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Ein Notdach für die Sixtinische Madonna

Fleckige Wandbespannungen, abgetretene Fußböden, überlastete Klimaanlagen: Seit Jahren wartet die Sempergalerie, in der die Gemäldegalerie Alte Meister untergebracht ist, auf ihre Sanierung. Vor allem...

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Von Claudia Schade

Fleckige Wandbespannungen, abgetretene Fußböden, überlastete Klimaanlagen: Seit Jahren wartet die Sempergalerie, in der die Gemäldegalerie Alte Meister untergebracht ist, auf ihre Sanierung. Vor allem die undichten Oberlichter machen dem Museum, das Kostbarkeiten wie die Sixtinische Madonna beherbergt, zunehmend Schwierigkeiten. Unter dem Dach sammelt sich Kondenswasser.

Deshalb hat der Freistaat nun eine Notreparatur in Auftrag gegeben. Seit gestern werden auf insgesamt sieben Oberlichtern Holzkonstruktionen angebracht. Sie werden mit Plexiglas abgedeckt und sollen so die jeweils gut 70 Quadratmeter großen Fenster wie Regenschirme vor eindringendem Wasser schützen. Um die Konstruktion windfest zu machen, werden Gewinde bis in die Stahlträger der Dachkonstruktion getrieben.

Gestern arbeiteten die Zimmerleute über den italienischen Meistern. Die Sixtinische Madonna, Bilder von Rembrandt und Rubens sowie das übermannsgroße Gemälde von August dem Starken bekommen ebenfalls einen extra Regenschutz aufs Dach. In drei Wochen soll die Arbeit beendet sein. Aus Rücksicht auf die Besucher wird nur montags gearbeitet, wenn die Ausstellung geschlossen ist. Die kalkulierten Kosten für die knapp 450 Quadratmeter große Abdeckung liegen bei 40000 Euro.

Mit dem jetzigen Mangel wiederholt sich ein Zustand, den es bereits im Januar 1993 schon einmal gab. Damals musste die Galerie wegen Kondenswassers sogar schließen. Das Wasser durchnässte die Wände, die Gemälde mussten abgenommen werden. So weit soll es nun freilich nicht kommen. Das Kondenswasser ist bislang nicht in die Ausstellungsräume gedrungen.

Dennoch sieht Galerie-Direktor Bernhard Maaz großen Handlungsbedarf. „Durch Feuchtigkeit können die Holztafeln starke Risse bekommen“, sagt er. „Bislang können unsere Restauratoren das noch ausgleichen. Aber das Holz arbeitet natürlich.“

Auslagerungspläne vom Tisch

Maaz bemängelt zudem das gesamte Erscheinungsbild der berühmten Sammlung. „Den jetzigen Zustand der Galerie können wir unseren jährlich 500000 Besuchern nur bedingt zumuten. Wir präsentieren eine legendäre Galerie in gealtertem Zustand.“

Richtig in Schuss war die Sempergalerie seit Jahrzehnten nicht mehr. 1988 wurde sie wegen gravierender Baumängel geschlossen und kurz nach ihrer Wiedereröffnung im Dezember 1992 erneut gesperrt. Mittlerweile haben sich unschöne Flecken auf der Wandbespannung gebildet, die Klimaanlage von 1990 ist -– ähnlich wie bei der Deutschen Bahn -– für so langanhaltend hohe Temperaturen nicht ausgelegt und zudem nicht einmal in allen Räumen im Einsatz. Durch die undichten Fenster gelangt außerdem feinster Staub vom roten Schotter des Zwingerhofs nach innen und verschmutzt die Gemälde.

Pläne für eine Grundsanierung gibt es seit Langem. Nun soll ein neuer Anlauf zum Ziel führen. Damit ist jedoch die ursprünglich geplante und teure Auslagerung der Ausstellung in das Japanische Palais vom Tisch. Stattdessen rechnet das Finanzministerium mit einer Sanierung bei laufendem Betrieb. Dann würde eine Hälfte der Sempergalerie saniert, während in der anderen die Sammlung geöffnet bliebe – allerdings stark reduziert.

Für Galeriedirektor Maaz ist mittlerweile vieles vorstellbar: „Unser Problem ist nicht der Platz, sondern die Zeit. Wir brauchen ein Signal, wann es endlich losgeht.“ Der Landtag soll nach der Sommerpause über die mehr als 20 Millionen Euro teure Sanierung beraten.