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Hoyerswerda

Ein Museums-Engel ohne Urlaub

Wir stellen in einer Serie Menschen vor, die oft im Hintergrund stehen. Heute: Petra Schüler.

Petra Schüler gehört zum Mitarbeiter-Team, das das Hoyerswerdaer Schloss am Laufen hält.
Petra Schüler gehört zum Mitarbeiter-Team, das das Hoyerswerdaer Schloss am Laufen hält. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Prüfend wandert der Blick von Petra Schüler durch den Vereinsraum. Zwei Stühle stehen nicht korrekt am Tisch, und die Arbeitsplatte in der Küchenzelle ist auch etwas bekleckert. Aber nicht mehr lange. Schnell steht die Tischgarnitur so, wie es sein soll, und die kleinen Wassertropfen gleich neben der Spüle sind auch rasch weggewischt. Petra Schüler hat diesen gewissen Blick fürs Detail, den sie gern walten lässt, um dem Gesamtbild einen ordentlichen Rahmen mit ganz persönlicher Note zu geben. Diesen Hang zur Akribie hat die 59-Jährige schon immer. Es ist eine Charaktereigenschaft, die von den meisten Mitmenschen in ihrem privaten wie auch beruflichen Umfeld sehr geschätzt wird.

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Kerstin Noack, die Leiterin des Hoyerswerdaer Museums, freut sich sehr darüber, dass Petra Schüler das Mitarbeiterteam des hiesigen Schlosses bereichert. Ihr selbstloses Engagement, Dinge einfach zu tun, die erledigt werden müssen, ist seit vielen Jahren ihr ständiger Begleiter bei der Arbeit im Museum. Ihre Hingabe und ihr Engagement kennen keinen Urlaub.

Petra Schüler ist im Schloss „Mädchen für alles“. Egal, ob Feinarbeiten oder handwerkliches Geschick gefragt sind – die Hoyerswerdaerin hat das Talent, vielfältige Aufgaben lösen zu können. So unterstützt sie den Besucherservice und die museumspädagogischen Projekte genauso wie die Vorbereitung von Ausstellungen. Auch hier sind ihr individueller Blick fürs Detail und ihre Empathie gefragt: gilt es doch, dem Anspruch junger Schülergruppen genauso gerecht zu werden wie dem von Künstlern und anderen Museumsbesuchern.

So ist auch die Vorbereitung von zu vermietenden Räumen bei Petra Schüler in den besten Händen. „Die Leute sollen ja gern herkommen, feiern, lernen und sich dabei auch wohlfühlen“, so ihr Anspruch. Zudem sei Ordnung das halbe Leben. Es spare Zeit und Nerven, wenn man immer wisse, wo die Dinge gelagert seien. Bei Petra Schüler hat alles seinen festen Platz.

Geschulter Blick fürs Detail

„Sie kann man wirklich als «gute Seele» des Schlosses bezeichnen. Sie ist immer freundlich und serviceorientiert. Was ich persönlich sehr an Petra Schüler schätze, ist ihre ruhige Art, dieses Einfach-mit-Anpacken, wenn es nötig ist – und dass sie im Haus auch sehr aufmerksam immer wieder kleinere Mängel feststellt“, sagt Kerstin Noack. Wenn etwa eine der zahlreichen Lampen im riesigen Schloss defekt ist oder die Hörstation nicht richtig funktioniert - Petra Schüler erkennt das oft als Erste, leitet die Meldung sofort an die richtige Stelle weiter oder legt gleich selbst Hand an, wenn sie den Schaden selbst beheben kann und darf. Für die gelernte Instandhaltungsmechanikerin sind auch kleine handwerkliche Reparaturen kein Problem.

Wenngleich sie in jungen Jahren viel lieber den Beruf einer Schneiderin erlernt hätte. Aber das Schicksal wollte es anders, und so schloss sich nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung als – im Volksmund sogenannter – „I-Knecht“ im Tagebau Welzow-Süd an. Zu ihren damaligen Aufgabengebieten gehörten unter anderem die Wartung und Pflege von schweren Maschinen wie Motorrädern und Schweißaggregaten.

Im Schloss lässt die 59-Jährige auch beim Polieren von hauchdünnen Gläsern ihre Sorgfalt walten. Das Ergebnis ist streifenfrei und glasklar. Und wenn ihr Arbeitsalltag vorbei ist, geht es weiter zu ihrer Mutter, die ihre Tochter gern als Engel bezeichnet. Petra Schüler übernimmt Arbeiten im Haushalt und kauft ein. Engel wie Petra Schüler kennen halt keinen Urlaub.