merken
PLUS

Ein neues Zentrum für die Gemeinde

Die frühere Mittelschule Crostwitz wird mit viel Aufwand umgebaut. In einem Jahr soll alles fertig sein.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Crostwitz. Streik und Proteste sorgten 2001 für Aufsehen. Damals demonstrierten Schüler, Eltern, Lehrer, Einwohner und Sympathisanten wochenlang für den Erhalt der Crostwitzer Mittelschule „Jurij Chezka“. Gegen ihren Willen schloss der Freistaat Sachsen die Schule. Nun sagt Bürgermeister Marko Klimann: „Wir wollen das gesamte Gebäude beleben und vollständig nutzen. Es ist wertvolle, denkmalgeschützte Bausubstanz.“ Die frühere Schule soll zum Gemeinde- und Kulturzentrum umgebaut werden.

Welchen Hintergrund hat die Umnutzung der früheren Schule?

Die Gemeinde will Verwaltung, Schule, Hort und Kindergarten künftig an einem Ort konzentrieren. Das ergibt Sinn wegen kurzer Wege. Das ergibt gleichfalls Sinn mit Blick auf die Heizungs- und Unterhaltungskosten. „Die Gemeinde rückt näher an die Schule“, sagt der Bürgermeister. „Das Schulgebäude bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.“

Welche Ziele setzt sich die Gemeinde?

Im Erdgeschoss ist bislang der Hort in Trägerschaft des Sorbischen Schulvereins untergebracht. Hier liegt ebenfalls der Speisesaal der Grundschule. Beides bleibt erhalten. Die Horträume sollen künftig durch Fluchttüren miteinander verbunden werden. Ein zusätzlicher Rettungsweg entsteht an der südlichen Fassade zur Straße hin. „Ziel ist, dass wir das Foyer unten im Erdgeschoss weiter nutzen“, sagt Marko Klimann. In der ersten Etage befinden sich bislang der Raum für die Schulsekretärin und zwei Räume für die Kreismusikschule. Auf diese Etage soll das Gemeindeamt ziehen. „Hier sollen außerdem zwei Klassenräume wieder regelmäßig durch die Schule genutzt werden“, sagt Marko Klimann. „Auf der Etage soll ebenfalls ein großer Versammlungsraum entstehen. Der Gemeinderat sowie Vereine und Gruppen wie der Ortsverein Domizna, die Sorbische Laientheatergruppe Crostwitz, die Crostwitzer Blasmusikanten und andere können ihn nutzen.“ Mit auf die Etage ziehen sollen zugleich die Domowina, die Stiftung für das sorbische Volk und der Sorbische Schulverein mit je einem Raum.

Wie kommt die Gemeinde mit der Planung voran?

2017 bereits beschloss der Gemeinderat im Grundsatz den Umbau der früheren Schule. Für das Bauvorhaben reichte die Kommune einen Förderantrag beim Regionalmanagement des Leader-Gebietes Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ein. Am 1. Dezember kam das positive Votum. „Für die weitere Antragstellung beim Landratsamt Bautzen wird jetzt die Vorlage entsprechender Architektenverträge erforderlich“, sagt Marko Klimann. Die weitere Planung und Bauüberwachung wurde an das Planungsbüro Marko Zieschwauck in Bautzen vergeben. Grundsätzlich, so der Bürgermeister, steht der Gemeinderat zu dem Vorhaben. „Wir haben intensiv diskutiert“, erläutert er. „Einige Räte meinten, dass die Bauüberwachung nicht durch das Planungsbüro mit geleistet werden sollte. Sie wollten ein zusätzliches Ingenieurbüro damit beauftragen.“ Ein weiteres Büro würde jedoch zusätzliche Kosten für die Gemeinde verursachen. Zugleich müsse es sich erst in die Thematik mit einarbeiten. Darüber hinaus wäre dies im Hinblick auf mögliche Gewährleistungen laut Marko Klimann die deutlich schlechtere Variante. „Bei der Suche nach einem weiteren Ingenieurbüro könnten wir auch den Termin bei der Bewilligungsbehörde Landratsamt nicht einhalten“, betont er. Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat für das Bautzener Planungsbüro.

Was lässt sich die Gemeinde den Umbau kosten?

Die Gesamtkosten für den Umbau der Schule liegen bei 258 000 Euro. Davon trägt die Gemeinde 70 000 Euro als Eigenanteil. Sie hofft auf Förderung der Restsumme durch die Leader-Region Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. In den kommenden Sommerferien sollen nach Möglichkeit zunächst die Bauarbeiten im Erdgeschoss in den Horträumen geschafft werden. Die gesamte Maßnahme Umbau der Schule soll möglichst bis Ende Februar 2019 realisiert sein. „Die Umnutzung der Schule ist unsere wichtigste Maßnahme“, unterstreicht Marko Klimann. „Hinzu kommt die Erneuerung der gesamten Heizungsanlage im Komplex Grundschule und Mehrzweckhalle Jednota.“ Diese Maßnahme kostet 65 000 Euro. Rund 16 000 Euro trägt die Gemeinde dabei als Eigenanteil. Sie rechnet mit 75 Prozent Förderung aus dem Konjunktur-Paket 3 des Bundes.

Was passiert mit dem jetzigen Gemeindeamt?

Das Gebäude soll weiter öffentlich und zum Gemeinwohl der Bürger nutzbar sein. „Wir entwickeln erste Ideen“, sagt der Bürgermeister. „Für Vorschläge, Anregungen und Impulse der Einwohner sind wir dankbar. Wir wollen ein Nutzungskonzept aus all diesen Hinweisen erarbeiten.“ Für originelle und zukunftsweisende Ideen ist die Gemeinde offen.

Was geschieht mit dem Spielplatz an der früheren Schule?

Er soll durch weitere Spielgeräte für 11 000 Euro aufgewertet werden. Geplant sind ein Klettergerüst, ein Reck, ein Balancierbalken, eine kleine Sitzgruppe, ein Boden-Schachspiel sowie Anpflanzungen mit einigen Bäumen und mit Rasen. Damit sind in Crostwitz künftig zwei Spielplätze für die Kinder öffentlich zugänglich.