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Ein neues Zuhause für die Kunst

Michele Cyranka ist innerhalb Tharandts umgezogen. Sie ist die erste Mieterin eines Hauses, das noch saniert wird.

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© Andreas Weihs

Von Franz Werfel

Tharandt. An ihrem alten Arbeitsplatz, direkt an der Wilden Weißeritz, gab es diese Ente. Oft saß Michele Cyranka, die 1964 in Leipzig geborene und seit 1992 in Tharandt lebende Künstlerin, auf ihrem Balkon am rauschenden Fluss und zeichnete. „Dieser Ort war mein Wasserplatz, mein seelischer Anker“, sagt sie. An diesem Ort hatte sich in den vergangenen Jahren eine Wildente zu ihrer Staffelei gesellt. Manchmal hat sie auch gebrütet, ganz nah bei der Malerin. „Das war atemberaubend, diese Nähe. Und absolut untypisch für Enten.“ Nun ist Michele Cyranka umgezogen, es gab Querelen mit ihrer Vermieterin. In einem Haus auf der Roßmäßlerstraße, das seit 20 Jahren leer stand und derzeit aufwendig saniert wird, findet ihre Kunst ein neues Zuhause. Die Ente nimmt Michele Cyranka einfach mit. Sie wird das neue Logo ihres Ateliers. Noch ist das Haus eingerüstet, aber wenn die Fassade fertig ist, wird die Wildente die Besucher über dem Eingang des Ateliers begrüßen.

Drinnen sieht es erfrischend unfertig aus. Zum Teil ist das Absicht und erinnert an freche Großstadt-Ateliers des Künstler-Nachwuchses etwa aus Leipzig oder Halle. Teile der Sandsteinmauer bleiben offen neben ordentlich verklinkerten Wänden stehen. Die alte Decke ziert ein bronzener Kronleuchter, den ihr eine Bekannte für das neue Atelier geliehen hat. Die schwere Druckpresse steht in der Ecke, Leinwände stapeln sich auf dem Boden. Zur biblischen Königin von Saba gesellen sich Selbstporträts, die auch mal im Tharandter Wald angesiedelt sind, und Bilder von tanzenden Schönheiten. Überhaupt das Tanzen. Das treibt Michele Cyranka seit ein paar Jahren um. „Abwechslung zur Kunst finde ich im Tanz.“ Sie malt also aus Erfahrung. Dann zitiert sie einen befreundeten Künstler, in dessen Beschreibung sie sich wiederfindet. „Er hat gesagt, ich sei eine romantische Malerin mit südländischem Temperament.“ Bei ihren Gemälden geht es ihr darum, kraftvolle Frauen-Persönlichkeiten zu zeigen – wie sie sich einerseits ganz ihren Bewegungen hingeben und darin aufgehen; und wie andererseits die Farbe diese Dynamik auf Leinwand bannt. Die Malerei sei ihre Herzenssache, sagt Michele Cyranka. „Das, was ich versuche mit Radierungen und Farben als Grafiken und Gemälde aufzuheben, kommt ganz tief aus meinem Inneren. Diese Bilder empfinde ich sehr intensiv.“

Dabei bleibt sie als Künstlerin, die sich auch mal an Gedichten von Else Lasker-Schüler abarbeitet, nicht bei grafischen Arbeiten stehen. Sie fertigt zahlreiche Collagen – und spannende, filigrane Keramiken. Wenn sie über ihren Tonarbeiten sitzt, dann „erdet sie diese Beschäftigung“, sagt Cyranka und meint das im Wortsinn ernst. „Jeden Tag malen – das könnte ich nicht.“ Beeinflusst sind viele ihrer Arbeiten von ihren großen Reisen – etwa nach Portugal und Ägypten. Eine dünnwandige Tonkanne zeigt, liebevoll handbemalt, die altägyptische Gottheit Isis. Sie nahm als Göttin der Fruchtbarkeit, der Geburt und des Todes eine zentrale Rolle in der ägyptischen Mythologie ein. Und war auch das: eine starke weibliche Persönlichkeit.

Dankbar ist sie, dass nach dem Stress der vergangenen Monate nun alles gut geworden ist. „Ein Künstler ohne bezahlbaren Raum ist in Not“, sagt Michele Cyranka. Den Tipp für ihr neues Atelier bekam sie von Achilles Markert, dem Geschäftsführer des Schulvereins, der das Tharandter Gymnasium betreibt. „Achilles kannte das Makler-Ehepaar Ulrich und Susanne Mehler“, sagt Cyranka. Denen habe Achilles Markert gesagt: „Für die Cyranka findet ihr etwas – die soll in Tharandt bleiben.“ Ihre Eröffnungsparty am Sonnabend soll der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe sein. Michele Cyranka will ihr Atelier künftig auch für andere Künstler öffnen: Dichter, Schriftsteller, Musiker und Schauspieler.

Michele Cyranka lädt ein zur Atelier-Eröffnung in die Tharandter Roßmäßlerstraße 46 am Sonnabend, dem 21 Mai, ab 17 Uhr. Ab 19 Uhr erzählt die Dresdner Galeristin Karin Weber eine Geschichte – statt einer Eröffnungsrede. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos im Internet unter www.atelier-cyranka.de