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Ein Ort für Streuner

Ein Görlitzer versucht, der Vermehrung wild lebender Katzen Herr zu werden. Doch das ist nicht einfach.

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Von Ines Eifler

Ein großer Hof zwischen verfallenden Häusern. An den Rändern wuchert Gestrüpp, die alten Garagen missbraucht jemand als Müllabladestelle. Hier könnten Ratten und Mäuse zum Problem werden. Tun sie aber nicht. Denn eine Menge streunender Katzen leben hier. Manchmal jedoch werden es zu viele und stören das Stadtbild.

Seit vielen Jahren hat Frank-Uwe Schneider ein Auge auf dieses Grundstück in der Südstadt, dessen Besitzer häufig wechseln. Er selbst wohnt in der Nachbarschaft. „In manchen Jahren habe ich hier 60 bis 70 Katzen gezählt“, sagt der 54-jährige Görlitzer. Vor allem, weil mehrere ältere Damen Freude daran hätten, die Katzen zu füttern, würden sich diese „rund um die Uhr“ vermehren. Noch mehr ärgert er sich über Leute, die ihre Katzen einfach aussetzen. „Ich habe es schon erlebt, dass jemand einen ganzen Wurf junger Kätzchen aus seinem Kofferraum geholt und hier abgeladen hat.“

Aber wo viele Tiere sind, gebe es auch Krankheiten, sagt Schneider. Deshalb haben er und zwei seiner Nachbarn die Sache in die Hand genommen. Mit einer professionellen Falle, früher geliehen, inzwischen angeschafft, fangen sie die streunenden Katzen ein. Sie bringen sie zum Tierarzt Hubertus Thomas und lassen sie von ihm kastrieren. Nach der Operation setzen sie die Tiere behutsam wieder aus.

„Ich finde ein solches Engagement natürlich großartig“, sagt Hubertus Thomas, der sich generell für Katzenkastrationen ausspricht. „Nur wenn sich wirklich jemand um die Tiere kümmert und auch den Überblick behält, ändert sich etwas.“ Der Tierarzt warnt unbedingt vor übermäßigem Füttern herrenloser Katzen, wie es zum Beispiel auch in Rauschwalde und auf der Bautzener Straße vorkommt. „Ich verstehe, dass mancher das Bedürfnis danach hat und es auch nach unserer Aufklärung nicht übers Herz bringt, kein Futter mehr hinzustellen“, sagt der Tierarzt. „Aber es begünstigt die Fortpflanzung enorm und lockt immer mehr neue Katzen an.“ Wenn man unbedingt füttern wolle, solle man nur so lange etwas hinstellen, bis die Katzen gefressen haben und es dann wieder wegnehmen.

Hubertus Thomas lobt aber nicht nur das Engagement von Frank-Uwe Schneider und seinen beiden Mitstreitern, sondern auch das Ordnungsamt. Es unterstütze die Kastrationen finanziell. „Ich kenne keine andere Gemeinde, die diese Leistung übernimmt.“

Tatsächlich teilen sich Ordnungsamt und Veterinäramt die Kosten für die Kastrationen verwilderter Hauskatzen in Görlitz. Dies sei eine freiwillige Leistung, um der unkontrollierten Vermehrung der Katzen entgegenzuwirken, teilt das Ordnungsamt mit. 2 250 Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung.

Seit Schneider vor acht Jahren mit den Kastrationen begonnen hat, ist die Zahl der Katzen in seinem Revier gut zurückgegangen. In den Vorjahren hat er manchmal 15 Tiere zum Tierarzt gebracht, 2012 waren es nur noch sechs. Zurzeit sind auf dem Katzengrundstück zehn bis 20 Tiere unterwegs. „Weniger werden es leider nicht“, sagt Schneider, „dafür werden zu viele ausgesetzt.“

Er versucht aber nicht nur, die Zahl der Tiere einzudämmen, er hat vor allem ein großes Herz für die wild lebenden Katzen. Ist eine von ihnen krank oder verletzt, nimmt er sie zu sich, bis sie wieder gesund ist. Für Bedürftige steht sein Küchenfenster immer einen Spalt breit offen. Die Tiere so an einem Ort zu konzentrieren, hält Schneider nämlich trotz allem für wichtig. „Wenn wirklich mal ein Katzenvirus ausbricht, haben wir es wenigstens unter Kontrolle.“