Im Hauptberuf ist er bei der Geräte- und Metalltechnik für die Computeranlagen verantwortlich.

Im Sommer erst hat er seine Firma gegründet und kann sich noch keine teuren Betriebsräume leisten. Da kommt es ihm entgegen, dass er sich bei seinem Arbeitgeber einmieten kann. Hier steht jetzt seine Maschine auf einem Gang,

Der neue Drucker ist ein richtiges Multitalent und vor allem geeignet, Einzelstücke oder kleine Serien anzufertigen. In der Medizin wird das angewandt. Beispielsweise fällt eine Bohrschablone für Zahnärzte bei jedem Gebiss anders aus. Fiedler hat auch schon ein Getriebe mit 20 Einzelteilen produziert. Damit lässt sich eine Konstruktion, die bis dahin nur im Computer existiert, veranschaulichen und ausprobieren. Momentan ist der Existenzgründer noch dabei, sein Angebot und seine Technik bekannt zu machen. So hofft er, dass seine Firma ähnlich wie andere, die klein angefangen haben, weiter wächst und vom Nebenerwerb zum Hauptberuf wird. Immerhin sind schon Weltkonzerne in der Garage gestartet.