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Ein Niedersachse in Sachsen

Pfarrer Stefan Dittmer kümmert sich in Pieschen um eine besondere Gemeinde. Zu Pegida hat er eine ganz eigene Meinung.

© Anja Schneider

Von Johanna Braun

Vor einem halben Jahr hat die Dreieinigkeitsgemeinde am Großenhainer Platz Stefan Dittmer als neuen Pfarrer ausgewählt. Jetzt ist der 52-jährige Neudresdner. „Eigentlich wollte ich in den Norden, weil dort meine Kinder leben. Aber für mich war die Berufung aus Dresden auch ein göttlicher Ruf“, erklärt der verheiratete Familienvater. Nach 24 Jahren im hessischen Steeden bei Limburg ist er nun für die Gemeinde der St.-Petri-Kirche zuständig.

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Er fühle sich hier wohl, denn vor allem das kulturelle Leben in Dresden gefalle ihm sehr gut. „Im Sommer die Hinterhöfe der Neustadt zu erkunden, das ist toll“, erzählt er begeistert. Mit der Großstadt habe sich auch seine Arbeit verändert. „In Steeden war ich der Pfarrer im Dorf und für über 400 Menschen zuständig. Hier sind es 244, die aber weit verstreut wohnen“, sagt er.

Viele waren mit den Gottesdiensten in ihrer Umgebung nicht mehr zufrieden gewesen und wechselten in die St.-Petri-Kirche. Sie gehört zur Selbstständigen Evangelischen Landeskirche und ist von der großen Landeskirche getrennt. Die eigenständige Kirche halte sich genauer an den Wortlaut der Bibel und sei somit in vielen Punkten konservativer, sagt Dittmer. Zum Beispiel dürfen Frauen und Homosexuelle nicht Pfarrer werden. „Für viele Menschen zählt, dass bei uns die Heilige Schrift ausschlaggebend ist“, erklärt Dittmer. Deswegen stehen im Gottesdienst Musik und Gebete im Vordergrund und nicht aktuelle Ereignisse. Trotzdem sind sie Thema in der Gemeinde. „Als Pfarrer muss ich die Ängste der Menschen ernst nehmen. Nicht alle bei Pegida sind rechts. Ich suche das Gespräch mit ihnen und erinnere sie an die christliche Liebe“, erzählt der Pfarrer. Es ist für ihn eine sensible Angelegenheit. Generell vermisse er eine sachliche Diskussion, auch über die Übergriffe in Köln. „Aus christlicher Sicht kann man die Täter nicht einfach zurückschicken“, betont er. Deswegen freue er sich über die vier Flüchtlinge aus dem Iran, die seit 2011 zur Gemeinde gehören. „Es ist für uns positiv, dass sie da sind. Dann hinterfragt man sich.“

Der Pfarrer stammt aus Celle bei Hannover und ist christlich aufgewachsen. „Ich wusste: Ich habe zwei Väter und bin kein Individuum des Zufalls. Dadurch habe ich mich geborgen gefühlt“, erklärt er. Dieser Eindruck bestätigte sich auch nach dem Tod eines seiner Kinder. „Rückblickend kann ich sagen, Gott ist damals mit mir und meiner Familie einen Weg gegangen.“