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Kamenz

Ein Ofen ist wie ein kleines Haus

Stefan Zschornak ist ein Meister im Umgang mit Kacheln, Schamotte und Lehm. Sein Unternehmen in Cunnewitz hat nun etwas zu feiern.

Vor 25 Jahren gründete Ofenbaumeister Stefan Zschornak sein Unternehmen in Cunnewitz. Seit anderthalb Jahren steht ihm sein Sohn David in der Firma zur Seite.
Vor 25 Jahren gründete Ofenbaumeister Stefan Zschornak sein Unternehmen in Cunnewitz. Seit anderthalb Jahren steht ihm sein Sohn David in der Firma zur Seite. © Andreas Kirschke

Cunnewitz. Ganz auf sich allein gestellt fing er an. Mit einem Trabant-Kombi fuhr er über Land zu den Kunden. „Ich musste mich bewegen. Ich musste Kontakte zu Kunden, Baufirmen und Heizungsfirmen knüpfen, mir jeden Cent fleißig verdienen. Es war eine Zeit harter Mühen“, erinnert sich der Ofen-, Luftheizungsbau- und Fliesenlegermeister Stefan Zschornak in Cunnewitz an die Anfänge seiner Firma. „Vertrauen verdienst du dir nur durch gute, beständige, qualitätsgerechte Arbeit.“

Vor 25 Jahren wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Euphorie. Damals gab es im Ort noch keinen festen Telefonanschluss. Seine Termine vereinbarte Stefan Zschornak noch von der Telefonzelle oder persönlich vor Ort. Erste Aufträge erhielt er im Bereich Klosterwasser, Kamenz, Hoyerswerda, Bischofswerda und Bautzen. Aufgrund der Baukrise 1998 bis 2006 kamen die Montage-Baustellen deutschlandweit und sogar in Dänemark hinzu. „Es war eine Zeit schlechter Zahlungsmoral. Manchen Verdienst musste ich mir durch Hartnäckigkeit erkämpfen“, erzählt der 50-jährige Cunnewitzer.

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Ursprünglich lernte er 1985 Ofenbauer. Seine Lehre ermöglichte ihm Ofenbaumeister Jörg Nitsche in Oßling. Dieser ließ historische Öfen wieder neu aufbauen und restaurieren. „Öfen und Feuer begeistern mich seit früher Kindheit“, erzählt Stefan Zschornak. „Vor allem die Bauweise, die Geschichte, die Gestaltungsmöglichkeiten, das Spiel mit der Wärme faszinieren mich immer wieder aufs Neue.“ Zu Hause verfügte die Familie über einen alten Küchenherd und einen Kachelofen. Stefan Zschornak beheizte ihn noch mit Brennholz und mit Kohle. Er wollte mehr über die „inneren Prozesse“ beim Heizen wissen. Er wollte mehr über die Geschichte und Entstehung von Öfen wissen. So reifte sein Berufswunsch in der 9. Klasse heran. Er wollte unbedingt Ofenbauer oder Zimmermann werden. In der Berufsschule für Handwerksberufe in Dresden absolvierte er zwei Jahre Lehrzeit zum Ofenbauer.18 Lehrlinge aus dem gesamten Bezirk Dresden lernten damals Ofenbauer. Nicht jeder schaffte es.“

Stefan Zschornak schloss mit Erfolg ab. Er kam zur praktischen Arbeit ins Baumaschinen-Kombinat BMK Kamenz. Das war ein Großbetrieb mit Fliesenlegern, Zimmerern, Maurern und weiteren Berufszweigen. Rund 100 Beschäftigte gehörten zum Betrieb. Zur Wende stagnierte die Nachfrage in der Branche der Ofenbauer. Stefan Zschornak orientierte sich um. Seit 1992 arbeitete er als Fliesenleger.

Jeder Kamin ist ein Meisterstück

1994 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. „Es waren unsichere, wechselvolle, turbulente Zeiten, erzählt er. So begann er mit der weiteren Qualifizierung. 1996 erwarb er den Meisterbrief im Bereich Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Handwerk. Seine Ehefrau Katharina erledigt heute alle kaufmännischen Arbeiten.

In Cunnewitz baute die Familie das sogenannte historische Wächter-Haus aus. Dort ist heute der Firmen-Sitz. Als Lehrmeister bildete Stefan Zschornak bis heute 14 Lehrlinge aus. Im Jahr 2006 setzte er sich nochmals auf die Schulbank. Im Abendstudium, parallel zur Arbeit, studierte er. Nach einem Jahr erhielt er den Meisterbrief für den Ofen- und Luftheizungsbaumeister. So konnte er sein Auftragsspektrum erweitern. Kamine, Öfen nach moderner und nach alter historischer traditioneller Bauweise in vielfältiger Ausführung, Küchenherde, Backöfen sowie vielfältige Reparaturen gehören heute dazu. „Meinen ersten Ofen baute ich in Wittichenau“, entsinnt er sich stolz. „Wir arbeiteten mit Kacheln, Schamotte und Lehm als Hauptbaumaterialien.“

Jeder handwerklich gebaute Kamin, Ofen oder Herd sei ein individuell geschaffenes Meisterstück, verdeutlicht der Cunnewitzer. „Der Beruf Ofenbauer ist sehr vielseitig. Du hast es mit Fragen der Dämmung, der Mauern und der Statik zu tun. All dies gilt es, gut aufeinander abzustimmen. Ein Ofen ist wie ein kleines Haus“, meint Sohn David Zschornak (24). „Das Erfüllende, Wunderbare und Schönste an unserem Beruf ist, Menschen am Ende glücklich zu sehen.“ Seit anderthalb Jahren steht er seinem Vater in der Firma zur Seite.

David Zschornak plant und baut Öfen gleichermaßen. Mit 24 Jahren bereits ist er von der Handwerkskammer Dresden bestätigter fertig ausgebildeter Ofenbaumeister. Vor allem durch die Ferien-Mitarbeit in der Firma und durch das Vorbild des Vaters fand er zum Beruf. Heute konstruiert er bereits mit modernster 3-D-Technik neue Öfen. Genauso liegt ihm der historische Ofen-Bau am Herzen. „Wir suchen weiter Lehrlinge“, unterstreicht Vater Stefan Zschornak.

Der Familienbetrieb beschäftigt heute drei Fliesenleger, zwei Ofenbauer, einen Lehrling Ofenbauer und eine Bürokauffrau. „Nur das gegenseitige Geben und Nehmen und solide, ehrliche Zusammenarbeit sichern den Erfolg“, meint der Familienvater von vier Kindern und ist stolz auf 25 Jahre Selbständigkeit. 

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